1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Von Menschen und Landschaften

Erstellt:

gikult_StellerEinGott46__4c
»Gesichter oder Körperausdruck sind schon das Interessanteste«, sagt Oliver Steller, der nun als Fotograf in der KVHS Lich zu entdecken ist. Foto: Schultz © Schultz

Bekannt ist er als Musiker und Rezitator. Nun ist Oliver Steller als Fotokünstler in Lich zu entdecken.

Lich. Ein guter Bekannter ist künstlerischer Gast der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Lich. Oliver Steller, bekannt vor allem als Musiker und Rezitator, zeigt in den unlängst neu gestalteten, nun bestens geeigneten Räumlichkeiten seine Fotoschau »Ein Gott ist der Mensch, wenn sie träumt«, die am Donnerstag, 12. Januar, um 19 Uhr eröffnet wird. »Der Titel ist ein gegendertes Hölderlin-Zitat«, erklärt Steller im Gespräch. Ursprünglich ist der Träumer ein »er«, aber Steller fand seine Variante reizvoller, und sie prägt sich ja auch sofort ein.

Bekannt als Musiker und Rezitator

Das Publikum in der Region und weit darüber hinaus kennt Steller vor allem als Rezitator, der sich selbst begleitet und viele Lieder zu lyrischen Werken komponiert. Für Kinder macht er zudem Extraprogramme. Das alles hat ihm hierzulande viel Erfolg beschert, während von seiner fotografischen Klasse bislang weit weniger bekannt war. Edgar Langer vom Kino Traumstern hatte dann die Idee, dass Steller, der schon mehrfach in Lich gastierte, mit der KVHS gemeinsam eine Ausstellung organisieren könne. Das gefiel deren Leiter Torsten Denker sehr, und man fand einen Termin nach der Renovierung des Hauses. »Das ist eine aufregende Schau, die zu sehr interessanten Lehr- und Lernveranstaltungen beitragen wird«, sagte Denker zuversichtlich.

Steller wurde 1967 in Bonn geboren und ging als Austauschschüler in die USA, wo er auch Abitur machte. Später studierte er am Bostoner Berklee College of Music. Gelebt hat er dann »vom Musikmachen in allen Schattierungen«, erinnert sich Steller, »auf der Straße, in den Clubs und mit Top-Forty-Bands. Aber auch sehr, sehr vielen Jazzauftritten.« Die Lyrik kam für ihn hinzu, »weil ich nach einer Weile meine Sprache vermisst habe, es ist eben nicht meine Kultur«. Und so hat er nach sieben Jahren »schweren Herzens die Segel gestrichen« und kehrte aus den USA nach Deutschland zurück. Dort fand er Anfang der 1990er Jahre zu Rezitator Lutz Görner, der einen Gitarristen suchte, und die beiden arbeiteten bis 2004 intensiv zusammen.

Doch wie ist nun die Lyrik mit der Fotografie verbunden? »Bislang habe ich die Musik genommen, um der Lyrik Ausdruck zu verleihen. Jetzt nehme ich die Bilder«, erläutert Steller, der seit 30 Jahren fotografiert. Zu manchem Bild fand er ein lyrisches Zitat oder einen Bibeltext. Ein anderes heißt ganz einfach »Tüll III«. Es gibt Zitate von Heraklit oder Nietzsche, Lessing oder Goethe. Sie geben den Arbeiten einen poetischen oder auch leicht ironischen Touch, etwa dem Bild der Quartetts »Gema4«: »Das Schöne blüht nur im Gesang« (Schiller).

Zu sehen sind überwiegend Menschenbilder, hinzu kommen einige prägnante Landschaftsaufnahmen. »Gesichter oder Körperausdruck sind schon das Interessanteste. Wobei Gesichter, wenn man sie vergrößert, ja auch Landschaften werden, die mich dann auch wieder reizen. Meistens um fünf Uhr morgens, dann ist noch alles so unberührt.«

Steller verwendet eine digitale Mittelformatkamera, deren enorme Aufzeichnungsdichte besonders die Schwarzweißbilder mit einer sanften, fast malerischen Tiefe der Feinzeichnung ausstattet. Zuweilen sorgen eine Folie oder ein Schleier über den Modellen für eine zusätzlich gestalterische Ebene, auch mal eine Verfremdung. Im Gespräch entsteht der Eindruck, dass Oliver Steller ein Mann ist, der mit Musik, Lyrik und Fotografie gleichermaßen rundum glücklich ist. »Bin ich auch,« unterstreicht er.

Die Fotoausstellung von Oliver Steller wird am Donnerstag, 12. Januar, um 19 Uhr in der Kreisvolkshochschule Lich (Kreuzweg 33) eröffnet. Hinzu kommt ein umfangreiches Begleitprogramm. Dazu gehören ein Fotoworkshop, ein Talk-Abend (beides März) sowie ein kostenloses Matineekonzert am Sonntag, 12. März, um 11 Uhr im KVHS-Haus. Es wird um Anmeldung für alle Veranstaltungen über das Internet unter www.vhs-kreis- giessen.de gebeten. Die Schau »Ein Gott ist der Mensch, wenn sie träumt« läuft dann bis zum 31. März zu den üblichen Öffnungszeiten. (hsch)

Auch interessant