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»Wie hat das angefangen?«

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Timo Gmell, seit 17 Jahren Software-Architekt beim Unternehmen, gab Einblicke hinter die Kulissen des heute weltweit agierenden Zahlungsanbieters. © Schäfer

»Wie Klarna seinen Weg nach Gießen fand« skizzierte Timo Gmell, seit 17 Jahren Software-Architekt beim Unternehmen, dem Publikum beim Gründerstammtisch in der Alten Post Gießen.

Gießen. Erfolgsgeschichten zu Expansionen, Umsatzsteigerungen und einer ständig weiter steigenden Zahl an Mitarbeitern im Unternehmen fluten den Raum. Da stellt nach einer Stunde beim stark besuchten Gründerstammtisch die Moderatorin Sarah Krecker vom ECM-Gründungszentrum der JLU, die diese Veranstaltung auch auf die Beine gestellt hat, dem Referenten eine Art Gretchenfrage: »Wie hat das denn eigentlich alles angefangen? Und wie lief die Finanzierung ab?«

Thema dieses Gründerstammtisches im »Techhub« (Dependance) von Klarna im ehemaligen Telegraphenamt an der Alten Post: »Wie Klarna seinen Weg nach Gießen fand.« Als schwedisches Startup im Jahr 2005 in Stockholm gegründet, beschäftigt der inzwischen globale Konzern 5000 Mitarbeiter und dominiert neben PayPal insbesondere in Westeuropa den digitalen Bezahlverkehr.

Klarna ermöglicht Verbrauchern schnell, einfach und sicher, offene Zahlungen sofort, später oder in Raten zu begleichen und arbeitet mit über 250 000 Händlern zusammen. Anstelle des angekündigten Gastredners Product Director George Davie, der in den USA weilt, gibt Timo Gmell, seit 17 Jahren Software-Architekt beim Unternehmen, Einblicke hinter die Kulissen des Zahlungsanbieters. Einen wichtigen Beitrag zum Erfolg Klarnas, insbesondere in Deutschland, beigetragen hat ein deutsches Start-up, die »Sofort GmbH« - aufgekauft 2014 und seitdem Teil der Klarna Group. Die Erfolgsgeschichte von »Sofort« in Deutschland begann 2005 in Butzbach. Das Produkt Sofortüberweisung wurde dort erdacht und entwickelt. 2004 beschlossen, sich den Banküberweisungen zuzuwenden, ging es in 2005 und 2006 los mit der mit spezieller Software entwickelten Sofortüberweisung als automatisierte Vorkasse. 2008 folgte der Sofortdauerauftrag, ein Jahr später die Sofortlastschrift. 2010 sind es nahezu neun Millionen Transfers. Immer mehr Länder kamen hinzu. 2011 habe man, so Gmell, die Händler nach einem Feedback befragt. Damit rückte die »Abwicklung von Rücküberweisungen« in den Fokus. Dafür habe man die »Refund-Technologie« (Refund=Erstattung) entwickelt und eine Bank, die »Sofort-Bank« gegründet; deren jetziger Name: »Deutsche Handelsbank«. Die »Bank für digitale Start-Ups und Wachstumsunternehmen« heißt es auf der Homepage. Den Standort habe man aus Expansionsgründen mehrfach wechseln müssen. Zuerst innerhalb von Butzbach, von dort nach Wetzlar, danach Linden und seit 2020 Gießen.

Das war vor zwei Jahren, als eine Dependance des Unternehmens die Räume der restaurierten Alten Post bezog und damit für positive Verwunderung in der Universitätsstadt sorgte. Gießen ist schließlich keine Fintech-Hochburg wie Frankfurt oder München (Fintech = moderne Technologien im Finanzdienstleistungsbereich). Doch ausschlaggebend für den Standort seien nicht zuletzt auch das Unidreieck Marburg-Gießen-Friedberg gewesen, die gute Verkehrsanbindung in einer innovativen, wachsenden Stadt mit (Bus-)Bahnhof und Parkhaus direkt vor der Haustür.

Die 2016 entwickelte Klarna-App habe inzwischen 21 Millionen Nutzer. Tag für Tag würden zwei Millionen Transaktionen durchgeführt. Gmell gibt Einblicke in den Unternehmensalltag, das Arbeiten in kleinen Arbeitsgruppen mit großer Verantwortung und ständigem, vierzehntägigem Zwischenbilanzziehen. Lange Betriebszugehörigkeiten anstatt hohe Personalfluktuationen hätten, so Gmell, zu einem fast familiären Betriebsklima geführt und so einen besonderen Teamspirit hervorgebracht

Auf die eingangs aufgeführte Frage nach den Anfängen, erzählt Gmell, dass die Finanzierung ihn nicht tangiert habe. Bei seinem Eintritt sei er nach der Bezahlung gefragt worden: »400 Euro als Werksstudent oder Beteiligung?« Der Spatz in der Hand war ihm damals wichtiger als die Taube auf dem Dach. »Das war ein großer Fehler, weiß ich jetzt. Wir, fünf Programmierer, kamen alle frisch von der Uni und haben einfach Spaß daran gehabt.« Spaß an? »Mein Chef wollte die Vorkasse entwickeln.«

Der Gründungsstammtisch ist eine Initiative von ECM - Gründungszentrum der JLU, des Technologie- und Innovationszentrums Gießen, der IHK Gießen-Friedberg, der Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Gießen sowie des Vereins »Region Gießener Land«. Alle Teilnehmer stellen sich auch diesmal mit Vornamen und dem Grund ihres Erscheinens kurz vor.

Martin Wavrouschek und Elke Gaub-Kühnl werben für ihre Anlaufstelle als Ratgeber bei Landkreis und Stadt. Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher ist als Wirtschaftsdezernent der Stadt erschienen.

Jeden zweiten Mittwoch im Monat treffen sich Jungunternehmer, Gründer und Gründungsinteressierte, um Tipps für ihre Vorhaben zu erlangen, Berichte von erfolgreichen oder gescheiterten Unternehmen zu hören, sich auszutauschen. Der nächste Gründerstammtisch am 8. Juni findet im Makerspace, Walltorstraße, statt.

Nähere Informationen gibt es unter www.gruendungsstammtisch-giessen.de.

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