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»Was ist bloß los mit den Gießener Grünen?«

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Von: Rüdiger Schäfer

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Gerhard Keller Foto: Schäfer © Schäfer

Gießen (rsa). Ein Urgestein der Grünen hadert wegen der Sanierung des Uferweges am Schwanenteich mit dem Kreisverband seiner Partei: Gerhard Keller hatte vor 43 Jahren in Leihgestern den Landesverband der Grünen mitbegründet. Mit einem Schreiben an die Tagespresse geht er nun an die Öffentlichkeit und fragt darin: »Was ist bloß mit den Gießener Grünen los?

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Nicht akzeptabel

Ihre Haltung zum gesamten sogenannten Bitterling-Projekt (der Anzeiger berichtete) finde er nicht akzeptabel. Den endgültigen Auslöser für diese Stellungnahme habe der ignorante Umgang seiner Partei mit dem Sanierungsvorschlag von Diplom-Ingenieur Horst Dreier gegeben. Der Newsletter des Kreisverbandes der Grünen vom vergangenen Donnerstag - also zwei Tage nach der Ausschusssitzung am 20. September - enthält den Themenschwerpunkt »Schwanenteich«. Darin werde die von Dreier ins Spiel gebrachte Variante, die nach Wahrnehmung wohl aller Beobachter der Ausschusssitzung in die Prüfung einbezogen werden soll, überhaupt nicht erwähnt.

»Meine Partei sollte eigentlich nach jedem Strohhalm greifen, um eine Rodung der Bäume und Sträucher auf dem Dammweg zu verhindern, den Eingriff in die Vegetation so klein wie möglich zu halten.« Eigentlich müssten die Grünen Dreier einen roten Teppich auslegen und ihn einladen, seinen Vorschlag einmal in Ruhe und ausführlich vorzustellen. »Das würde ich erwarten.« Doch sei dies bisher nicht geschehen. Stattdessen werde im Newsletter nur indirekt auf dessen Vorschlag Bezug genommen: »Eine breite Vorschüttung ist aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich. Der Schwanenteich ist ein künstliches Gewässer und wurde als Kulturdenkmal eingestuft. Wir Grüne finden dies nicht gut, aber können uns hier nur im Rahmen der geltenden Rechtslage bewegen.«

Ob in dem Newsletter tatsächlich Bezug zu Dreiers Vorschlag genommen werde, sei zu bezweifeln. Denn eine Vorschüttung beinhalte auch die während der Bauausschusssitzung neu ins Spiel gebrachte 1a-Varianten-Lösung mit zusätzlichem Geotextil (als 1b bezeichnet).

»Ich frage: Haben die Grünen Anstrengungen unternommen, um mit dem Landesamt für Denkmalschutz ins Gespräch zu kommen?« Seit der ersten Stellungnahme des Denkmalschutzes habe sich die Welt gravierend verändert. »Und ist es der Gießener Bevölkerung zu vermitteln, dass aus Gründen des Denkmalschutzes 160 Bäume gefällt werden müssen?« Heute, in einer Zeit, wo jedes Schulkind wisse, dass es darum gehen müsse, möglichst jeden Baum zu erhalten. »Muss es hier nicht zu einer neuen Abwägung zwischen den Belangen des Denkmalschutzes und denen des Klimaschutzes kommen, nämlich der Erhaltung einer intakten Tier- und Pflanzenwelt am Schwanenteich?«

Keller vermisst den Einsatz seiner Partei in Gießen, sich wirklich nachhaltig für den Naturschutz einzusetzen. Und gerade am Beispiel Dammweg könne man sehr gut sehen, dass Naturschutz auch Menschenschutz bedeute. Nur die SPD habe das Angebot des Diplom-Biologen Dietmar Jürgens angenommen, sich mit Mitgliedern der Bürgerinitiative zu treffen, um sich in Ruhe zu den verschiedenen Ansichten auszutauschen, beklagt Keller.

Die Magistratsvorlage, die von der Grünen-Dezernentin Gerda Weigel-Greilich verantwortet wird, enthalte sachliche Fehler. So werde unter anderem in der Vorlage behauptet: »Die notwendige Sanierung in den unterschiedlichen Alternativen hätte ebenfalls die Beseitigung des Gehölzbewuchses zur Folge gehabt.« Dies sei eine gezielte Desinformation. Die von der Hungener Firma »Erdbaulaboratorium ETN« vorgestellten Varianten 1 und 1a sähen ausdrücklich nicht die vollständige Rodung des Bewuchses vor. Die Naturschutzverbände BUND, NABU und HGNO hätten sich viel Mühe und Arbeit gemacht mit einer fundierten Stellungnahme, die sich gegen die vom Magistrat favorisierte Variante ausspricht. Keller fragt: »Haben die Grünen das Gespräch mit diesen Fachleuten überhaupt gesucht?« und antwortet: »Natürlich nicht!«

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