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Von Mönchen und Musikfans

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Der Schiffenberg mit seiner Restauration ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Frahm © Frahm

Das Restaurant Kloster Schiffenberg in Gießen war in Teil 5 unseres Sommerrätsels gesucht. Eine Geschichte des Klosters ist von Streitigkeiten geprägt.

Gießen. Der Schiffenberg vor den Toren der Stadt ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel, derzeit gerade im »Gießener Kultursommer« ein Mekka für Musikfans. Einkehren kann man in der gemütlichen Restauration, und das war die Lösung der fünften Folge unseres Sommerrätsels.

Lange Zeit befand sich ein Augustinerkloster auf dem Berg. Die Mönche, die vor etwa 800 Jahren das Kloster Schiffenberg bewohnten, waren mit hoher krimineller Energie und einer guten Portion Habgier gesegnet. Die Einnahmen aus den Ländereien sollten im 13. Jahrhundert zu gleichen Teilen unter den Augustiner Chorherren und den Nonnen des Chorfrauen-Stifts Cella aufgeteilt werden. Da die Augustiner den Frauen ihren Anteil vorenthielten, klagten diese 1264 vor dem Gießener Schöffengericht - und bekamen die Hälfte der Güter des Schiffenbergs zugesprochen.

Der Streit war damit allerdings nicht beendet, denn die Herren verschleppten die Herausgabe der Güter noch um mehrere Jahre. Wegen ständig neuer Querelen verfügte Erzbischof Balduin von Trier 1323 schließlich die Aufhebung des Klosters Schiffenberg. Das Kloster wurde dem Deutschen Orden übertragen. Ab 1333 war ein eigener Komtur eingesetzt. Die weitere Geschichte des Schiffenbergs blieb allerdings von Streitigkeiten geprägt. Die wechselnden Amtsträger hinterließen ihre Spuren an der Klosteranlage in Form von zahlreichen An- und Umbauten.

Begonnen hatte die Geschichte des Klosters im Jahre 1103/05 mit einer Stiftung von Clementia von Gleiberg an das Erzbistum Trier. Aber schon lange davor war der Schiffenberg seit mindestens 2000 Jahren bewohnt. Keramikreste der Urnenfeldkultur, etwa 1000 vor Christus und Hinweise auf eine Siedlung in der Spätbronzezeit, wurden bei archäologischen Ausgrabungen in den Jahren 1972/73 entdeckt. Vor dem »Eselstor« sind Ausgrabungen aus der Zeit zu sehen, in der sich auf dem Schiffenberg eine größere Keltensiedlung befand. Der Name leitet sich allerdings von Skephenburg, das heißt Schöffenburg ab - ein Hinweis darauf, dass es auf dem Schiffenberg im 8. Jahrhundert einen Verwaltungssitz der Karolinger gab.

Der wichtigste und älteste erhaltene Bau ist die dreischiffige, doppelchörige Pfeilerbasilika. Begonnen wurde mit dem Bau im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts, die Einweihung der noch unvollendeten Kirche erfolgte 1129. Sowohl das Querschiff als auch der Ostchor wurden in spätgotischer Zeit stark verändert. Nach der Reformation wurden Chor und Querschiff durch eine Mauer vom Langhaus abgetrennt. Das südliche Seitenschiff und der angrenzende Kreuzgang wurden unter dem Verwalter Damian von Schönborn vor 1751 abgerissen.

Fachwerkgiebel

Mit dem Bau die Komturei des Deutschen Ordens wurde 1493 begonnen. Die ersten beiden in Bruchstein gemauerten Stockwerke und die Fachwerkgiebelwand an der Ostseite sind noch original erhalten, die Fachwerkwände an der Frontseite sind wesentlich neuer. Im Westen ist an die Komturei der »Neue Bau« etwa um 1700 angebaut worden.

Ein 1885/86 errichtetes Verbindungsgebäude zwischen dem »Neuen Bau« und der bereits 1463 errichteten Probstei gilt als ein Beispiel für geglückte historisierende Architektur der Gründerzeit. An die Probstei schließt sich der Pferdestall und daran im rechten Winkel das Brauhaus an, das den nordwestlichen Abschluss des Hofes bildet. Markant ist der barocke Ziehbrunnen aus rotem Sandstein aus dem Jahr 1715. Die Ringmauer um das ehemalige Kloster wurde, nachdem der Schiffenberg 1972 in den Besitz der Stadt Gießen übergegangen war, wiederhergestellt. Die ältesten Teile stammen vermutlich noch aus der Gründungszeit des Klosters. Zahlreiche Wirtschaftsgebäude entlang der Mauer wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgerissen. Seit 1837 bis heute ist in der Komturei eine Gastwirtschaft eingerichtet, die ein beliebtes Ausflugslokal ist. Im weitläufigen, von Kastanien beschatteten Innenhof sowie in der Basilika finden zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen statt.

Gewonnen hat diesmal Inge Felde aus Pohlheim. Die nächste Chance, einen Einkaufsgutschein zu ergattern, gibt es in der Samstagausgabe. Dann erscheint der letzte Teil unseres Sommerrätsels.

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