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Wie witzig darf eine Bank sein?

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Von: Ingo Berghöfer

Die Volksbank Mittelhessen macht sich über Robert Habeck lustig, und erntet einen Shitstorm in den sozialen Medien.

Gießen . Mit seinen eher seltsamen Ausführungen zum Insolvenzrecht vor einer Woche bei Sandra Maischberger (» Und dann sind die (Unternehmen) nicht insolvent, automatisch, aber sie hören vielleicht auf, zu verkaufen.« ) hat der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck nicht nur die Moderatorin aus der Fassung gebracht, sondern es auch binnen kurzem zum Internet-Meme gebracht. Ob im Sport ( »Der HSV ist gar nicht abgestiegen, er spielt nur nicht mehr in der 1. Liga.« ) oder bei den Royals ( »Die Queen ist nicht tot, sie hat nur einfach erst mal aufgehört zu atmen« ): »Denken wie Habeck« trendete in den Sozialen Medien. Da wollte auch das Social-Media-Team der Volksbank Mittelhessen nicht nachstehen und legte dem Grünen-Politiker den Satz »Das ist keine Inflation, das Geld ist nur weniger wert« in den Mund.

»Nicht die beste Idee«

»Das war sicher nicht unseren beste Idee», sagt Nina Bernhammer, Teamleiterin im Vorstandsstab der Volksbank Mittelhessen. Kurz darauf hätten sich ein paar Follower gemeldet und den Post kritisiert. »Wir wollen nicht, dass ihr das macht, das steht euch nicht zu«, sei der Tenor dieser Kritiker gewesen. Andere fanden es unpassend, dass die Volksbank über das Thema Inflation witzele, da die ja auch deren Kunden betreffe.

»Letztlich haben wir gemerkt, dass wir nicht Sixt sind«, meint Bernhammer. Sixt hat es zumindest mit seiner konstant provokanten Werbung zum Kultstatus gebracht. Für ein Geldinstitut würden aber strengere Maßstäbe gelten als für eine Autovermietung, räumt Bernhammer ein.

Nach einer Diskussion im fünfköpfigen Social-Media--Team, das gemeinsam den Habeck-Gag ausgeheckt hatte, entschloss man sich nach kurzer Diskussion, den kritisierten Beitrag zu löschen. »Wir wollten weder Robert Habeck persönlich noch seiner Partei zu nahe treten und bitten ihn persönlich um Entschuldigung. Wir werden künftig darauf achten, umsichtiger zu kommunizieren« , heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Entschuldigung. Die allerdings löste - mit ein wenig Hilfe der Bild-Zeitung - erst den richtigen Shitstorm aus.

Die dünne Zeitung mit den dicken Schlagzeilen, aber auch das Sat1-Frühstücksfernsehen, warfen der Volksbank vor, vor Grünen-Anhängern eingeknickt zu sein. Ähnlich sieht das auch der überwiegende Teil der 200 Kommentatoren, die sich bislang online zu der Entschuldigung geäußert haben. Postings wie »Ich fand’s lustig und zutreffend, von meiner Seite hätte es keiner Entschuldigung bedurft« oder »Ein bisschen Humor kann die Welt schon aushalten. Meine Empfehlung wäre, den Dauerempörten nicht gleich nachzugeben« , geben die Stimmung vieler Follower wieder. Andere äußerten sich aber auch weit aggressiver.

»Der Geist von Mielke«

»Die grüne Staatssicherheit liest mit und petzt fleißig bis zur Vorstandssekretärin. Die Reaktion kam schnell. Der Geist von Mielke weilt scheinbar weiter unter uns.« oder »Volksbank Mittelhessen, mit was wurdet ihr bedroht, dass ihr so flink auf die Knie fallt und um Gnade bettelt?« , lauteten solche Kommentare, die laut Bernhamer oft aus der rechten Ecke kommen würden.

Allerdings gab es auch Zuspruch für den Rückzieher, wenn auch in weit geringerem Maße. » Ich fand den Post völlig daneben, zolle Ihnen aber Respekt dafür, den Fehler einzugestehen.« oder »Respekt für das Eingestehen eines Fehlers. Ob der Post lustig war oder nicht, tut dabei gar nichts zur Sache. Ihr habt - für Euch - festgestellt, das passt nicht und habt’s korrigiert. So stell’ ich mir Fehlerkorrektur vor« , lauteten einige dieser Kommentare.

Entgegen der vielfachen Unterstellungen habe es keinen internen Druck aus der Bank gegeben, betont Nina Bernhammer. Seitens des Vorstands würden dem Social-Media-Team viele Freiheiten eingeräumt, die man ja auch brauche, um einen kreativen Auftritt zu gestalten. »Es gibt bestimmt Unternehmen, da wäre ich am nächsten Tag weg gewesen, aber wir haben hier zum Glück eine andere Unternehmenskultur.« Auch künftig will man sich im Social-Media-Team der Volksbank Mittelhessen bisweilen unkonventioneller präsentieren, dabei aber mehr die alte englische Club-Regel beachten: keine Witze über Politik und keine Witze über Religion.

Und für die, die sich grämen, dass die Volksbank den Habeck-Kalauer löschte, hat ein gewitzter Kommentator einen Trost à la Robert parat: »Das Meme wurde gar nicht gelöscht, es ist nur einfach nicht mehr sichtbar.«

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