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Von null auf 150

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Sie fanden sich vor 25 Jahren zusammen, um das Ortsblättchen umzusetzen: das »Räärer«-Team von 1997. Fotos: Jung © Jung

1997 erschien die Ausgabe »0" mit zwölf Seiten und einer Auflage von 1000 Exemplaren, jetzt feiert das Info-Blatt für den Gießener Stadtteil Rödgen »de Räärer« 25. Geburtstag und Ausgabe 150.

Gießen. Das Info-Blatt für Rödgen, »de Räärer« feiert mit seiner 150. Ausgabe gleichzeitig auch seinen 25. Geburtstag. Im Juni 1997 erschien die Ausgabe »0" mit zwölf Seiten und einer Auflage von 1000 Exemplaren und wurde an alle Haushalte kostenlos verteilt. Wie kam es nun zur Gründung von »de Räärer«, der sein Äußeres in einem Vierteljahrhundert nur wenig verändert hat?

Die damalige Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) trat bei der Kommunalwahl am 2. März 1997 zum ersten Mal an und schaffte es auf Anhieb, drei Mandate zu erringen. Vom bereits verstorbenen FWG-Mitglied Annemarie Höpfner kam der Vorschlag, das amtliche Mitteilungsblatt für Rödgen, das eingestellt wurde, herauszugeben. Die Idee verdichtete sich beim ersten Treffen, an dem sie, Michael Warnke, Elke Victor und Günter Bellof teilnahmen. Als ziemlich schwierig erwies sich die Namensfindung. Der Titel für ein Infoblatt sollte den Kern treffen, kurz und einprägsam sein. Günter Bellof meinte, man solle doch den Dialektnamen der Rödgener Einwohner, »de Räarer« verwenden. Gesagt, getan und so konnte es losgehen mit dem Blättchen.

Die erste Redaktion setzte sich aus Michael Warnke, Günter Bellof sowie Elke und Alfred Victor zusammen. Über »alles, was im Dorf passiert«, wollten die Redakteure berichten, aber auch alle wichtigen Daten wie Sprech- und Öffnungszeiten der Verwaltung, Telefonnummern, Abfalltermine für den Müll und anderes veröffentlichen. Unter dem Motto »Alle machen mit«, forderte die Mannschaft die Ortsbürger auf, am »Räärer« mitzuwirken. Sie könnten doch über das berichten, was im Dorf passiert ist, passieren wird und für sie wichtig ist.

Neben dem redaktionellen Teil galt es aber auch, die Finanzen zu klären und organisatorische Dinge aufzugreifen - eine ehrgeizige Aufgabe. Für die Verteilung des Heftes entwickelten die Macher ein Organisationssystem auf Helferbasis. Zudem wurde es an öffentlichen Stellen ausgelegt.

Die Erscheinungsweise war zunächst zweimonatlich. Im August lag die Nummer 1 in den Rödgener Briefkästen, schon 16 Seiten stark. Über die Rubrik »Meine Meinung« durfte der damalige Ortsvorsteher Dieter Geißler verfügen. Aktuell können sich Interessierte zu bestimmen Themen äußern. Damals wie heute wird über die Ortsbeiratssitzungen berichtet.

Seit Ausgabe 45 ergänzt eine Kinderseite, die zunächst von Corinna Bellof und ab Nummer 75 von Laura de Marianis gestaltet wurde, die Veröffentlichung. Auch eine Rätselseite mit kleinen Gewinnen, die von Sponsoren oder den Freien Wählern zur Verfügung gestellt wurden, ziert mittlerweile das gelbe Infoblatt.

Damit Ereignisse und Besonderheiten aus dem Dorfleben zu Papier gebracht werden konnten, bedurfte es natürlich auch entsprechender Technik. 1998 kaufte die FWG eine Druckmaschine, Das Geld kam von den Ortsbeiratsmitgliedern Peter Ruhwedel, Roland Klos und Manfred Naujoks, die ihre Aufwandsentschädigung in vollem Umfang zur Verfügung stellten. Später schaffte die Wählervereinigung einen Risograph, das ist ein Schablonendrucker, an. Die Wartungskosten trugen hauptsächlich die FWG-Beiratsmitglieder. Das Druckgerät gab irgendwann seinen Geist auf und es musste Ersatz her. »Der Traum war ein Digitaldrucker«, erinnert sich das Redaktionsteam. Mittlerweile hat der Maschinenpark einen Wert von 30 000 Euro. Für die Pflege und Wartung zeichnet Ingo Theiß verantwortlich. Glück, dass die Herausgeber einen Ruheständler haben, der früher Maschinen wartete und über viel Wissen verfügt. Die Druckkosten werden über Werbeanzeigen, aber auch Familienanzeigen zu verschiedenen Anlässen finanziert. Bei der Weihnachtsausgabe sind es viele Grüße und Wünsche von Gewerbetreibenden und Vereine.

»de Räärer« hat mittlerweile viele Stammkunden, die ihre Anzeigen in regelmäßiger Gewohnheit schalten. Spektakuläres ist weniger im Info-Blatt zu lesen, kommt aber auch schon mal vor. So wie im Jahr März 2005, als die Bank überfallen wurde und im Juni die Schließung der Filiale erfolgte. Ob ein Zusammenhang besteht, wissen die Autoren bis heute nicht. 2008 machte die Volksbank erneut Schlagzeilen, sie zog sich ganz aus Rödgen zurück und baute den Geldautomaten ab. Die Schließung der Poststelle 1998 und des nachfolgenden Postpoints 2013 sind auch Begebenheiten, über die das Info-Blatt lieber nicht berichtet hätte.

Der Vorstand der Freien Wähler Rödgen gratuliert dem »Räärer«-Team zum 25-jährigen Jubiläum und zur 150. Ausgaben und bedankt sich bei allen Spendern und Anzeigenkunden, ohne die das Mitteilungsblatt nicht erscheinen und en Rödgener Haushalten nicht kostenfrei zugestellt werden könnte.

Seit 1997 sorgen über 20 freiwillige Helferinnen und Helfer für das zuverlässige und regelmäßige Erscheinen des Ortsblättchens. Bis vor etwa sechs Jahren arbeitete in der Redaktion Günter Bellof und war für die Gestaltung zuständig. Jetzt ist Elke Victor alleine zuständig für das Setzen der Texte und Anzeigen, teils auch für die Gestaltung der Anzeigen. Texte senden die Vereinen zu. Wolf-Dieter Mauthe ist mittlerweile seit ein paar Jahren sehr aktiv als »Schreiber« dabei, er berichtet auch aus den Ortsbeiratssitzungen. Im Bestand der Austrägerinnen und Austräger hat sich kaum etwas verändert.

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