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Fast so schön wie der Wilde Westen: die Freiluft-Arena am Kalkberg bei Bad Segeberg. Sie zählt zu den wichtigsten Schauplätzen der Karl-May-Festspiele.

Von Kötzschenbroda bis Bad Segeberg

Wer Karl May sagt, muss auch Winnetou nennen. Wer von den Gesammelten Werken des Schriftstellers spricht, darf von den Karl-May-Filmen nicht schweigen. Und wer mit den Geschichten des sächsischen Fabulierers groß geworden ist, der hat auch bestimmt (mindestens) eine der auf den Erzählungen Mays beruhenden Aufführungen auf einer der (Freilicht-)Bühnen Mitteleuropas gesehen.

Schon 1908, noch zu Lebzeiten Karl Mays, wurde das erste Bühnenstück nach Motiven des Abenteuerschriftstellers aufgeführt. Im sächsischen Kötzschenbroda, jetzt ein Stadtteil von Radebeul, der Wahlheimat des Autors. Nicolas Finke und Reinhard Marheinecke haben sich daran gemacht, diese über 100-jährige Geschichte(n) zu sammeln und zu veröffentlichen. »Karl May auf der Bühne«, heißt das opulente Werk im Großformat. Der erste Band liegt vor, der zweite soll Mitte Januar herauskommen. Insgesamt drei Bände sind vorgesehen. Und man darf davon ausgehen, dass auch die beiden anderen Werke so faktenreich und voller historischer Aufnahmen daherkommen wie das Auftaktwerk. Es scheint von diesem Autoren-Duo kaum eine Bühne von May-Aufführungen unentdeckt und nachrecherchiert zu sein.

Zum Auftakt geht es um inszenierte und geplante Bühnen-Projekte mit May-Themen bis 1945 in Großstädten genauso wie in der Provinz sowie um Freilichtaufführungen (ebenfalls unter Einbezug von geplanten, aber nicht realisierten) bis zum Beginn der 1960er Jahre auf bundesdeutschen Theaterplätzen. Ganz besonders werden dabei die Karl-May-Festspiele auf der Felsenbühne in Rathen im Elbsandsteingebirge in der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1941, am Blauen See in Ratingen 1949 bis 1994 sowie in Bad Segeberg seit 1952 behandelt.

Und immer wieder dabei: Winnetou, Old Shatterhand, Sam Hawkens, Nscho-tschi, Old Firehand, Kara Ben Nemsi und, und, und. Dargestellt von unzähligen bekannten Schauspielprofis genauso wie von vielen Laiendarstellern. Und natürlich ist auch Pierre Brice, der Winnetou schlechthin, mit von der Partie. Aber bei der Fülle des lesenswerten Materials stellt er nur eine Episode dar. Ganz im Sinne von Karl May.

Nicolas Finke und Reinhard Marheinecke: Karl May auf der Bühne. 300 Seiten mit 390 Abbildungen. 49 Euro. Karl-May-Verlag.

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