1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Wer »äh« sagt, ist kein Lügner

Erstellt:

Von: Petra A. Zielinski

gikult_Kliesch2_151022_4c
Ein Geburtstagsständchen für seinen Freund Sebastian Fitzek nahm Vincent Kliesch gemeinsam mit dem Publikum in Langgöns auf. Foto: Zielinski © Zielinski

Langgöns. »Wer das Ende errät, ist wirklich gut«, erklärte Vincent Kliesch im Langgönser Bürgerhaus. Der Bestseller-Autor stellte mit »Der Klang des Bösen« den vierten Teil der legendären Auris-Reihe vor, die auf der Idee seines Freundes Sebastian Fitzek beruht. Dabei entpuppte sich der Berliner als humorvoller Entertainer, der sein Publikum schnell in den Bann zog und mehr für Lacher als für Grusel sorgte.

Doch zum Auftakt stimmten alle gemeinsam ein Happy Birthday für Sebastian Fitzek an, das Kliesch per Handy weiterleitete. »Ich habe vier Tage später Geburtstag«, verriet der (noch) 47-Jährige.

Gemeinsame Entwürfe

»Die Grundidee zur Reihe um den forensischen Phonetiker Matthias Hegel, genannt ›Auris‹, stammt von Sebastian. Gemeinsam haben wir daraus eine Geschichte entwickelt.« Noch immer schreiben sie gemeinsam ein Exposé, welches die Grundlage für den Roman bildet. »Fitzeks Mitarbeit wird allerdings von Buch zu Buch geringer«, erklärte Kliesch. Nach Erscheinen des ersten Buches der Reihe habe sich mit Prof. Oliver Niebuhr ein echter Phonetiker gemeldet, der mittlerweile zum »wertvollsten Mann für die ›Auris‹-Bücher« avanciert sei.

Diesmal besteht die Grundidee darin, dass der gerade aus der Psychiatrie entlassene Silvan glaubt, seine Mutter sei von seinem Vater ermordet worden. Kaum hat der junge Mann sie aus dem Fenster stürzen sehen, wird Silvan von einem Auto angefahren, an dessen Steuer er den Vater zu erkennen glaubt. Dieser - ein »despotischer Möchtegern-Produzent und Dauerkokser« - behauptet hingegen, die Mutter sei noch am Leben. Zumindest existiert(e) eine Frau, die unter Lichtallergie leidet und »in einer seelenlosen Dunkelkammer mit dem Charme einer Gefängniszelle« lebt(e).

Auf der Polizeistation nimmt mit Ausnahme von Matthias Hegel niemand den 17-Jährigen ernst, zumal er aufgrund eingebildeter Beobachtungen früher Dauergast auf der Polizeistation Wannsee war. Nur der akustische Phonetiker kann hören, dass Silvan nicht lügt - zumindest nicht in der eigenen Wahrnehmung - und dass hier noch weitaus furchterregendere Botschaften mitschwingen.

»Hegel hat das absolute Gehör«, erklärte Vincent Kliesch und gab seinem Publikum einige Tipps, wie man Lügner im echten Leben entlarven kann. »Wenn man lügt, spricht man höher und langsamer«, so der Autor, der mittlerweile selbst zum Experten auf dem Gebiet der Phonetik geworden ist. Verwende man hingegen Verzögerungspartikel wie »äh« oder »öh« und spreche schnell und schlampig, sage man die Wahrheit.

Für die tickende Bombe im Thriller sorgt, dass Hegel unter einem »thorakalen Aortenaneurysma, Stanford Typ A« leidet, das sofort operiert werden sollte. Da es sich bei dem angeblichen Mordopfer Patrizia aber um seine heimliche Liebe handelt, beschließt er stattdessen, den bizarren Fall zu lösen. »Ein Experte hat mir gesagt, dass man mit dieser Krankheit im schlimmsten Falle jederzeit tot umfallen kann«, hatte sich Kliesch informiert.

Die Handlung spielt an einem einzigen Tag. Und da sich beim Schreiben immer mal wieder Details geändert hätten, habe zunächst auch das Ende nicht festgestanden. Nur so viel verriet der Berliner: »Die letzte Szene gehört dem Bösen.« Auch Hegels aus der Vorgängerbänden bekannte kongeniale Partnerin, die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge, war selbstverständlich wieder mit dabei.

Zwischen seiner spannenden Lesung unterhielt der Gast die Zuhörer unter anderem mit seiner »Ideenwerkstatt« - einem Buch, in dem er lustige und skurrile Beobachtungen notiert. Da geht es etwa um die Frage, was es mit dem Spruch »Wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen« auf sich hat. Auch als Imitator war Vincent Kliesch gut. So machte er sich etwa über die Hipp-Werbung lustig.

Verfilmung geplant

Mithilfe einer Box für akustische Phänomene zeigte er, was passiert, wenn man bei einem Lied die richtigen Noten, aber die falschen Oktaven spielt - man erkennt es nicht wieder. Für Lacher sorgten die sogenannten »Agathe-Bauer-Songs«, lustige Missverständnisse in Liedern. »Das passiert, wenn das Gehirn denkt, etwas zu erkennen«, erklärte der Experte. Habe man einmal in Chris Normans »Midnight Lady« »Oma fiel ins Klo« statt »Oh my feelings grow« verstanden, bekomme man dies nicht mehr aus dem Kopf.

»Schreiben ist ein einsamer Beruf. Daher bin ich froh, dass ich den Abend mit Ihnen teilen konnte«, verabschiedete er sich, nicht ohne fleißig Bücher zu signieren. Ob seine ›Auris‹-Reihe fortgesetzt wird, ist noch unklar. Fest steht aber, dass die Bücher verfilmt werden.

Auch interessant