Wie geht Gießen nach Greensill mit seinem Geld um?

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GIESSEN - (olz). Durch die Greensill-Insolvenz droht der Stadt ein Verlust von zehn Millionen Euro. Die Vergangenheitsbewältigung läuft längst. Doch welche Schlüsse ziehen die OB-Kandidaten für die Zukunft?

"Greensill muss unsere Sensibilität für die Risiken bei der Anlage von öffentlichen Geldern noch einmal schärfen und mahnt uns zu konsequent konservativer Anlagepolitik, im Zweifelsfall auch zum Verzicht auf eine Anlage", erklärt Frank-Tilo Becher (SPD). Zudem sehe er Verpflichtung und Möglichkeit, nach ethischen Kriterien festzulegen, wo kein öffentliches Geld angelegt werden darf.

"Gerade nach den Erfahrungen mit Greensill muss die Stadt jetzt erst recht höchstes Sicherheitsniveau garantieren", mahnt Frederik Bouffier (CDU). Das Wichtigste sei, das Kapital der Stadt so sorgsam anzulegen wie es irgend geht. Dazu müsse man sich an den Anlagenrichtlinien des hessischen und deutschen Städtetages und an den entsprechenden Anlagestrategien orientieren. "Vor allem muss gewährleistet sein, dass Einlagen auf jeden Fall gesichert sind, so wie zum Beispiel beim Einlagenfonds der Sparkassen", erklärt Bouffier.

"Für mich ist klar, dass wir in Zukunft die Anlagensicherheit kritischer überprüfen müssen. Sicherheit gilt hier vor Rentabilität", so Alexander Wright (Grüne). Zudem müsse die Stadt selbst die Prüfung und Bewertung einer Anlage in die Hand nehmen und sich tiefergehend beraten lassen. Das bedeute auch, dass man voraussichtlich mehr Personal in der Kämmerei benötigen werde. Zusätzliche Stellen im Beteiligungsmanagement zur Entlastung der Kämmerei habe die Koalition bereits vereinbart.

Jede Pleitebank müsse auf Herz und Nieren geprüft (gegoogelt) werden, bevor darin investiert werden darf. Die Summe der Investition soll dabei acht Millionen Euro nicht übersteigen, fordert Marco Rasch (Die Partei). "Mit den restlichen zwei Millionen spielen wir Online-Poker. Das ist wesentlich sicherer, denn da gewinnen wir auf jeden Fall", meint der Kandidat. Thomas Dombrowski (unabhängig) rät, die Verantwortlichkeiten für die Greensill-Anlage zu überprüfen.

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