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WG am Strommast

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Freuen sich über die neuen »Wohnungen« für Gießener Singvögel: Martin Hajdu (Mittelhessen Netz GmbH), Mathias Leib, Kaja Schweitzer und Gerda Weigel-Greilich (v. l.). Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Gießen . Wer in Gießen nach einer neuen Wohnung Ausschau hält, der muss mitunter lange suchen. Das Problem haben aber nicht nur Menschen: »Der Wohnungsmarkt ist auch für Vögel eng«, sagt Kaja Schweitzer vom Amt für Umwelt und Natur der Stadt Gießen. »Die Landschaftsstrukturen werden immer monotoner. Dadurch gehen Nistmöglichkeiten verloren.« Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es nun zehn neue Nistkästen zwischen Waldfrieden und Hangelsteinstraße in Wieseck.

Das Besondere: Sie sind an Strommasten angebracht.

Einziehen sollen hier Dohlen und Feldsperlinge. Beide Arten seien laut Schweitzer nach einem Bestandsrückgang in den vergangenen Jahren nun dabei, sich wieder zu erholen. »Bei dem Populationsaufschwung wollen wir sie durch das Anbringen von Nistkästen unterstützen.« Da beide Singvögelarten sehr gesellig sind und daher häufig in Kolonien brüten, wurden gleich mehrere Kästen an einem Strommast angebracht.

13 Meter hoch

Den Standort ausgesucht hat der Vogelschutzbeauftragte der Stadt, Matthias Korn. Denn auf dem Feldflurgebiet gab es bereits ein größeres Aufkommen der beiden Vogelarten - und damit potenzielle Nutzer der neuen Nistkästen.

Die Mittelhessen Netz GmbH als Betreiber hat zwei Masten für die Vögel zur Verfügung gestellt, die Stadtwerke Gießen (SWG) haben die Nistkästen mit Hilfe von Spannbändern befestigt. Ganz so leicht, wie das klingt, war es aber nicht: Die Masten sind rund 13 Meter hoch, für das Anbringen in luftiger Höhe mussten die SWG mit einem Hubsteiger anrücken. Für Störche haben die SWG in der Vergangenheit bereits Nistplattformen angeboten. Die Wiesecker Kästen an Strommasten seien aber ein Novum, sagte Mathias Leib. Bei der Auswahl der Masten habe man darauf geachtet, dass sich Heckenstrukturen und ausreichend Nahrungsquellen in der Nähe befinden, so Schweitzer.

Die Nistkästen wurden als Spezialanfertigung durch den Verein Lebensgemeinschaft in Sassen von Menschen mit Behinderung hergestellt. Die sechs Kästen für die Dohlen sind jeweils etwa einen Meter groß. Die Feldsperlinge dagegen mögen es etwas enger, ihre vier Koloniekästen sind kleiner und beinhalten jeweils drei »Wohnungen« für einzelne Brutpaare. Der erste Mast war bereits rechtzeitig zu Beginn der Brutzeit bestückt, der zweite wurde kürzlich fertiggestellt. Feldsperlinge brüten bis zu dreimal im Jahr, es ist also denkbar, dass beide Masten noch in diesem Jahr Vogelnachwuchs ein Zuhause bieten. Mit den Nistkästen sei »ein weiterer wertvoller Schritt in Richtung Arterhaltung und Biodiversitätssteigerung gemacht«, lobte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne).

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