Wahlverzug

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Ach, so eine Briefwahl ist schon was Feines. Man sitzt - gänzlich frei von jeder Ansteckungsgefahr durch hustende Mit-Souveräne im Wahllokal - gemütlich im Kreise seiner Lieben um den Wohnzimmertisch, den statt einer Tischdecke der Stimmzettel bedeckt. Dann wird diskutiert, bei wem man denn nun seine Kreuzchen macht, und wen man lieber durchstreicht.

Wie? Sagen Sie jetzt vielleicht: Das ist doch gegen das Wahlgeheimnis. Stimmt, aber wo kein Kläger, da kein Richter. Ich dagegen hatte schon Probleme, den landkartengroßen Stimmzettel in der engen Wahlkabine halbwegs zu entfalten. Eines habe ich aber den immer zahlreicher werdenden Briefwählern voraus. Ich habe noch mitbekommen, wie die Stadt Gießen zehn Millionen Euro bei Greensill anlegte, welche Parteien auf dem Anlagenring Radwege einrichten wollen und welche Abgeordneten mit FFP2-Masken die eigene Haushaltskasse aufbesserten. Wer jedoch bereits Ende Februar seine Stimme abgegeben hat, der wird sie sich Wochen später vielleicht sehnlichst zurückgewünscht haben. Ingo Berghöfer

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