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Was die Drei Schwätzer dazu sagen würden

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Im Zwiegespräch mit den Drei Schwätzern: die Teilnehmer des Grundgesetz-Rundgangs durch Gießens Innenstadt. Foto: Czernek © Czernek

Gießen. (bcz). »Das ist ein ziemlich geiler Text«, befanden die beiden Berliner »Verfassungsschatzis« überschwänglich. Unter diesem Namen unternahmen die Theaterpädagogin Jule Torhorst und die angehende Theaterwissenschaftlerin Jasmin Rohrig einen performativen Stadtspaziergang zum Thema Grundgesetz.

Im Rahmen des Kunstfestivals Giennale hatten sich die beiden Künstlerinnen zusammen mit interessierten Bürgern zuvor an zwei Tagen mit dem Thema beschäftigt und einen munteren Performance-Gang durch die Gießener Innenstadt ausgearbeitet. An insgesamt sieben Stationen, beginnend am Rathaus, über den Theaterpark und den Drei Schwätzern bis hin zum Kirchenplatz, widmeten sie sich ausgewählten Artikeln des Grundgesetzes und luden die Passanten ein, mit ihnen diesen »Grandioser Gang durch das Grundgesetz« - so der Titel des Projekts - zu bestreiten. Der Fokus lag dabei vor allem auf den Grundrechten, die im ersten Abschnitt des Grundgesetzes zu finden sind. Ziel der beiden »Verfassungsschatzis« war es, bunt, laut und ungewöhnlich auf die Grundlage unseres Zusammenlebens hinzuweisen und zum Nachdenken anzuregen.

Zu jedem der Artikel gab es kurze Darbietungen, die sie auf ihrer Wegstrecke aufführen. Wie Flashmobs formten sich kleine Inszenierungen, beobachten von verwunderten Menschen, die etwa beim Kaffee in den Cafés in der Plockstraße saßen. Bei den dort aufgestellten Skulpturen von bedeutenden Frauen erinnerten die Performerinnen an die Politikerin und Juristin Elisabeth Selbert (1896-1986), eine der vier »Mütter des Grundgesetzes«. Deren unermüdlichen Einsatz ist der heute selbstverständlich klingende Satz zu verdanken »Männer und Frauen sind gleichberechtigt«.

Spielerisch unterhielt sich die Gruppe mit den Drei Schwätzern über das Thema Versammlungsfreiheit. Vor dem Kugelbrunnen ging es dagegen um die Aussage »Eigentum verpflichtet« (Artikel 14) - zu der auch bezahlbarer Wohnraum gehöre. Und Artikel 5 (»Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten«) wurde ironisch in den Kontext zu Sprüchen von Verschwörungstheoretikern und Q-Anon-Anhängern gesetzt. Bei manchen der Zitate konnte einem das Lachen im Hals stecken bleiben.

Mal ironisch und pointiert, mal kritisch und auch laut: Hinter allem stand die Auseinandersetzung der Gruppe mit dem Grundgesetz und seinen Auswirkungen auf das tägliche Leben. Hinzu kam der Respekt vor der Leistung der 64 Männer und Frauen, die dieses Regelwerk geschaffen haben.

Selbstverständlich gab es für die rund 50 Teilnehmer, die sich der Demonstration im Laufe des Weges geschlossen hatten, auch noch eine aktuelle Ausgabe des Grundgesetzes. Reinschauen lohnt sich.

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