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Weigel-Greilich will Kompromiss für Dammweg

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Von: Ingo Berghöfer

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Zumindest diese Bäume auf der Schwanenteich-Seite des Damms könnten demnächst fallen. Archivfoto: Schäfer © Red

Nur die Hälfte der Bäume müssen fallen, wenn das Stadtparlament heute zustimmt. Die Variante, die den kompletten Neubau und den Totalverlust der Vegetation vorsieht, scheint jedenfalls vom Tisch.

Gießen . Ein guter Kompromiss muss beiden Seiten wehtun. Die zuständige Stadträtin Gerda Weigel-Greilich und das Gartenamt wollten ursprünglich den maroden Wieseckdamm am Schwanenteich komplett neu bauen lassen, was nicht nur mehr als vier Millionen Euro gekostet hätte, sondern auch den Totalverlust des in Jahrzehnten auf dem Damm gewachsenen Baumbestands bedeutet hätte (der Anzeiger berichtete mehrfach).

Eine Bürgerinitiative (BI) von Anwohnern und Vogelschützern hatte dagegen auf eine Sanierungsvariante gepocht, bei welcher der bestehende Damm an der Basis abgedichtet werden soll und die komplette Vegetation auf der Dammkrone erhalten bleibt.

Die Lösung, die Weigel-Greilich am Mittwoch den Medien vorstellte und die sie heute den Stadtverordneten vorschlagen will, sieht ebenfalls eine Sanierung an der Dammbasis auf der Schwanenteichseite vor. In dieser Variante müssten aber die Bäume auf dieser Seite verschwinden und dürften auch nicht mehr nachwachsen, wie Gartenamtsleiter Thomas Röhmel erläuterte.

Damit wäre jedenfalls die Variante 1b zur Umsetzung der Dammsanierung realisierbar. Diese Prüfung hatte der Magistrat ja beschlossen. Das Ergebnis dieser Prüfung wird den Stadtverordneten am heutigen Donnerstag mitgeteilt und die Entscheidung über die Umsetzungsvariante in einer Stadtverordnetensitzung getroffen.

Für »1b« sprechen zwei Gründe. Zum einen würde der Schwanenteich bei der von der BI favorisierten und laut Weigel-Greilich auch »grundsätzlich machbaren« Variante von Diplom-Ingenieur Horst Dreier kleiner werden und sein optisches Erscheinungsbild ändern. Dagegen hat aber eine Behörde etwas, an die man in Sachen Gewässer- und Naturschutz nicht sofort denkt. Das von den Nazis in den 1930er Jahren im Rahmen eines geplanten gigantischen Umbaus der Wieseckaue mit Stadion und »Aufmarschgelände« als »Schlageter-Teich« angelegte Becken steht nämlich unter Denkmalschutz.

Gegen einen Baumbewuchs auf der Schwanenteich-Seite sprechen laut einer aktuellen gutachterlichen Stellungnahme aber auch die durch sie bewirkte Verkleinerung der Überflutungsfläche im Falle eines Wieseck-Hochwassers und die Gefährdung des abdichtenden Bereichs durch neue Wurzelbildung.

Dass bürgerliches Engagement sich auszahlen kann, zeigte eine in der jüngsten Bürgerversammlung gemachte Anregung einer Teilnehmerin zum Erhalt der Begehbarkeit des sanierten Dammes. Eine kurzfristig anberaumte Überprüfung habe ergeben, dass man durch das Aufbringen einer Schotterschicht und sogenannter Geogitter die Stabilität des Fußweges auf dem Damm gewährleisten und die Verkehrssicherheit wiederherstellen könne, sagte Röhmel. »Ein gewisses Entgegenkommen« attestierte auch BI-Sprecher Michael Janitzki der Stadträtin auf Anfrage. Allerdings sprächen die »zahlreichen Ungereimtheiten« bei der Information der Stadtverordneten dafür, dass die jetzt verkündete Festlegung eine übereilte Entscheidung sei, mit der »schnell Fakten geschaffen werden sollen«.

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