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Weiße Bänder von 1 bis 165

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Die Aktivisten geben den Bäumen am Schwanenteich eine Stimme. Foto: Schäfer © Schäfer

Zur Aktion der Gießener Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich!« kamen am Samstag 30 Aktivisten, markierten die Bäume und und mahnen mit Bannern »Erhaltet diese Bäume!«

Gießen. Die Stadt hat wohl vor, alle der fast 200 Bäume am Schwanenteichufer zu fällen. Zudem auch jegliches Gebüsch und Gestrüpp. Mehr als 30 Aktivisten waren dem Aufruf der deswegen neugegründeten, und dagegen agierenden Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich!« gefolgt, um am Samstagnachmittag die vom Fällen bedrohten Bäume auf beiden Längsuferseiten des Schwanenteiches mit weißen Textilbändern zu markieren.

So manches altes Betttuch hatte seinen Dienst getan, indem es in Streifen gerissen und beschriftet worden war. Diese Streifen wurden von den Aktivisten an den betreffenden Bäumen in mühevoller Arbeit angebracht. Danach wurden die Bänder durchnummeriert. Es ergaben sich 135 Bäume an dem rund 600 Meter langen Uferweg zwischen Schwanenteich und Wieseck. Auf der gegenüberliegenden Uferseite stehen wesentlich weniger Bäume, sodass die Nummerierung bei Baum Nummer 165 endet. Allerdings wurden die Bäume an der Rollschuhbahn wegen Unzugänglichkeit ausgelassen. Um die Spaziergänger über den Sinn der weißen Bänder zu informieren, wurden verschiedene Banner zwischen die Bäume gespannt. »Alle diese Bäume und Sträucher sollen platt gemacht werden« als Information, »Gebt uns ’ne Chance!« als Bitte und »Erhaltet diese Bäume!« als Aufforderung. Dafür sollen demnächst Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt werden. Eckhart Schneider sprach bei seiner Begrüßung noch von »etwa 150 Bäumen«. Tatsächlich wurden im Rahmen der Aktion danach fast 200 gezählt.

In dem seit anderthalb Jahren gesperrten Teilbereich sind zwei leckende Stellen des Dammes mit Sandsäcken abgedichtet worden. Sprudelte das Wasser anfangs trotzdem noch durch verfaulende Wurzeln bedingte Hohlräume durch die Sandsäcke hindurch, so haben dieses sich im Laufe der Zeit anscheinend mit Sedimenten verschlossen. »Ich finde keinen einzigen Tropfen, der da durchsickert«, merkt der ehemalige, langjährige Stadtverordnete Michael Janitzki an, einer der Initiatoren des Bürgerbegehren. Durch die Bürgerinitiative solle verhindert werden, dass eine »große Aufenthaltsqualität für die Bürger radikal zerstört werden soll«. Wo gibt es im Zentrum einer Stadt solch eine Oase, fragte Janitzki in die Runde.

Als 1,2 Millionen Euro-Projekt sei dieses Vorhaben von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet worden. »Tatsächlich kostet es - Stand heute - 2,2 Millionen Euro«, bemerkte er. »Und die Preise steigen derzeit immens«, fügte er hinzu. Obwohl die andere Uferseite - an der Eichgärtenallee entlang - keinerlei Gefährdung darstelle, sollten auch diese begradigt und alle Bäume, Büsche und Sträucher entfernt werden. Allein die beiden Reihen der Kastanienbäume sollten vom Fällen verschont bleiben. »Dann kann man von der Eichgärtenallee künftig bis in das Schwimmbad sehen«, bemerkte er. »Die Längsufer sollen kanalartig begradigt, die drei Vorsprünge weggebaggert werden«, so Janitzki. Als Beleg ließ er die Seite 24 einer 33 Folien umfassenden PowerPoint-Präsentation unter den Mitstreitern herumgehen, die im September 2021 im Bauausschuss präsentiert worden war.

Begradigung

Ökologisch scheint der Schwanenteich im Gegensatz zum Neuen Teich derzeit in Ordnung zu sein, wenngleich die mit starkem Algenwuchs versehene Wasseroberfläche alles andere als eine Augenweide darstellt. Die Fische geben sich im Gegensatz zu den verendeten im Neuen Teich quicklebendig. Auch die Störche, die wohl infolge des Fischsterbens den Neuen Teich verlassen haben, fühlten sich am Schwanenteich am Wochenende dem hinkenden Vergleich nach »pudelwohl«.

Etliche weitere Aktionen - Führung am »Tatort Schwanenteich« mit Diplom-Biologe Dietmar Jürgens, Info-Stände in der Stadt und eine öffentliche Informationsveranstaltung - hat die BI für die nächsten Wochen geplant.

Wann das Bürgerbegehren mit dem Sammeln von Unterschriften gestartet wird, steht noch nicht fest. Es muss juristisch noch geklärt werden, ob es als ein initiatorisches startet, um nach dem diesbezüglichen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 6. Oktober in ein kassatorisches (das heißt, den Beschluss kassierendes) übergehen kann, oder ob nur ein kassatorisches möglich ist. Im ersten Fall könne das Unterschriftensammeln alsbald beginnen. Im zweiten Fall wäre dies erst nach dem 6. Oktober möglich. Innerhalb acht Wochen müsste dann die nötige Anzahl der Unterschriften von Personen mit erstem Wohnsitz in Gießen erreicht worden sein.

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Michael Janitzki, einer der Initiatoren, nummeriert einen der 165 Bäume. Foto: Schäfer © Schäfer

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