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»Wichtig für unsere Gesellschaft«

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Unterschriften an passender Stätte: Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher und Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (rechts) sowie Dietgard Wosimsky vom Freundeskreis Alter Friedhof. Fotos: Schäfer © Schäfer

Gießen. Keinen passenderen Ort als den Alten Friedhof mit seinen vielen prächtigen Grabmalen konnte es für diese Unterzeichnung geben. Um den Wert der Friedhöfe für die Gesellschaft zu unterstreichen, ist Gießen der Charta Friedhofskultur beigetreten. Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher und Stadträtin Gerda Weigel-Greilich unterzeichneten die Urkunde im Beisein des städtischen Abteilungsleiters Friedhöfe, Roland Kauer, und des Gartenamtsleiters Thomas Röhmel.

Dietgard Wosimsky vom Freundeskreis Alter Friedhof unterschrieb gesondert. Der Beitritt zur Charta ist in eine bundesweite Aktion eingebettet.

Viele Facetten

Die Charta definiert ein gemeinsames Begriffsverständnis zum Thema Friedhofskultur und zeigt zugleich den großen Facettenreichtum dieses Kulturguts auf. Becher zeigte sich »glücklich über die Charta.« Der Friedhof sei ein kultureller Ort. Die Wünsche zur Bestattung würden immer individueller. Diese sei aber nicht nur eine private Angelegenheit, sondern die Zugänglichkeit der Orte »wichtig für unsere Gesellschaft«. Auch bei einer anonymen Bestattung, bei der die Pflege entfalle, verbleibe durch eine Plakette ein Ort des Trauerns.

Für Weigel-Greilich ist ein Friedhof ein Ort der Besinnung, auch ein Rückzugsort, Feiern auf den Grünanlagen sein ein gesellschaftliches Tabu. Dagmar Klein vom Freundeskreis Alter Friedhof wies auf das Toreingangsschild »Immaterielles Erbe Friedhofskultur« mit einem Scan-Code für weitere Informationen hin.

Außer in einem Kolumbarium (Urnenwand) bietet die Stadt alle Bestattungsformen an. Auf dem Neuen Friedhof am Rodtberg wird seit 1904 beigesetzt. Wer auf dem Alten Friedhof seine letzte Ruhestatt finden möchte, kann dort für sich ein »Patenschaftsgrab« für eine Urnenbeisetzung erwerben. Weitere Friedhöfe befinden sich in allen Stadtteilen sowie im »Bestattungswald am Schiffenberg«.

In Deutschland engagieren sich unzählige Menschen für die Friedhofskultur. Viele setzen sich hauptberuflich für den Friedhof ein: Sargträger, Verwaltungen, Bestatter, Gärtner oder Steinmetze. Hinzu kommt die Arbeit in Krematorien, bei Zulieferbetrieben oder im Denkmalschutz. Und es gibt viele ehrenamtlich Tätige, vor allem in den Kirchengemeinden, aber auch in Vereinen und Verbänden. Nicht zu vergessen sind zudem Kulturschaffende wie Musiker, Mediengestalter oder Kulturvermittler.

Hinzu kommt die Wissenschaft, die in verschiedenen Fakultäten an dem Thema arbeitet, zum Beispiel aus kulturwissenschaftlichem oder historischem, sozialem oder städtebaulichem Blickwinkel. Umweltschützer setzen sich für den Friedhof als Ort der Biodiversität und des Naturschutzes ein. Und nicht zuletzt engagieren sich auch viele Menschen politisch für den Friedhof, in Städten und Gemeinden genauso wie auf Landes- und Bundesebene.

So unterschiedlich die Hintergründe, Haltungen und Interessen sein mögen: Viele eint das Bewusstsein, dass der Friedhof ein unverzichtbarer Teil unserer Kultur ist. Im Dialog zeigt sich zudem ein hohes Maß an Wertschätzung, die vor allem gegenüber der Bedeutung von Friedhöfen bei dem Abschiednehmen und der Trauerverarbeitung gilt. Der vielfältige Blick auf den Friedhof zeigt so große Schnittmengen, die sich konkret benennen lassen. Jede der unterschiedlichen Gruppierungen kann für sich in Anspruch nehmen, für die Friedhofskultur tätig zu sein, sie zu gestalten, zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Die Charta definiert nun ein gemeinsames Begriffsverständnis für den öffentlichen Diskurs zum Thema Friedhofskultur und setzt ein Zeichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Friedhöfe. Sie versteht sich sowohl als Basis eines gemeinschaftlichen Engagements für den Friedhof als auch als klares Signal der Abgrenzung gegenüber sogenannten alternativen Bestattungen außerhalb des Kulturraums Friedhof.

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Hier gibt es weitere Informationen für Besucher. © Rüdiger Schäfer

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