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Wendejahre in Dresden

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Erzählt von einem jungen Kommissar, der in den Wendejahren dem organisierten Verbrechen in Dresden begegnet: Frank Goldammer. Foto: Schüttte © Schüttte

Laubach. Krimifestival in Laubach: Bestsellerautor Frank Goldammer las im Landhotel »Waldhaus« aus seinem neuen Roman »Schatten der Wende« mit dem Kripomann Tobias Falck als Hauptfigur. Und führte sein Publikum zurück in die Zeit der Wendejahre, die in Ostdeutschland eine dauerhafte Wirkung erzeugen sollten.

Man merkte dem Autor an, dass er über die Zeit rund um die Wiedervereinigung bestens Bescheid wußte, denn er hat sie als Jugendlicher in Dresden hautnah miterlebt. Bei der Lesung machte er keinen Hehl daraus, dass er sich den Angeboten der sozialistischen DDR nicht verschlossen hat. So habe er etwa nie daran gedacht, anders als sein Vater die DDR zu verlassen. Bemerkenswert für Goldammer war zudem die Verwandlung der Menschen nach dem Mauerfall 1989, wobei die neu gewonnene Freiheit für manchen auch ihre Schattenseite hatte. So zeigte der Autor in Laubach ein subtiles Bild der DDR, das er auch in seinen Roman einbauen konnte.

Eine Jugend in Dresden

Auch in seiner Lesung wechselte er zwischen Ausschnitten aus seinem rund 30 Jahre in die Vergangenheit führende Kriminalroman, der flüssig geschrieben ist und viele Milieubeschreibungen enthält sowie persönliche Anmerkungen zur Geschichte der DDR. Obwohl die Stasi bei den Ostdeutschen schon wegen Kleinigkeiten gefürchtet war, habe sie nicht alles unter Kontrolle gehabt. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde 1950 nach sowjetischem Vorbild gegründet und entwickelte sich zu einem umfangreichen Überwachuns- und Repressionsapparat, dem im Jahr 1989 etwa 91 000 hauptamtliche Mitarbeiter und mehr als 100 000 inoffizielle Mitarbeiter (IM) angehörten. In den Stasi-Gefängnissen wurde in den 1950ern noch physische Folter angewandt, später kamen ausgeklügelte psychologische Methoden zum Einsatz.

Im Zuge der friedlichen Revolution kam es im November 1989 zur Umbenennung des MfS in Amt für Nationale Sicherheit (AfNS), das seine Tätigkeit aber bald infolge des Drucks der Bürgerkomitees einstellte und bis März 1990 vollständig aufgelöst wurde. Doch nicht alle Bürger der DDR seien an der friedlichen Revolution beteiligt gewesen, betonte der Dresdner.

Nach der Öffnung gab es aufgrund der gerade den noch im Aufbau befindlichen Rechtsstrukturen im Osten eine Welle krimineller Aktivitäten. Durch die unsichere Situation sei auch der organisierten Kriminalität Tür und Tor geöffnet worden. Das ist die Folie für den Fall mit dem angehenden Kriminalpolizisten Tobias Falck, der, etwas naiv, seinen Dienst beim neu gegründeten Kriminaldauerdienst (KDD) in Dresden antritt und bald vor große Herausforderungen gestellt wird. Nicht nur die Gewalt an Frauen, der Drogenhandel oder Morde auf offener Straße sind für ihn Verbrechen, die er bis dahin nicht gekannt hat. Dabei ist völlig unklar, welche Rechtsgrundlage für ostdeutsche Polizeiarbeit kurz nach der Wende überhaupt gilt.

Geschildert wird im Roman auch, dass die Meinungen der ost- und westdeutschen Kriminalbeamten bei der Ermittlung von Verbrechen oft auseinanderliegen, was gerade an den Tatorten sichtbar wird. Das KDD-Team gerät zunehmend unter Druck, vor allem als plötzlich eine westdeutsche Kollegin auftaucht und um Amtshilfe bei der Suche nach einem Auftragskiller bittet.

Der neue, wie immer bestens recherchierte Fall aus Goldammers Krimireihe ist bereits nach ganz kurzer Zeit in zweiter Auflage erschienen. An diesem Abend gingen schon vor der Lesung am Stand von Buchhändlerin Janina Gerschlauer einige Ausgaben von »Schatten der Wende« über den Tisch. Begrüßt wurden die Besucher vom Leiter des Laubacher Tourismusbüros, Markus Stiehl.

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