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Vorfreude auf »heißes Publikum«

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Mit »Blind Guardian« spielt eine der bekanntesten deutschen Metal-Bands auf dem Schiffenberg. »Hansi« Kürsch verrät im Interview, was die Fans am 19. August in Gießen erwartet.

Gießen . Dem altehrwürdigen Kloster Schiffenberg steht zum Ende dieser Woche ein heftiger Sturm bevor, allerdings nur in musikalischer Form. Am kommenden Freitag, 19. August, tritt dort im Rahmen des »Gießener Kultursommers« die deutsche Metal-Band »Blind Guardian« auf. Bereits Mitte der 80er Jahre gegründet, hat die Formation bislang mehrere Millionen Platten und CDs verkauft und erfreut sich einer großen Anhängerschaft. Nicht lange nach ihrem Gießener Konzert werden die Musiker rund um Sänger und Mitbegründer Hans Jürgen »Hansi« Kürsch am 2. September ihr neues Studioalbum »The God Machine« veröffentlichen. Fans haben derzeit also gleich zwei gute Gründe zur (Vor-)Freude. Im Gespräch mit dem Anzeiger erzählt der 56-jährige Bandleader unter anderem, was die Anhänger von Konzert und Album erwarten dürfen.

Herr Kürsch, die historische Kulisse des Schiffenberg-Klosters scheint als Location ideal für »Blind Guardian« zu sein, zumal sich die Songtexte oftmals Mittelalter- oder Fantasy-Themen widmen.

Ja, Tobias Sammet (aus Fulda stammender Kopf der Formation »Avantasia«, die bereits zweimal beim »Kultursommer« auf Gießens Hausberg auftrat, Anm. d. Red.) hat mir schon davon berichtet und von dem heißen Publikum, das uns hier erwartet. Deshalb bin ich sehr gespannt auf das Konzert. Die Kulisse ist wie für uns gemacht, gerade wegen unserer engen Verbundenheit zum Mittelalter.

Wie sind Sie und Ihre Bandkollegen durch die Corona-Zeit gekommen, in der ja lange keine Auftritte möglich waren?

Wir hatten zwar das Glück, schon 2021 eine Handvoll Konzerte spielen zu können. Aber auf die jetzige Tour war jeder von uns heiß, denn wir brauchen den Austausch mit dem Publikum. Auch um zu sehen, wie die neuen Songs ankommen. Wir haben die lange Pause dazu genutzt, das neue Album zu produzieren und haben auch schon mit dem Songwriting für ein weiteres begonnen. Es gab also genügend zu tun, der Kopf war immer beschäftigt.

Ihre letzte Tour ist schon etwas her und Sie und Ihre Kollegen werden nicht jünger. Hatte das Einfluss auf die Vorbereitung?

Bei jedem unserer Auftritte müssen wir für unsere Fans 100 Prozent geben. Daher müssen wir dafür sorgen, dass wir in Schuss bleiben. Alle in der Band machen ein gemeinsames Fitnessprogramm. Als Sänger muss ich aber ohnehin immer an meiner Stimme arbeiten. Deshalb sind Gesangsübungen Teil meines täglichen Programms. Auf der Bühne weiß ich nach all den Jahren mittlerweile, mich in Szene zu setzen. Dadurch ist es nicht ganz so kraftraubend.

Es heißt, Sie hätten eine Ausbildung als klassischer Sänger, wie sie auch Opernsänger haben - stimmt das?

Ja, das hat mir extrem geholfen. Als ich die Ausbildung machte, war ich bereits Mitglied einer Metal-Band. Das wusste auch mein Gesangslehrer und erarbeitete für mich ein dazu passendes Ausbildungsprogramm. Und so hat es mich nicht von meinem Weg abgebracht.

Auf was dürfen sich die Fans beim Konzert am Freitagabend freuen, welche Songs werden Sie spielen?

Das Hauptaugenmerk liegt auf unserem Album »Somewhere Far Beyond« (als viertes Studioalbum 1992 erschienen, Anm. d. Red.), mit dem wir unseren kommerziellen Durchbruch hatten. Das war eigentlich schon für eine Tour 2020 geplant, allerdings verhinderte das dann Corona. Außerdem wollen wir noch ein paar neue Nummern spielen.

Was können Sie bereits über das in Kürze erscheinende neue Album »The God Machine« verraten?

Unser Orchesteralbum von 2019 (»Twilight Orchestra: Legacy of the Dark Lands«, Anm. d. Red.) war der Endpunkt einer Phase. Mit »The God Machine« wollen wir Neuland betreten und uns wieder in eine härtere musikalische Richtung entwickeln. Das Album hat einen klaren Puls und eine starke Intensität. Die klassische Phase der letzten Alben haben wir damit im Großen und Ganzen hinter uns gelassen.

Das Musikgenre Metal hat zahlreiche Unter-Genres zu bieten. Wo würden Sie hier »Blind Guardian« einordnen?

Mit der Bezeichnung als Heavy Metal bin ich super einverstanden. Wir hatten in unserer Bandgeschichte aber auch schon Phasen mit einem höheren Speed Metal- oder Progressive Metal-Anteil in unseren Songs. Persönlich habe ich ein Faible für fast jedes Genre, die Sachen müssen nur gut sein. Selbst Thrash-Elemente (eine schnelle, extreme Spielart des Metal, Anm. d. Red.) können sehr melodisch sein.

Metal-Fans wird eine große, fast schon ewig währende Treue zu ihren Lieblingsbands nachgesagt. Welche Erfahrungen haben Sie hierzu gemacht?

Das kann ich nur bestätigen. Im Publikum entdecke ich immer wieder Gesichter von Fans, die schon seit vielen Jahren bei unseren Konzerten dabei sind und uns in guten wie auch schlechten Zeiten begleiten. Metal hat eine enorme Langlebigkeit. Wie sich auch die Welt verändert, die Fans halten uns die Treue.

Metal-Musik und ihre Anhänger sind jedoch vielfach Vorurteilen von Außenstehenden ausgesetzt, schon allein wegen der Lautstärke der Musik, der vorwiegend schwarzen Kleidung und der langen Haare vieler Fans. Wie denken Sie darüber?

Leider werden Metal und seine Fans immer wieder in eine Nische gedrängt. In den 90er Jahren war es besonders schlimm, mittlerweile hat es sich wieder gebessert. Die Vorurteile sind nicht gerechtfertigt und stammen häufig von Leuten, die sich gar nicht genau mit der Szene beschäftigt haben. Meiner Erfahrung nach hat, wer Metal liebt, auch eine große Liebe zur Musik im Allgemeinen.

Das Konzert beginnt am Freitag um 19.30 Uhr, Einlass ist bereits ab 18 Uhr. Vor »Blind Guardian« tritt die ebenfalls aus Deutschland stammende Metal-Band »Mystic Prophecy« auf. Tickets und weitere Infos unter www.giessenerkultursommer.de.

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