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Vom Wein zur Punkerkneipe

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In der Frankfurter Straße lädt Wirtin Britta Prell ins »Sowieso« ein. Foto: Frahm © Frahm

Gießen . Im »Fass« werden Revolutionen geplant, sagten die Gießener in den 1960er Jahren. In der Frankfurter Straße, im Keller des Liebig Hotels, war im Jahrzehnt zuvor eine Gaststätte entstanden, die schon durch ihren ungewöhnlich gestalteten Eingang auffiel: Man betrat die Gaststätte, die in den ersten Jahren ihres Bestehens eine Weinstube war, nämlich durch ein großes Fass.

Nach der Weinstube, die nach einer wechselvollen 70-jährigen Geschichte heute unter dem Namen »Sowieso« als gemütliche Kellerkneipe mit Punkrockmusik ein junges Publikum anzieht, fragten wir in unserem letzten Teil des Sommerrätsels. Das Detailbild wirkt zwar wie ein Kreuz. Doch von hier ragte früher das Kneipenschild in den Straßenraum. Als die Stadt Gießen eine Sondernutzungsgebühr für in den Straßenraum ragende Werbeschilder erhob, montierte Wirtin Britta Prell ihr Kneipenschild kurzerhand ab.

Gegründet in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts als Weinstube mit dem Namen »Zum Fass«, war die Gaststätte schnell beliebter Treffpunkt für intellektuelle Debattierclubs. Man saß etwas beengt in großen Fässern, die mit Bänken und Tischen möbliert waren. In den 1960er Jahren wurde die Weinstube vorwiegend von Bier trinkenden Studenten frequentiert. Im »Fass« wurden gemeinsam Demonstrationen geplant und Aktionen verabredet.

In den frühen 1970er Jahren wechselte der Besitzer und das »Fass« bekam den Namen »Zum Knie«. Mit dem Namen veränderte sich auch das Publikum. An der Bushaltestelle vor dem Eingang etablierte sich ein kleiner Drogenhandel. Nach der berühmten Razzia im »Scarabee« 1973, zu der die Polizei im Güterzug vorfuhr, verlagerte sich die Drogenszene ganz in und vor das »Knie«.

Prompt fuhr nach einem Monat die Polizei auch vor diesem Drogenumschlagplatz vor, diesmal in gecharterten Stadtbussen. Die Gaststätte wurde anschließend geschlossen, und in den folgenden Jahren versuchten verschiedene Wirte hier ihr Glück mit einem außergewöhnlichen Speisenangebot.

In den 1980er Jahren übernahm Britta Prell die vakante Gaststätte und etablierte eine Punkerkneipe mit dem Namen »Sowieso«. Neben dem Getränkeangebot gibt es hier ein kleines Speisenangebot, vor allem das fast schon legendäre »Sowieso-Baguette«, das zeitweise durch einen Mauerdurchbruch auch in der benachbarten Discothek verkauft wurde.

Den letzten Teil unseres Sommerrätsels hat gewonnen: Heinrich J. Rumpf aus Großen-Buseck. Danke an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen fürs Miträtseln!

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