Warum nicht mehr Kreisverkehre in Gießen?

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GIESSEN - (olz). Kreisverkehr oder Ampelanlage? Das ist im Kern die Frage, die die AfD Bürgermeister Peter Neidel gestellt hat. Grundsätzlich stehe er den sogenannten Kreiseln positiv gegenüber. "Ihr Einsatz wird in jedem Fall geprüft", sagt der Unionspolitiker im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass die Entscheidung über den Einsatz von Ampeln oder Kreisverkehren an eine Reihe von Kriterien gebunden ist, verdeutlicht Neidel in seiner schriftlichen Antwort an Arno Enners von der AfD.

Mit Ausnahme von neugebauten Straßen verfüge Gießen in der Kernstadt nahezu ausschließlich über Lichtsignalanlagen anstelle von Kreisverkehren, stellt Enners fest. "Für 2020 waren für Modernisierung oder Austausch im Haushalt Kosten in Höhe von 885 000 Euro angesetzt, ähnliche Beträge sind für 2021 vorgeplant", skizziert der Stadtverordnete den Hintergrund seiner Anfrage. Konkret wissen will Enners, warum an vielen Knotenpunkten in der Innenstadt Lichtsignalanlagen nicht zugunsten von Kreisverkehren zurückgebaut werden.

Hohes Fußgängeraufkommen

Dieser Ersatz bedürfe der Planung, verkehrstechnischen Bewertung und der Finanzierung. Die Faktoren Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit spielten eine Rolle, antwortet der Christdemokrat. "Je stärker ein Knoten belastet ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Leistungsfähigkeit als Kreisverkehr. Dies gilt insbesondere für den Innenstadtbereich", führt der zuständige Verkehrsdezernent aus. Gegen die Errichtung eines Kreisels spreche dort häufig ein hohes Fußgängeraufkommen. Denn "signalgesteuert können Fußgänger deutlich sicherer die Straße queren als in einem Kreisverkehr". Zudem sei im innerstädtischen Bereich der notwendige Platz für einen Kreisverkehr häufig nicht vorhanden. Generell würden die Kreisel bei Planungen aber immer in Betracht gezogen. Neidel: "So wird derzeit etwa geprüft, ob bei der Erschließung des ehemaligen US-Depots und an der Kreuzung Grünberger Straße/Lincolnstraße ein Kreisverkehr errichtet werden kann. Ein Umbau zum Kreisel ist im Übrigen im Allgemeinen deutlich teurer als die Modernisierung einer Ampel", erläutert der Bürgermeister.

Von der AfD angesprochen auf vertragliche Bindungen mit Firmen, die mit Herstellung, Errichtung und Wartung beauftragt sind, entgegnet der Dezernent, dass sie nur für die Wartungen bestünden. "Die Laufzeiten der Wartungsverträge sind in jedem Fall kürzer als der Zeitbedarf für die Umgestaltung der Verkehrsknoten", resümiert der Verkehrsdezernent.

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