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Vom Film zur Oper

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Gießen (tsa). Die Liebesgeschichte der Cowboys Jack Twist und Ennis Del Mar in »Brokeback Mountain« rührte im Jahr 2005 Millionen Kinobesucher in aller Welt. Der Film von Ang Lee brach an den Kinokassen alle Rekorde, heimste mehrere Oscars ein und rückte das Thema Homosexualität in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nun kommt der Filmstoff auf die Gießener Opernbühne:

Am Samstag, 19. Februar, um 19.30 Uhr feiert das hochemotionale Berg- und Liebesdrama im Stadttheater in der Inszenierung von Intendantin Cathérine Miville Premiere.

Grundlage ist das Werk des US-Komponisten Charles Wuorinen (1938 - 2020), der die Geschichte nach der gleichnamigen Erzählung von Annie Proulx vertonte. Sie schrieb auch das Libretto. Die musikalische Leitung der Gießener Produktion liegt bei Fabrizio Ventura und Martin Spahr, der Chor des Stadttheaters singt unter der Leitung von Jan Hoffmann.

Geplant war die Aufführung eigentlich schon 2020, doch dann kam Corona dazwischen, so dass die Intendantin und ihr Team die ganze Sache erst einmal verschieben musste. Aufgeschoben ist in diesem Fall aber nicht aufgehoben, denn nun hat Cathérine Miville wieder genau das künstlerischer Personal beisammen, das ihr zur Verwirklichung vorschwebte, wie sie jetzt beim Probengespräch betonte. Sie meinte damit hauptsächlich den US-amerikanischen Tenor Samuel Levine (Jack) und den aus Berlin stammenden Bariton Sebastian Noack (Ennis), die in »Brokeback Mountain« außergewöhnlich anspruchsvolle Partien zu bewältigen haben. »Das ist eines der schwersten Stücke, das ich kenne«, sagte Noack. Die Schwierigkeit liege in der Musik, in den Klängen, in die man sich erst einfinden müsse. Das bestätigte auch sein amerikanischer Kollege, der gleichzeitig davon schwärmte, dass diese Oper sehr gut für das Theater geschrieben sei.

Wie viele Opern so handelt auch diese von einer Liebe, die das gesellschaftliche Umfeld nicht billigt. Erzählt wird die Geschichte der Cowboys Jack und Ennis im ländlichen Nordamerika von 1963 bis 1983. Beim gemeinsamen Schafehüten am Brokeback Mountain kommen sie sich näher, verlieben sich ineinander, verlieren sich aus den Augen und gründen Familien. Aber ihre Sehnsucht lässt sie immer wieder zusammenkommen.

Atonaler Komponist

Auf die Familien richtet die Regisseurin ihr besonderes Augenmerk und fragt nach den Auswirkungen auf deren Mitglieder: »Die Frauen merken doch, dass etwas nicht stimmt, können es aber nicht einordnen. Und die Kinder spüren die Spannungen zwischen den Eltern und haben auch keine Erklärung dafür.«

»Charles Wuorinen war bekennender atonaler Komponist. Er schöpft aus der Sprachmelodie und versteht es, das Orchester virtuos zu nutzen«, erläuterte Musikdramaturg Samuel Christian Zinsli. Mit seiner Musik beschwört Wuorinen die schroffe Berglandschaft Wyomings wie das gesellschaftliche Klima der Kleinstadt. Atmosphärisch und farbig-detailliert werden Natur und Einsamkeit in ihrer Ambivalenz hörbar gemacht: befreiend, aber auch bedrohlich und düster.

Lukas Noll hat ein Bühnenbild entworfen, in dem sich realistische und abstrakte Elemente mischen, so dass schnelle Szenen- und Zeitwechsel möglich sind. Videoprojektionen von Marc Jungreithmeier setzen in Verbindung mit dem Lichtdesign von Thomas Haase das ländliche Amerika plastisch in Szene, so wie auch die Kostüme von Monika Gora die zeitlose Mode der Schafhirten in Wyoming abbilden.

Alle Figuren, auch kleinere Partien, bekommen ein eigenes Profil, so die Ehefrauen (Antonia Bourvén / Hailey Clark und Ilseyar Khayrullova), Jacks Eltern (Melinda Paulsen und Dan Chamandy) oder Schafzüchter Aguirre (Bassist Pawel Lawreszuk). Aus dem Ensemble des Stadttheaters ist Tomi Wendt zu erleben. Maestro Ventura, der ehemalige Generalmusikdirektor der Staatsoper Istanbul sowie des Theaters Münster und des Sinfonieorchesters Münster, dirigiert die Premiere.

Weitere Vorstellungen gibt es am 4. und 18. März, 9. und 29. April sowie am 12. Mai, jeweils um 19.30 Uhr.

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