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Wieder ein Lächeln sehen

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Kann man noch tragen, muss man aber nicht mehr: Die Maskenpflicht ist gefallen. Dennoch gingen viele Kunden am verkaufsoffenen Sonntag auf Nummer sicher. Symbolfoto: Philipp von Ditfurth/dpa © Red

»Oben ohne« ist seit dem 2. April wieder erlaubt. Doch am verkaufsoffenen Sonntag in Gießen waren noch viele Passanten, Kunden und Geschäftsmitarbeiter mit Maske zu sehen.

Gießen. »Oben ohne« ist wieder erlaubt: Seit dem 2. April ist die Maskenpflicht in weiten Teilen des öffentlichen Lebens aufgehoben. Nur noch in wenigen Bereichen, wie etwa dem öffentlichen Personennahverkehr oder in Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen, muss noch Maske getragen werden. Mancher Geschäftsinhaber macht zudem von seinem Hausrecht Gebrauch und setzt weiterhin das Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Maske voraus. Doch atmen die Menschen in Gießen tatsächlich auf, nachdem nun der »Freedom Day« endlich da ist? Beim verkaufsoffenen Sonntag in Gießen, der gleichzeitig mit dem Event Sport in der City zusammenfiel, wurde recht schnell klar, dass die Maske bei vielen weiterhin zum Outfit gehört.

Sonntagmorgen, 11 Uhr: Im Außenbereich des »Türmchen« am Kirchenplatz entfernen die Gäste bei strahlendem Sonnenschein noch die restlichen Schneeschichten von den Stühlen und freuen sich auf einen abwechslungsreichen Sonntag. Was auffällt: Die Bedienungen des Cafés tragen keine Maske mehr. Das wird manchen erst dann wirklich bewusst, wenn die Bedienung bei der Aufnahme der Bestellung einen nach zwei Jahren wieder sichtbar anlächelt. »Ich bin, sagen wir mal, erleichtert, dass die Maskenpflicht weg ist. Es macht den zwischenmenschlichen Kontakt mit den Gästen besser und es hat wieder was von Normalität«, sagt eine junge Dame, die die einzelnen Tische der Außengastronomie bedient. Freudestrahlend kommt sie mit den Gästen ins Gespräch und der ein oder andere Scherz wirkt ohne Maske eben stärker als noch mit FFP2-Maske. Beim Gang zur Toilette im Innenbereich geht dann doch der Griff nochmal in Richtung Tasche, aber dann wird einem wieder bewusst, dass die Bedeckung rein rechtlich gar nicht mehr nötig ist.

Einige entscheiden sich dennoch dafür, die Maske in den Läden weiterhin aufzubehalten. So etwa im Schuhgeschäft Deichmann. Dort liegt die Anzahl derer, die Maske tragen, ungefähr bei 50 Prozent. Die Verkäufer tragen sie noch, einige Besucher jedoch nicht mehr. Nicht für alle ist das verständlich. »Ja, ich trage die Maske weiter. Ich habe nämlich kein Bock auf eine Infektion oder dass mir jemand aus nächster Nähe wieder in den Nacken hustet. Ich meine, wenn ich so eine Infektion vielleicht verhindern kann, warum nicht? Es bringt mich ja nicht um, mal eine halbe Stunde die Maske zu tragen«, meint Sarah Bodenbender aus Lohra. Die 21-Jährige ist heute zum Flanieren in Gießen und genießt die Sonne und die Möglichkeit zum Shoppen am Sonntag, dennoch greift sie konsequent zur FFP2-Maske, sobald sie ein Geschäft betritt.

Ein paar Meter weiter bei »Depot« zeigt sich ein anderes Bild. Hier tragen weniger Menschen die Maske, vielleicht, weil es einfach ohne Maske besser geht, den Duft einer Aromakerze zu erschnüffeln. Hilke Wagner, die aus Leun nach Gießen gekommen ist, hat für sich beschlossen, die Maske auch weiterhin zu tragen. Die 31-Jährige setzt auf frühere Methoden: »Ich hatte mir überlegt, wieder auf die Stoffmaske umzusteigen. Die haben mehr Spaß gemacht als diese Einwegdinger und sind sicher trotzdem besser als nichts«, so Wagner lachend. Mit der Meinung ist sie offensichtlich nicht alleine an diesem Sonntag. Immer wieder sind Passanten zu sehen, die eine Maske aus buntem Stoff oder mit verschiedenen Motiven tragen, nachdem diese aufgrund der Verordnungen quasi verbannt und tabu waren.

In der Parfümerie Douglas ähnelt die Situation wieder der im Depot. Parfum kann man eben besser ohne MundNase-Bedeckung riechen. Natalija Köppl ist da dennoch skeptisch. Die 27-jährige Studentin aus Gießen trägt weiterhin ihre FFP2-Maske und macht auf die hohen Inzidenzen aufmerksam.

»Ich trage auch weiterhin eine Maske beim Einkaufen, weil ich mich angesichts der Zahlen ohne nicht wohl fühle. Ich bin zwar dreimal geimpft und fit, eine Infektion erspare ich mir trotzdem gerne und will vor allem auch keine Mitmenschen gefährden. Ich kann mir aber auch vorstellen, nach der Pandemie zu Grippehochzeiten mal einen Mundschutz im Supermarkt zu tragen«, so Köppl.

Die einzelnen Geschäfte hingegen wollten sich an diesem Wochenende noch nicht dazu äußern, wie der allgemeine Trend aussieht. Nach Angaben mehrerer Betreiber und Inhaber sei es noch zu früh, um aussagekräftige Zahlen nennen zu können. Fest steht, dass es für einige Menschen ungewohnt ist, ihre Maske beim Einkaufen nicht mehr aufsetzen zu müssen.

Der Geschäftsführer des BID Selterswegs, Markus Pfeffer, ist mit den Resultaten des ersten Wochenendes ohne Maskenpflicht zufrieden. »Die meisten Mitarbeiter und Besucher tragen weiter Maske. Das spricht für die Vernunft der Gießener. Wir können niemandem etwas vorschreiben, da wir kein Einkaufszentrum sind. Wir empfehlen es, dass die Leute weiter Maske tragen. Solange die Inzidenz so hoch ist, macht eine Maske Sinn«. Verwundert zeigten sich einige Personen, die am Marktplatz nach ihrer Shoppingtour »oben ohne« in den Bus einsteigen wollten. In Bussen und Bahnen gilt sie weiter, die Maskenpflicht.

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Solche Hinweise finden sich in einigen Geschäften. © Leyendecker

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