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Werbung für einen Weltroman

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Eröffneten die Schau im Rathaus-Atrium (von rechts): OB Frank-Tilo Becher, Patrick McDonagh, stellvertretender irischer Generalkonsul in Frankfurt sowie Stefan Neubacher und Stephanie Jackson vom Kulturamt Gießen. Foto: Gauges © Gauges

Gießen . Es gilt als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur, von dem die meisten schon einmal gehört haben, das aber die wenigsten kennen: »Ulysses« von James Joyce (1882-1941). Warum man sich einmal an den in jeder Beziehung schwergewichtigen Roman des Iren heranwagen sollte, wird in einer neuen Ausstellung im Atrium des Rathauses anschaulich.

Am Mittwochabend wurde die kleine Schau mit knapp zwei Dutzend großformatigen Stellwänden, Fotos und Texten in englischer Sprache in Anwesenheit von Patrick McDonagh, stellvertretender irischer Generalkonsul in Frankfurt, sowie Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher eröffnet.

Die Grüne Insel feiert ihren wohl berühmtesten Schriftsteller, dessen Roman als bahnbrechend für die Literatur des 20. Jahrhunderts gilt, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums seit der Erstveröffentlichung von »Ulysses« im Jahr 1922 auf vielfältige Weise. Dazu gehört auch diese vom Frankfurter Generalkonsulat organisierte Wanderausstellung, die nach verschiedenen Städten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland nun in Gießen angekommen ist. Nachdem Generalkonsulin Anne-Marie Flynn »uns bei einem Besuch vor einigen Monaten das Angebot gemacht hat, haben wir natürlich gerne zugegriffen«, berichtet OB Becher. So ist nun bis zum 3. Februar im Atrium nachzuvollziehen, wer James Joyce war und warum sein Werk eine solche Bedeutung erlangt hat.

Der Schriftsteller beschreibt in dem Roman in 18 Episoden einen Tag im Leben seines Helden Leopold Bloom. Und wie der antike Odysseus erlebt dieser Anzeigenaquisiteur einer Tageszeitung an diesem 16. Juni 1904 eine Art Irrfahrt - allerdings nicht durch das Mittelmeer, sondern durch Joyce’s Geburtsstadt. »Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, dass, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte«, sagte der Schriftsteller dazu.

Die Ausstellung führt in kurzen Schlaglichern zur Lebensgeschichte des Schriftstellers, der als eine Art Weltbürger weit herumkam, in Triest, Rom, Paris und Zürich lebte, auch Deutschland sehr gut kannte und laut Patrick McDonagh als »moderner Europäer« verstanden werden kann. 1914 begann er mit der Arbeit an »Ulysses«, an dem er fortan sieben Jahre arbeitete, und das 1922 in Paris erstveröffentlicht wurde. Davon erzählen die Schautafeln im Rathaus-Atrium ebenso wie von der Ehe mit Nora Barnacle, die er an einem 16. Juni erstmals ausführte - dem Handlungszeitraum - und die zur wichtigen Gefährtin des Künstlers wurde. Ebenso gibt es Informationen zu seinem schweren Augenleiden, zu seiner Reiseleidenschaft, zu seinen Förderern.

Und natürlich geht es auch um die von diesem Werk ausgelöste literarische Revolution, was Sprache, Stilistik und Ausdrucksweise anbelangt. Der im Buch formulierte »stream of consciousness« - der Bewusstseinsstrom - von Hauptfigur Leopold Bloom war stilbildend für viele nachfolgende Schriftsteller. Und sorgte zugleich dafür, dass viele Leser an dem Buch gescheitert sind. Nun könnte manch ein Besucher der Ausstellung Lust auf einen neuen Versuch bekommen, denn in »Ulysses« erkunde James Joyce, so heißt es in der Gießener Ausstellung, »ehrliche, weitverbreitete menschliche Erfahrungen«. Am Ende gehe es darin um den Heroismus, das tägliche Leben zu bestehen. Ein Thema, das uns alle angeht.

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