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Von Klingelanlage bis Energiewende

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Bei der Freisprechungsfeier der Innung für Elektro- und Informationstechnik in Gießen zeigte sich die große Aufgabenbreite, die mit diesen Berufen verbunden ist.

Gießen . Zwei Jahre lang musste Pandemie-bedingt die Freisprechungsfeier der Gesellinnen und Gesellen der Innung für Elektro- und Informationstechnik ausfallen. Das hatte für die im Bürgerhaus Kleinlinden nun endlich wieder mögliche Freisprechung zur Folge, dass von den 55 jungen Männern letztlich immerhin 15 tatsächlich auch gekommen waren. Die Innungsverantwortlichen um den stellvertretenden Obermeister Matthias Müller (Beuern) und den Vertreter des Landesinnungsverbandes, Dipl.-Ing. Andreas Habermehl (Fernwald, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke) überreichten ihnen die Prüfungszeugnisse und Gesellenbriefe.

Als Innungsbeste des Prüfungsjahrganges 2020/21 wurden Luca Faber (Reiskirchen, Ausbildungsbetrieb (AB) Faber, Reiskirchen) und Mohamad Zeer (Buseck, AB Adigüzel, Fernwald) sowie für 2021/22 Marius Joneck (Hungen, AB Spie Lück, Lich) und Yahya Akhgar (Lich, AB Walz, Lich) besonders hervorgehoben. Habermehl erinnerte den Berufsnachwuchs daran, dass die Elektro- und Informationstechnik »per Definition als gefahrengeneigt gilt« und somit die Regeln der Technik, die die jungen Männer in einer dreieinhalbjährigen Ausbildung auf hohem Niveau erlernt haben, überlebenswichtig seien.

Die vielfältigen Einsatzgebiete eines Elektronikers reichten von der Montage einer einfachen Klingelanlage bis hin zu den großen Themen im Bereich der Energiewende und seien mittlerweile »nahezu unüberschaubar« geworden. »Sie müssen nicht alles können, aber Sie müssen die Arbeiten, die Sie ausführen, sicher und regelkonform ausüben. Denn es hängen Menschenleben daran«, appellierte Habermehl und empfahl den Junggesellen, die Weiterbildungsmaßnahmen, die zukünftig auch gewerkeübergreifende Kenntnisse vermitteln, zu nutzen.

Den Beschäftigten im Elektrohandwerk bescheinigte er »größte Zukunftsaussichten«. Nicht ohne Grund erfreuten sich die E-Handwerke mittlerweile im siebten Jahr in Folge steigender Ausbildungszahlen: »Eine elektrohandwerkliche Ausbildung zu absolvieren, ist attraktiv.« Und sie werde noch attraktiver, wenn endlich eine lange erhobene Kernforderung (auch) des Elektrohandwerks erfüllt werde und es zu einer überfälligen Gleichstellung zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung komme. Dass das Elektrohandwerk ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, belegten Zahlen: Mit bundesweit mehr als 518 000 Beschäftigten, davon 46 000 Auszubildende, erwirtschafteten die Unternehmen einen Jahresumsatz von 72,2 Milliarden Euro. Sowohl bei den Beschäftigungszahlen wie auch beim Umsatz zeigte sich 2021 ein deutliches Wachstum.

Namens der Kreishandwerkerschaft Gießen gratulierte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Uwe Bock den Junggesellen zur hochwertigen Ausbildung und zum Bestehen der Gesellenprüfung, was einem tragfähigen Fundament gleichkomme, auf dem sich ein erfolgreiches Berufsleben aufbauen lasse. Insbesondere wenn in nicht allzu ferner Zukunft der erfolgreiche Abschluss der Meisterprüfung und eine Weiterbildung zum Betriebswirt hinzukomme.

Insgesamt ist das Handwerk laut Bock nach wie vor das Rückgrat einer gesunden und zukunftsorientierten Volkswirtschaft, »die selbstverständlich auch seitens der Politik durch verlässliche Rahmenbedingungen unterstützt werden muss«, forderte er.

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