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Wechsel an der Spitze

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Reiner Mathar ist der neue kommissarische Sprecher der Agenda21-Gruppe »Nachhaltige Mobilität«. © Schäfer

Reiner Mathar löst Klaus Hass als Sprecher der Gießener Agenda21-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« ab. Kritik gibt es erneut an der mangelnden ÖPNV-Anbindung des Umlandes an die Stadt.

Gießen . Drei Jahre lang leitete Klaus Hass mit viel Verve die Agenda21-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« als Sprecher. Nun wollte er den Staffelstab weiterreichen. Doch das klappte nur bedingt. Auch für seinen Stellvertreter Dr. Volkhard Nobis wurde in der digitalen Sitzung der Gruppe ein Nachfolger gesucht. Auf Vorschlag von Hass erklärte sich Reiner Mathar für das Sprecheramt bereit. Doch es gab an diesem Abend niemand, der ihn als Stellvertreter unterstützen wollte.

Kommissarischer Gruppensprecher

So wird Mathar, der auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit als Mitgründer sowie Vorstandsmitglied der ANU Hessen (Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung) große Erfahrung besitzt, bis zum nächsten Treffen kommissarisch der Gruppensprecher der AG »Nachhaltige Mobilität« sein. Zuversicht herrschte, bis dahin einen Stellvertreter gefunden zu haben, sodass der Zusatz »kommissarisch« bald wegfallen kann. Michael Bassemir vom Büro Bürgerbeteiligung und Lokale Agenda 21 lobte das Wirken von Klaus Hass. »Es ist eine erfolgreiche Gruppe geworden mit der Beteiligung von interessanten Referenten.« Etliche Anträge der Agenda-Gruppe seien über den Agenda-Rat in die Stadtverordnetensitzung gelangt.

Für Thomas Kirchhof, Vorsitzender des BID Marktquartier, ist es »ein Fehler, dass der Verkehrsentwicklungsplan an der Stadtgrenze aufhört«. Mathar stimmte ihm süffisant zu: »Es macht keinen Sinn für die Leute, die an der Stadtgrenze Einlass begehren.« Gemeint ist von beiden die fehlende Abstimmung und damit mangelnde Anbindung des Umlandes an die Stadt. Der Landkreis bleibe außen vor. Dabei sei es doch um vieles besser, einen sinnvollen Planungsraum zu erstellen. Genannt wurde als vorbildliches Beispiel die Rhein-Main-Region, in der das so gehandhabt werde.

Kirchhof, der sich in der Vergangenheit mehrmals stark gegen den Verkehrsversuch »Fahrbahn für das Fahrrad auf dem Anlagenring« positioniert hatte, berichtete über das kürzliche Treffen von IHK, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Vertreter der BIDs zu den Themen Verkehrsentwicklungsplan und Verkehrsversuch Anlagenring. Zu letzterem: »Ihr wisst, ich bin da sehr parteiisch und kritisch.« Dabei sei er in dieser Hinsicht nunmehr sehr entspannt. »Entweder es funktioniert oder nicht.« Das rief Jörg Bergstedt auf den Plan und es entspann sich ein scharfes Wortgefecht zwischen beiden. Bergstedt: »Die BID hat noch kein einziges Mal auf unsere Anfrage zur RegioTram geantwortet.« Kirchhof: »Mit der RegioTram haben wir nicht das geringste Problem. Wir befürworten das.« Bergstedt: »Falsch! Bisher unterstützen Sie es nicht.«

Kritik im Konsens

So viel zum einzigen Schlagabtausch der Sitzung. Ansonsten wurde zumeist im Konsens kritisiert. So, dass beim Start des diesjährigen Stadtradelns am 15. Mai sich noch immer nichts Sichtbares bezüglich des Verkehrsversuches gezeigt habe. Klaus Hass kritisierte, dass »dies alles leider vor sich hergeschoben« werde. Dass solche Dinge öfters in Gremien verschoben, abgeschoben würden, habe er, Mathar, auch erlebt. Das gefällt ihm nicht, denn: »Mobilität und Verkehr schreit danach, dass man was verändert.« Beim Verkehrsversuch Anlagenring soll es »erst nach dem 15. 5.«, also in der zweiten Maihälfte - so wurde mitgeteilt - eine Präsentation der Dortmunder Planer geben. Bassemir: »Meines Wissens kommt es dann im Mai noch in den Gremienlauf.«

Bergstedt kritisierte die Stadt dafür, dass die am 15. Mai zusammen mit dem Start des Stadtradelns vorgesehene Fahrraddemo auf dem Anlagenring nicht genehmigt wurde. »Beides zusammen zu machen, ist abgelehnt worden.« Nun findet die Demo einen Tag zuvor, am Samstag, statt. Am Sonntag stehen dann auch das Rennen um das Stadttheater sowie ein Festtag an der Pumptrack-Anlage in der Wieseckaue an.

Dr. Nobis wollte wissen, ob die Strategievorstellung der Stadtwerke (SWG) dieser Tage auch die Mobilität beinhaltet habe. Hass: »Die haben viel über ihr ach so tolles Bussystem geredet, was nach Aussagen von Herrn Funck klimaneutral ist.« Statt über ihre Ziele ob des Verkehrsentwicklungsplanes zu sprechen, hätten sie sich »überwiegend auf den Wärmemarkt konzentriert.« Mathar merkte an, dass er das »Konzept mit dem Flüssiggas ganz schlecht« finde.

Bergstedt geißelte den E-Autoverleih der SWG. Dies sei zwar der Tatsache geschuldet, dass der Stromverkauf der einzige profitable Bereich der SWG sei. »Allerdings ist es das falscheste, was wir brauchen: Nämlich die Zahl der Autos zu erhöhen.«

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