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Wärmendes im Wintergrau

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Von: Thomas Schmitz-Albohn

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Haruka Ouchi (links) und Yuko Masuda-Dreher nach ihrem Kammerkonzert im Foyer des Stadttheaters. Foto: Schmitz-Albohn © Schmitz-Albohn

Ein Kammerkonzert mit einem bestens harmonierendem Duo erlebten die Zuhörer im Stadttheater Gießen. Es musizierten Geigerin Haruka Ouchi und die Pianistin Yuko Masuda-Dreher im Foyer.

Gießen. Mit der eindringlichen Darbietung der Violinsonate Nr. 2 G-Dur von Maurice Ravel ließen die Geigerin Haruka Ouchi und die Pianistin Yuko Masuda-Dreher im Foyer des Stadttheaters das vorherrschende Wintergrau für einige Augenblicke vergessen. Vom ersten Bogenstrich an überstrahlte eine sonnige Atmosphäre das Kammerkonzert an diesen Sonntagvormittag. Die in New York geborene Haruka Ouchi hat in Tokio und Hamburg Violine studiert und gehört dem Philharmonischen Orchester Gießen seit 2021 an; ihre Klavierpartnerin wirkt als Dozentin an der Frankfurter Hochschule für Musik und der Justus-Liebig-Universität.

Schon in diesem ersten Satz der Ravel-Sonate zeigte sich, wie gut die beiden Instrumentalistinnen aufeinander eingespielt sind und miteinander harmonieren. In der vom Komponisten heraufbeschworenen nervösen Spannung, die bald einer fast idyllischen Beredsamkeit Platz machte, trat die Individualität der jeweiligen Instrumente klar hervor: hier die mit Zartgefühl vorgetragene sehnsuchtsvolle Geigenmelodie, da die impressionistisch hingetupften Töne des Klaviers. Alles floss wie von leichter Hand wie selbstverständlich dahin.

Fließend wie von leichter Hand

Auch den zweiten, mit »Blues« überschriebenen Satz servierten die beiden Interpretinnen mit spielerischer Souveränität. Ravel hat hier dem zeitgenössischen Jazz Tribut gezollt. Haruka Ouchi ließ den Bogen swingen, als wär’s ein Stück auf einer alten Jazzplatte, und Yuko Masuda-Dreher steuerte einen Rhythmus bei, der direkt in die Beine ging. Im Perpetuum mobile des letzten Satzes schien die Musik geradezu davonzustürmen. Immer schneller trieben Geige und Klavier das dichte musikalische Geschehen voran bis zum furiosen Finale.

Als zweites Hauptwerk erklang die Violinsonate Es-Dur op. 18 von Richard Strauss. Großen Einfluss auf das im Jahr 1888 entstandene Werk hatte die Begegnung mit der Sängerin Pauline de Ahna, die ein paar Jahre später die Frau des Komponisten werden sollte. So ist die Musik durchzogen von jugendlicher Energie und romantischen Gefühlen, deren Leidenschaft besonders in den sanglichen Melodien hervortritt.

Hier war es ein reiner Genuss, den Musikerinnen zuzuhören, wie die verschachtelten Melodien dem Höhepunkt zustrebten, wie die Arabesken der Geige im Zusammenwirken mit den Klavierkaskaden Spannung erzeugen und wie sich bei alledem bereits der spätere Klangmagier Strauss zu erkennen gab, dessen Opern die Hörer verzückten.

Begonnen hatte das Kammerkonzert mit einem melancholischen Stück, der »Mélodie« aus »Souvenir d’un lieu cher« von Peter Tschaikowsky. In der Sonate Nr. 5 G-Dur für Solo-Violine von Eugène Ysaÿe demonstrierte Haruka Ouchi ihr beachtliches Niveau: Von der beschaulichen Stimmung in »L»Aurore« bis zum tänzerischen Taumel im »Danse Rustique« lieferte sie eine kluge, mit Bedacht gewählte Interpretation, die nicht so sehr auf virtuose Effekte zielte, ohne auf spielerische Raffinesse zu verzichten.

Für den herzlichen Applaus des erfreuten Publikums dankten die beiden Musikerinnen mit einem Stück von Fritz Kreisler als Zugabe.

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