Weiter im Höhenflug

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Der Höhenflug der Grünen geht weiter. Nach dem Sieg bei der Kommunalwahl sind die Gießener keineswegs auf die Euphoriebremse getreten - im Gegenteil. Wer geglaubt hatte, durch den Sinkflug der Partei auf Bundesebene würden die Chancen jetzt auch in Gießen schwinden, sah sich am Sonntag eines Besseren belehrt. Selbst einen Kandidaten aufzustellen, war somit absolut richtig.

Alles andere wäre den Anhängern nicht zu vermitteln gewesen und hätte wie die Angst vor der eigenen Courage sowie dem vorhandenen Potenzial gewirkt - und nicht von Selbstbewusstsein gezeugt. Die jüngste Stadt Hessens mit vielen Studierenden und Schülern, die es bei großen Klimastreiks zu Tausenden auf die Straße zieht, scheint aktuell jedenfalls stabil in grüner Hand zu sein. Sogar die Briefwähler - es sind Semesterferien - stimmten diesmal zu großen Teilen für die Grünen. Und die Botschaft ist klar: Klimaschutz ist wichtig und muss prioritär behandelt werden. Doch Vorsicht: Denn das sollte trotzdem nicht mit der Brechstange geschehen. Gießen ist nämlich ebenfalls eine Stadt, in der viele Menschen auf Transferleistungen angewiesen sind, die andere Sorgen haben als die Klimaneutralität bis 2035. Das Soziale darf daher nicht auf der Strecke bleiben und muss genauso ernst genommen werden wie zum Beispiel die Bedürfnisse des Einzelhandels. Gleichzeitig hat das Votum die Koalitionspartner SPD und Grüne angesichts von mehr als 60 Prozent für ihre Bewerber gestärkt - sofern sie sich nicht in den nächsten vier Wochen gegenseitig beschädigen. Dem bürgerlichen Lager ist es dagegen nicht gelungen, in Person von Frederik Bouffier das erhoffte "Korrektiv" dazu zu bilden. Als Verlierer muss sich der Christdemokrat dennoch nicht fühlen. Sein Ergebnis ist nach einem engagierten, bürgernahen Wahlkampf ein Achtungserfolg - und seine politische Karriere nach dieser Niederlage ganz sicher noch nicht beendet. Benjamin Lemper

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