1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Von Schimmel und harten Bänken

Erstellt: Aktualisiert:

giloka_0203_demoukgmIMG__4c
Deutliche Worte über die Zustände fanden Schüler und Azubis bei ihrer Demo vor dem UKGM. © Schäfer

Rund 150 Azubis versammelten sich zu einer Protestkundgebung vor dem Uniklinikum in Gießen, um auf Missstände an den Schulen aufmerksam zu machen

Gießen. 150 Demonstranten hatten sich zur Demonstration vor dem UKGM versammelt, um auf Probleme an den Schulen des Universitätsklinikums aufmerksam zu machen. Auf Dutzenden von Schildern taten die Auszubildenden ihren Unmut kund: »Seit Jahren desolate Rahmenbedingungen an den MTA-Schulen«, konnte man da beispielsweise lesen, konkret von Schimmel, Windows XP und harten Bänken.

Eigentlich hatte Verdi zu einer Kundgebung vor dem UKGM aufgerufen, weil die internen Dozenten für den Einsatz an den Schulen in naher Zukunft keine zusätzlichen Vergütungen mehr erhalten sollen. Damit gefährde der Konzern die Ausbildung am Uniklinikum«, betonte Fabian Dzewas-Rehm, Gewerkschaftssekretär Gesundheit von Verdi. Druck müsse auf das Land ausgeübt werden, damit nicht nur Prestigeobjekte wie Medizintechnik und ein neues Parkhaus gefördert würden, sondern auch die Schule. Sonst bestehe die Gefahr, dass Lehrinhalte wegbrächen. Der Konzern zeige daran jedoch kein allzu großes Interesse.

Hilferufen aus den Schulen sandten Janik Bohny als Vertreter der Azubis sowie Anja Constien als Leiterin der Diätschule. Betriebsratsvorsitzender Marcel Iwanyk wertete die beiden Reden. Doch auch die Arbeitgeberseite versteckte sich nicht. Die kaufmännische Geschäftsführerin vom Standort Marburg, Dr. Sylvia Heines, sowie der Leiter des Personalmanagements, Manfred Romm, bezogen Stellung zu den Ausführungen. Nach der Versammlung setzten sich Arbeitgeber, Verdi und Azubis an einen »Runden Tisch«, um im kleinen Kreis die Zukunft der Schulen zu besprechen, an denen immerhin zehn Prozent der UKGM-Mitarbeiter in Ausbildung sind.

Azubivertreter Bohny kritisierte veraltete Literatur. »Die Menschen, die bei uns eine Ausbildung machen, sollen zeitgemäß lernen dürfen, dabei von hier vorhandenem Fachwissen profitieren und die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln.

Hierfür braucht es aber auch eine praktische Ausbildung, in der die Schüler begleitet und angeleitet werden. Und es braucht sichere Räume wie Skills Labs, in denen spezifische Fertigkeiten und Fähigkeiten wie in einer Trainingseinrichtung vermittelt und ausprobiert werden können.«

Schulleiterin Constien beklagte eine fehlende wertschätzende Honorierung der Dozenten: »Ohne die können wir die Schulen schließen.« Wlan an allen Schulen, aktuelle Ausstattung der Lehrenden, mehr und größere Räume, Aufenthaltsräume transparentes Budget forderte sie.

Betriebsrat Iwanyk sprach von einer Mangelverwaltung an den Schulen. »Da sind unsere Fachkräfte von morgen. Deshalb muss immer ein offenes Ohr da sein.« Dr. Heines aus Marburg versprach, »alles zu tun, dass alles wird.« Ihr sei es selten so leichtgefallen, »allen Dingen, die Sie vorgetragen haben, zuzustimmen. Wir müssen darüber reden, was wir besser machen können. Wir haben verstanden.«

Personalleiter Romm: »Für uns, die Geschäftsführung ist klar, dass die Ausbildung besser werden muss, weil wir auf diese Fachkräfte angewiesen sind.« Viele Mitarbeiter würden in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden. »Wir können gar nicht so viele aus dem Ausland holen, wie wir brauchen.« Die Frage sei, wie wir die Probleme der UKGM-Schulen »gemeinsam stemmen können.«

Den versammelten Teilnehmern machte Hoffnung, dass der Wille da ist, die Ausbildung zu verbessern, den Auszubildenden Wertschätzung entgegenzubringen und die Zukunft ernst zu nehmen.

Auch interessant