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Vom Ganges an die Lahn

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Von: Julian Spannagel

600 Studierende, die sich für ihr erstes Fachsemester an der JLU Gießen eingeschrieben haben, kommen aus 82 Ländern. Im »Lokal International« wurden sie begrüßt und informiert.

Gießen. Im Zuge der Einführungswochen der JLU wurden im »Lokal International« internationale Studierende durch das Präsidium und das Akademische Auslandsamt willkommen geheißen. Einerseits konnten sich die Studierenden untereinander austauschen, andererseits gab es auch die Möglichkeit, sich über Organisation und Möglichkeiten während des Studiums außerhalb der Heimat zu informieren. Zudem wurde ihnen Mut zugesprochen.

Ihre Herkunftsländer sind zahlreich. Allein die 600 Studierenden, die sich für ihr erstes Fachsemester eingeschrieben haben, kommen aus 82 Ländern. Im studentischen Lokal auf dem Gelände des Wohnheims »Eichendorffring« fragt Patrycja Zakrzewska vom Akademischen Auslandsamt in die Runde, wo die zur Begrüßung Erschienenen im gut gefüllten Veranstaltungsraum herkommen. Besonders viele Hände gehen bei »Italien« hoch, doch auch aus Indien und Polen kommen gleich mehrere. Auch Studierende aus Marokko haben ihren Weg nach Gießen gefunden, eine Studentin aus China ist anwesend.

»Viele kommen aus Nebenmetropolen, die gar nicht so internationalisiert sind«, so Prof. Katharina Lorenz, JLU-Vizepräsidentin für Studium und Lehre. Da seien Begegnungen zwischen Studierenden von hier und von auswärts tendenziell etwas Spannendes.

Angesprochen auf die Frage, wie sie Gießen bisher wahrnimmt, erzählt Riya Raj aus Delhi, dass sie es hier etwas leise findet. »Ich bin das nicht gewohnt. Bei uns ist es viel lebhafter und die Geschäfte haben viel länger auf«, so die 23-Jährige. Aufgefallen sei ihr zudem, dass die Menschen hier ungern Englisch sprechen. Sie studiert nun den unter den internationalen Studierenden beliebten Master-Studiengang »Agrobiotechnology«, der, wie der Name schon sagt, auf Englisch absolviert wird. Warum sie sich für Gießen entschieden habe? »Sie kennen bestimmt Liebig, er ist der Vater des Düngers«, so Rajs Erklärung.

Des Weiteren hat auch Ernesto Casella aus Neapel seinen Weg nach Mittelhessen gefunden. Der 25-Jährige beginnt hier seinen Master in Sozialwissenschaften. Damit ist er einer von 200 internationalen Master-Studierenden in Vollzeit, die derzeit eingeschrieben sind. Casella ist im Rahmen des Erasmus-Programms hier und sein primärer Beweggrund, Italien vorübergehend zu verlassen, ist der Sprung aus dem Elternhaus. »Ich will lernen, allein zu leben, und wollte aus meiner Komfortzone raus«, erklärt er. Außerdem sei er fasziniert von der deutschen Sprache. In seinem Studienfach seien außerdem etwa Max Weber und Karl Marx prägend gewesen. Gute Gründe für ihn, sich für Gießen zu entscheiden.

»Meist wollen die Leute zurück, vielleicht bleiben sie jedoch auch hier und es gibt neue Fachkräfte für die Region«, so Lorenz, die Uni-Präsident Joybrato Mukherjee vertrat. Neben den genannten Gruppen internationaler Studierender sind in diesem Wintersemester außerdem weitere 50 Vollzeitstudierende, 40 Promovierende, 90 Austauschstudierende, 210 Teilnehmende des Virtuellen Austauschsprogramms sowie zwölf sogenannte »Free Mover« im Rahmen des selbstorganisierten Studiums eingeschrieben. Insgesamt sind es wesentlich mehr als noch vor Pandemiebeginn. Manche warten derzeit auch noch auf ein Visum und werden voraussichtlich in den kommenden Wochen dazustoßen.

Wichtig für diese sei, dass sie auch die deutsche Sprache lernen, sind sich Lorenz und Zakrzweska einig, die beide auch auf Auslandsaufenthalte zurückblicken. Letztere ist hier geblieben, seit nunmehr zehn Jahren. Den Neuankömmlingen spricht sie Mut zu: »Manchmal fühlt ihr euch vielleicht einsam und verloren. Wir sind da für euch«, so Zakrzweska. Aus Erfahrung wisse sie, dass ein Auslandsaufenthalt bei aller positiver Aufregung auch etwas Angst bereiten könne, etwa bei fehlenden Deutschkenntnissen. Deshalb weist sie darauf hin, dass sich die Studierenden noch für für Deutschkurse an der JLU anmelden können.

Katharina Lorenz bekräftigte die Anwesenden darin, dass ihr Schritt, herzukommen, eine gute Entscheidung sei. Ihre Erfahrungen von früher trage sie immer noch mit sich und daher hofft sie, dass auch die Neuankömmlinge »Wissen, Stärke und positive Gedanken« aus ihrer Zeit in Gießen mitnehmen können. Sie ermutigt sie außerdem, auch jenseits des Studiums aktiv zu sein, etwa beim Hochschulsport und im Nachtleben. Das »Lokal International« habe zudem häufig Termine, um sich kennenzulernen, im Programm.

Verschiedene Organisationen stellten sich bei der Veranstaltung vor, so etwa die Ausländische Studierendenvertretung, die die Belange der internationalen Studierenden an der JLU repräsentiert, der Verein »Solifonds«, der unschuldig in Not geratene Studierende finanziell unterstützt, sowie die Evangelische und die Katholische Hochschulgemeinde.

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