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Von Menschen und Mischwesen

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Tilman Knop widmet sich gewitzten Wortspielereien und paradoxen Assoziationen. © Schultz

Gießen (hsch). Zu den Mutigen, die es wagen, in diesen Tagen eine öffentliche Veranstaltung - unter Beachtung der Vorschriften selbstredend - auf die Beine zu stellen, gehören auch die Macher der Galerie23. Die zeigen jetzt ihre neue Ausstellung »Druckfrisch #8«. Die Sammlung aktueller Arbeiten von Künstlern der Galerie sowie Gästen bietet wieder ein formal wie inhaltlich breites Spektrum, nicht selten humorvoll verfasst.

Die Einführung durch Andrea Lührig und Felix Lachmann fand am Freitagabend im Beisein fast aller sechs beteiligter Künstler sicherheitshalber draußen vor der Tür statt, was ganz gut gelang; auch der Vorstand der Lebenshilfe Gießen gab sich die Ehre. »Ich freue mich wirklich riesig«, bekannte die Organisatorin. Und Lachmann wies darauf hin, dass am 3. Dezember der internationale Tag der Menschen mit Behinderung sei, insofern hab die Vernissage auf keinen besseren Tag fallen können.

Die aus der Galerie bekannte Lena Kasperski zeigt neue Li-nolschnitte. Sie wirft in ihren fotorealistisch anmutenden Werken den Blick auf die Menschen, ausgehend von Warteschlangen vor Geschäften. Nikolas Faßlrinner gestaltet Räume, in denen »Menschen, Tiere und Mischwesen durchhuschen wie Träume.« Die Arbeiten von Annalena Hamperl, Studierende am Gießener Institut für Kunstpädagogik (IfK), fand Lachmann »charmant und humorvoll, aber auch politisch. Und ich finde, das dürfen sie auch sein«.

Lührig stellte Olivia Pils vor, eine »bildende Künstlerin, Musikerin und Organisatorin von Konzerten und Ausstellungen in der freien Szene Berlins«, die Siebdrucke zeigt, »inspiriert vom Alltag und der Popkultur. Sie sind schnell, die Farben leuchtend«. Die Künstlerin interessiere sich »für das Konzept von Schönheit oder Attraktivität und dessen Gegenteil, das Groteske und Unattraktive«. In ihren Bildern verwandele sie ihre Figuren zumeist in Monster, »in wunderschöne«, sagte Lührig.

Torsten Wills thematisiert in seinen Linolschnitten »Revolution und Aufbegehren«. Tilman Knops großformatige Siebdrucke erscheinen unter anderem an der hinteren Wand, inklusive eines sieben mal sieben Zentimeter kleinen Objekts mit paradoxen Textelementen. Zwei große Objekte, die wie vergrößerte Schulhefte mit Schriftproben und Tintenklecksen anmuten, sind in Plakatgröße umgesetzt, ansonsten wirbeln bei ihm witzige Wortspiele und paradoxe Assoziationen lebhaft durcheinander.

Die Schau, wieder einmal geschickt inszeniert, macht einen attraktiven Eindruck. Die Schwerpunkte finden sich diesmal überwiegend an der Wand, wo inhaltliche und handwerkliche Kompetenz zu entdecken ist und übersprudelnde Vielfalt dominiert. Ein heiterer Aspekt sind die zwei »Boobs«: Stoffskulpturen, die Anna-Lena Hamperl auf dem Boden platziert hat. Die offizielle Bezeichnung lautet »Soft sculpture«. Zwei kleine Jungs rätselten, »ob man die mal anfassen darf?« Durfte man (offiziell) natürlich nicht.

Die Ausstellung ist bis zum 12. März 2022 in der Galerie23 (Seltersweg 55) zu sehen.

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Leuchtende Farben bietet diese Pop-Art-Arbeit in der Ausstellung »Druckfrisch #8«. © Heiner Schultz

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