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Vom Kronjuwel zum Leuchtturm

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Die drei besten Schüler des Jahrgangs 2022 waren Ricarda-Madita Weiss, Christine Nold und Jan David Luan. Foto: Czernek © Czernek

Gießen (bcz). »Das Prädikat des Abiturs steht Euch zu Recht zu«. Mit diesem Worten begrüßte Schulleiter Horst Brombach die Abgänger der August-Hermann-Francke-Schule (AHFS) zur Verleihung der Abschlusszeugnisse des Jahrgangs 2022. Von den 60 Abgängern der Schule erhielten 51 Schüler und Schülerinnen am Freitagabend in der Aula ein Abiturzeugnis von ihren Klassenlehrern Ralf Thomas Klein, Lars Reeh und Axel Hollnagel überreicht, weitere neun Absolventen konnten sich über ein Fachabiturzeugnis freuen.

Mit einem Notendurchschnitt von 2,02 lagen die Schüler dieses Jahrganges nicht nur weit über dem hessischen Notendurchschnitt, sie waren damit auch der beste Jahrgang, der die AHFS jemals verlassen hat, wie der Schulleiter betonte. »22 Schüler und Schülerinnen haben eine 1 vor dem Komma, das ist eine erstaunliche Leistung. Und das trotz der widrigen Umstände, unter denen dieser Jahrgang unterrichtet wurde«, sagte der Pädagoge in Hinblick auf die vielen Probleme, die Corona dem Schulalltag in den vergangenen zwei Jahren bereitet hatte.

Für seine Festrede nahm sich Prof. Stefan Holthaus, Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, die vier Buchstaben der Abkürzung der August-Hermann-Francke-Schule vor. Das A steht für ihn als Synonym für »abgehen aus der Schule«. Dies sei der letzte Tag, wo Ihr Schüler genannt werdet, sagte er. Zudem stellte er ihnen Fragen nach dem Sinn des Lebens, denn die Zahl der Optionen sei unendlich hoch.

Der zweite Buchstabe H bedeutet für Holthaus ein »haltet fest« an den ethischen Werten des Lebens, denn viele Menschen hätten viele Meinungen, aber nur wenige hätten feste Überzeugungen. Das F ist für ihn gleichbedeutend für »Falle nach vorne«, denn die großen Niederlagen würden unweigerlich kommen, schließlich sei das Leben kein Ponyhof. Doch jede Niederlage habe auch das Potenzial etwas daraus zu lernen. Schließlich sei es entscheidend, wie man mit seinen Niederlagen umgehe. Das S schließlich steht für »Die Sache mit Gott«. Die AHFS sei eine Schule mit einem christlichen Fundament - und genau das brauche man für sein künftiges Leben.

Abschiedsworte des Dankes fanden Clara Wüsten und Matthias Becker, die für die Absolventen sprachen und von der durch Humanismus und den christlichen Geist geprägten Schulatmosphäre berichteten, die zu dem Abschluss beigetragen habe. In der Abschiedsrede, die Jens Karb stellvertretend für alle Eltern sprach, verglich er die Schulzeit mit der Tour de France und dem Schlusssprint der Beteiligten am Ziel in Paris. Die Schule sei dabei mit ihrem organisatorischen Hintergrund durchaus mit der Tour-Direktion zu vergleichen. Das Abitur sei allerdings nur ein Etappensieg auf dem Weg zum großen Ziel, das nur mit Gott zu erreichen sei, so Karb. Er endete mit dem Bibelzitat »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.«

Die Klassenlehrer Ralf Thomas Klein, Lars Reeh und Axel Hollnagel bedankten sich für die vergangenen drei Jahre mit ihren Schülern. »Auf einmal ging es doch ganz schnell«, fasste es Klein zusammen und Reeh bescheinigte allen eine große Portion an Resilienz. Hollnagel verglich den Jahrgang mit den britischen Kronjuwelen. Zwar sei das Abitur das Juwel unter den Abschlussformen, jedoch würde es niemandem etwas nützen, die Schüler in ein Museum zu stellen. Vielmehr sollten sie ihre Fähigkeiten nutzen, um zu einem Leuchtturm für ihre Mitmenschen zu werden. Er ermahnte sie, für die christlichen Werte wie auch für Meinungs- und Pressefreiheit einzutreten, damit diese erhalten bliebe.

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Schulorchester unter der Leitung von Sofia Demler. Beendet wurde die Feier mit einem gemeinsamen Gebet, bevor die Schüler ins Leben entlassen wurden - und natürlich zum Feiern.

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