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Vom Umgang mit den alten Aufnahmen

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Beim Kongress in Budapest traf das Kleine Filmbüro aus Gießen auf Archive aus der ganzen Welt. Foto: Attila Gunduz © Attila Gunduz

Gießen/Budapest (red). Das Kleine Filmbüro - Gießen in bewegten Bildern des Oberhessischen Museums wurde im April zu einem Kongress des Internationalen Verbands der Filmarchive (FIAF) nach Budapest eingeladen. In einem Vortrag vor etwa 350 Mitgliedern schilderte der wissenschaftliche Mitarbeiter Mário Jorge Alves den Gießener Umgang mit privaten Filmaufnahmen und dessen museale Nutzung.

Der Kongress zählt laut Pressemitteilung zu den weltweit wichtigsten internationalen Versammlungen zum Umgang mit Filmmaterial. Diesmal wurde er vom ungarischen Nationalarchiv im Filmtheater Urania organisiert, das zu den ältesten Kinos Europas zählt. Inhaltlich ging es um »Das sichtbare Archiv: Archivierung, Bewahrung, Digitalisierung und gemeinsame Nutzung von »non-feature«-Filmsammlungen«. Behandelt wurde also jene Filmkultur, der bisher nicht allzu große Beachtung in der Wissenschaft und der Archivierung zugeschrieben wurde. In jüngster Zeit ist sie jedoch immer stärker in den Fokus der archivwürdigen Prioritäten gerückt. Hierzu sind auch private Filmaufnahmen zu zählen, die etwa das Gießener Kleine Filmbüro des Oberhessischen Museums sammelt und in den stadthistorischen Kontext setzt.

»Das ist schon ganz schön beeindruckend, dass wir zum Kongress eingeladen wurden. Wir sind immerhin die kleinste vertretene Institution in Budapest und durften neben solch Größen wie dem Deutschen Bundesarchiv, Yale Film Archiv in den USA, der Cinemathek Toulouse in Frankreich, Jerusalemer Filminstitut in Israel, um nur einige zu nennen, unser Museumsprojekt vorstellen«, so der Vertreter des Oberhessischen Museums. »Unser Gießener Museum ist nun zwischen Japan, Südafrika und Argentinien für den Umgang mit privaten Filmaufnahmen weltweit bekannt. Und wir wurden sogar gefragt an einer internationalen Kooperation mitzuarbeiten, um einen Leitfaden zum Umgang mit Amateurfilmaufnahmen zu erstellen«, berichtete Alves. »Das ist großartig!«

Eine Gruppe von Archivaren aus den USA und Europa arbeitet zurzeit an der Erstellung eines praktischen Leitfadens für Archivare, der wichtige Themen und Fallstudien im Zusammenhang mit dem Erwerb, der Katalogisierung und der Präsentation von Amateurfilmen behandelt.

Wie Alves dem Auditorium vortrug, wurde Gießens Architektur während des Zweiten Weltkriegs weitgehend zerstört und unzählige historische Dokumente gingen in den Bränden verloren. So gibt es nur wenige bewegte Bilder aus der Zeit vor, während und unmittelbar nach dem Krieg. Das Kleine Filmbüro hat sich zum Ziel gesetzt, Amateurfilme zu sammeln, um einen Teil der Geschichte Gießens wiederherzustellen. Dazu verbindet es die Kleinfilme mit den Geschichten und dem Wissen ihrer Besitzer. Gemeinsam mit der Bevölkerung werden die Filme auf historischen Projektoren gesichtet, gesammelt und dokumentiert. In vielen Fällen werden sie auch digitalisiert. Diese Filme können dann in den Ausstellungen der Museen verwendet werden sowie in Zukunft auch für Neugierige und Forscher öffentlich zugänglich sein.

Der Internationale Verband der Filmarchive (FIAF), setzt sich seit 1938 für die Erhaltung des weltweiten Filmerbes und den Zugang dazu ein. In ihr sind die weltweit führenden gemeinnützigen Einrichtungen zusammengeschlossen. Ihre Mitglieder engagieren sich für die Rettung, Sammlung, Bewahrung, Vorführung und Förderung von Filmen, die sowohl als Kunst- und Kulturwerke als auch als historische Dokumente wertvoll sind. Im April 2021 gehören ihr 171 Einrichtungen in 79 Ländern an. (red)

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