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Was wird aus Osthalle nach Abstieg?

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Einst bei gegnerischen Teams als »Osthölle« gefürchtet, ist die Halle inzwischen arg in die Jahre gekommen. Foto: Schepp © Schepp

Der Oberbürgermeister hält an der Verabredungen mit den Gießen 46ers fest. Eine Machbarkeitsstudie zu Erweiterung und Neubau soll Fakten schaffen.

Gießen . Das seit Jahrzehnten wohl größte sportliche Aushängeschild dieser Stadt, die Basketballer der Gießen 46ers, ist aus der Bundesliga abgestiegen. Eine sofortige Rückkehr in die Riege der Top-Clubs der Korbjäger erscheint derzeit eher unwahrscheinlich, betrachtet man die Erfahrungen aus den vergangenen Wochen und Monaten sowie die finanzielle Situation. Stattdessen drohen dem fünfmaligen Deutschen Meister (zuletzt 1978) mehrere Jahre in der längst nicht so attraktiven Zweiten Basketball-Bundesliga, der ProA, und damit vermutlich geringere Besucherzahlen bei Heimspielen in der Osthalle. Das wiederum wirft die Frage auf, inwieweit die Stadt Gießen überhaupt noch Interesse daran hat, die schon arg in die Jahre gekommene Halle, die von der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) für den Sportunterricht genutzt wird, zu sanieren und zu erweitern oder gar mit einem Neubau zu ersetzen. Gelten noch immer die von Basketballern und Stadt getroffenen Verabredungen? Mit dieser Anfrage konfrontiert, stellt Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) unmissverständlich klar: »Der Abstieg hat daran nichts geändert.«

Ergebnisse bis Sommer erwartet

Wie es künftig weitergehen soll, hängt wesentlich von den Ergebnissen einer schon im Dezember von der Koalition aus SPD, Grünen und Gießener Linke in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie ab. Diese trägt den Titel »Prüfung des Erhalts des Basketballbundesliga-Standorts«, was wie auch die hierfür im Haushalt 2022 eingestellten 100 000 Euro den Willen der Stadt, sich weiter zu engagieren, unterstreicht. Die Resultate der Studie »sollen bis Sommer vorliegen«, teilt Becher mit. Auf dieser Grundlage würden dann Gespräche stattfinden, mit 46ers und GGO, aber auch mit möglichen weiteren Nutzern der Mehrzweckhalle, die sich ebenfalls für außersportliche Veranstaltungen eignet. Laut OB beinhaltet der Prüfauftrag an externe Gutachter zum einen eine Tragwerksuntersuchung der 1969 eröffneten und zuletzt 2006 sanierten Sporthalle-Ost, »um zu klären, ob ein weiterer Ausbau für mehr Zuschauer überhaupt möglich ist«. Bislang beträgt die maximale Zuschauerauslastung von Gießens »Gut Stubb« - die in erfolgreicheren Bundesliga-Zeiten wegen der Lautstärke der Fans und der räumlichen Enge als »Osthölle« bei Gegnern gefürchtet war - bei Basketball-Spielen etwa 3750 Plätze. Die 46ers hätten schon letztes Jahr vorgeschlagen, sie »zur reinen Basketball-Halle auszubauen«, ruft der Oberbürgermeister in Erinnerung. Der Schulsport müsste allerdings bei dieser Lösung weichen, weshalb der damalige Bundesligist seinen Vorschlag mit der Anregung zum Bau »einer neuen Mehrfelderhalle« für die GGO verbunden hätte.

Die andere Lösung, die derzeit im Rahmen der Machbarkeitsstudie untersucht wird, ist der komplette Neubau »einer reinen Ballsporthalle an anderer Stelle in der Stadt, als Ersatz für den Basketball-Spielort Osthalle«, führt Becher aus. Ohne, was Größe und Zuschauerkapazität angeht, jetzt schon konkreter werden zu können. Weitere infrage kommenden Kandidaten aus dem Sport für eine solche Halle gäbe es, wie etwa die nun von der Regionalliga in die ProB (Dritte Liga) aufgestiegenen Basketballer der Gießen Pointers. Nicht zu vergessen die Korbjäger der Gießen Rackelos, dem Farmteam der 46ers, das ebenfalls in der ProB um Punkte kämpft.

Das bereits im Oktober von den Gießen 46ers präsentierte Konzept, auf das Frank-Tilo Becher hier verweist, sieht vor, die Osthalle zu einem großen »Leistungs- und Nachwuchszentrum Basketball« umzugestalten.

Verbesserungen für GGO und Vereine

Demnach sollte nach den Vorstellungen des Traditions-clubs zunächst daneben eine neue Halle für den Schul- und Vereinssport mit insgesamt vier bis sechs Feldern auf zwei Ebenen geschaffen werden. Was nicht nur die Situation im Schulsport der GGO deutlich verbessern würde, sondern auch einen Beitrag zur Linderung der in den vergangenen Jahren zugenommenen Hallennöte Gießener Vereine leisten könnte, argumentierten die 46ers damals. Gleichzeitig würde dies den bestehenden Nutzungskonflikt zwischen Schul- und Profisport beseitigen. Als zweiten Schritt schlug man vor, die Zuschauerkapazität der Osthalle auf bis zu 5000 Personen zu erweitern und das Ganze um Kraftraum, Physiotherapie, Schulungs- und Verwaltungsräume zu ergänzen.

Geschäftsführer Sebastian Schmidt hatte im Oktober den Druck auf die Stadt weiter erhöht, als er ein Bekenntnis zum Basketball-Standort einforderte und die Politik aufrief, »den Worten auch Taten folgen zu lassen. Sonst müssen wir befürchten, dass eher früher als später in der Osthalle und in Gießen die Lichter des Basketballs ausgehen«. Angesichts des Bundesliga-Abstiegs hat letztere Aussage noch an Bedeutung gewonnen.

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