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Vom Ersatz zur ersten Wahl

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Von: Thomas Wißner

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Das SPD-Duo für die Landtagswahl im kommenden Jahr: Nina Heidt-Sommer ist Direktkandidatin für den Wahlkreis 18, Kamyar Mansoori ihr Ersatzkandidat. Foto: Wißner © Wißner

SPD Gießen nominiert Nina Heidt-Sommer als Direktkandidatin für die Landtagswahl 2023

Gießen . Elf Monate nachdem Nina Heidt-Sommer als Nachrückerin in den Hessischen Landtag eingezogen ist, wurde sie nun im Bürgerhaus Kleinlinden bei der SPD-Wahlkreiskonferenz als Direktkandidatin für den Wahlkreis 18 bei der Landtagswahl im nächsten Jahr nominiert. Am 13. Dezember 2021 war sie für Frank-Tilo Becher nachgerückt, nach-dem dieser zum Gießener Oberbürgermeister gewählt worden war.

»Mit Nina schicken wir eine wunderbare Landtagskandidatin ins Rennen. Wenn wir keine hätten, uns eine backen müssten, dann würde diese so aussehen wie Du«, richtete der Unterbezirksvorsitzende Felix Döring das Wort an die Kandidatin. 55 der 56 anwesenden Delegierten folgten dem Vorschlag Dörings und nominierten Heidt-Sommer einstimmig bei einer Enthaltung.

Deutliches Votum

Bei der Wahl im kommenden Jahr können die Menschen in Biebertal, Gießen, Heuchelheim, Wettenberg und Lollar ihr Kreuz bei Heidt-Sommer machen. Staufenberg gehört dann zum Wahlkreis 19, statt bislang zum Kreis 18.

Gar mit einem 100-Prozent-Votum ausgestattet wurde Ersatzbewerber Kamyar Mansoori, der alle 56 Stimmen auf sich vereinen konnte. »Unser Ziel ist es, die CDU nach 23 Jahren aus der Staatskanzlei zu jagen«, appellierte der Bundestagsabgeordnete Döring an die Delegierten. »Wir müssen gewinnen, um den sozialen Zusammenhalt in diesem Land zu gewährleisten.« Eine Politik der Solidarität werde in Hessen dringender denn je gebraucht. Döring sprach von einem »Scherbenhaufen« nach über 20 Jahren CDU-geführter Landesregierung.

»Wir wollen, dass alle Menschen in unserem Land ein würdiges Leben führen und die, die arbeiten am Ende ihre Familien von ihrem Geld ernähren können«, sagte die Landtagsabgeordnete in ihrer Rede. Die CDU dagegen fahre ein Programm der Spaltung.

In die Arbeit der Fraktion in Wiesbaden habe sie sich schnell eingefunden. Die ehemalige Lehrerin an der Grundschule Gießen-West versicherte zu wissen, was die Menschen im Bildungs- und Sozialbereich bewegt. »Ich bin seit zehn Jahren Pflegemutter, seit zwölf Jahren im Stadtparlament. Seit meiner Jugend in Biebertal und Heuchelheim engagiere ich mich ehrenamtlich für Geflüchtete.« Ihre persönlichen Erfahrungen seien wesentliche Grundlage ihres Handelns und dies werde sie in ihre Arbeit einbringen.

Zum Dauerthema »Universitätsklinikum Gießen und Marburg« (UKGM) forderte Heidt-Sommer: »Hessen braucht eine neue Landesregierung, die bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Die Landesregierung lässt die Kommunen alleine.« Die aktuelle Situation zeige, dass das UKGM »zu billig verkauft« worden und der Vertrag für das Land schlecht sei. »Das Geschacher um die Zukunft muss enden«, die Landesregierung müsse zu einem verantwortlichen Abschluss kommen und in das UKGM investieren. »Dieser Verkauf war nachhaltig schlecht. Wir werden als Land für das UKGM Verantwortung übernehmen.«

Die SPD werde nicht zulassen, dass Gewinne auf Kosten der Patienten, Studierenden und anderer gemacht würden. Wir müsse dem Betreiber klarmachen, dass das Land auch entscheiden werde, wenn es bezahlen soll.

Weiterhin sprach sich die 44-Jährige dafür aus, dass Bus und Bahn günstiger gemacht werden, aber auch Investitionen in den ÖPNV erfolgen müssten. »Was nützen Busse und Bahnen, die nicht dahin fahren, wohin wir möchten? Wir brauchen moderne Verkehrskonzepte.« Die Landtagsabgeordnete bemängelte zudem, dass Hessen bei der Entwicklung von Windenergie nicht vorankomme. Dies sei beschämend.

Mehr Gehalt für Grundschullehrer

Es sei »unfassbar, wie diese Landesregierung ihre eigenen Beschäftigten behandelt«. Das wolle man ändern. Bildung von der Kita bis zum Meister müsse kostenlos sein, Lehrer besser bezahlt werden. Gerade an den Grundschulen gebe es einen gravierenden Lehrermangel. In den Nachbarländern würden diese besser besoldet und müssten weniger Stunden unterrichten. »Hier ist Hessen weiter hinten und nicht vorne.« Hessen solle zu einem Land der Chancengleichheit werden.

Anschließend stellte sich auch Kamyar Mansoori vor. Der 29-jährige Volkswirt und Technologieberater sprach sich für einen starken und günstigen ÖPNV sowie Vergünstigungen für schlechter gestellte Haushalte aus. »Wie dies funktionieren kann, zeigt der Gießen Pass.« Darüber hinaus solle das 365-Euro Ticket der Schüler auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. »Günstige Ticketpreise allein reichen nicht. Die Infrastruktur muss verbessert werden.«

Lobende Worte für seine Nachfolgerin im Landtag hatte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, der den Wahlkreis bei Heidt-Sommer »in guten SPD-Händen« sieht. Die 44-Jährige sei eine »leidenschaftliche und engagierte Vertreterin für Stadt und Region«.

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