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»Wiederholungstäter« in Gießen

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Von: Felix Müller

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Tief in die Geschichten versunken: Jürgen Haber stellte Krimis aus Irland und England vor. Foto: Müller © Müller

Gießen (lix). Beim Krimifestival in Gießen stand der Samstagabend im Zeichen der irisch-britischen Krimi-Szene. Zu Gast in der Ricker’schen Universitätsbuchhandlung war Irland-Experte und Buchhändler Jürgen Haber - ein Wiederholungstäter, der nicht zum ersten Mal bei den »Mordwochen« vorbeischaute. Mit dabei hatte er »Emma«, ein chromatisches Akkordeon, sowie eine Auswahl an Büchern von der Grünen Insel.

Für zusätzliches Insel-Feeling sorgte die Speise- und Getränkeauswahl, die vom Inhaber der Buchhandlung, Ralph Kohlheyer, sorgfältig zusammengestellt wurde. Neben selbstgemachten »Scones« - einem Gebäck, das oft zur »Tea-Time« gereicht wird, gab es auch den angesprochenen Tee, der traditionell mit Milch getrunken wird. Die Rahmenbedingungen stimmten also.

Mit dem populären irischen Lied »The Rare Ould Times« eröffnete Haber die Veranstaltung. Ein Song, in dem beklagt wird, wie sich die traditionelle Lebensweise im Dublin der 1960er und 70er Jahre verändert hat. Passenderweise spielte sein anschließend vorgestellter Roman »Rückkehr nach Irland« von Killen McNeill ebenfalls zu Teilen in der irischen Hauptstadt.

Haber begann mit dem Prolog, in dem zwei Selbstmorde eine Rolle spielen. Der Erzähler wechselt im Verlauf der Geschichte immer wieder geschickt die Perspektive, springt zwischen den 50er Jahren und der Gegenwart. Diese erzählt von einer Reisegruppe unter der Leitung von Michael, einem Mann mit dunkler Vergangenheit. Mörderisch ging es auch in »Mord in Sussex« von John Bude zu. An der Südküste Englands widmen sich die Brüder John und William Rother dem traditionellen Kalkabbau. Das friedliche Farmleben wird allerdings empfindlich gestört, als John bei einer Dienstreise verschwindet und sein blutbeflecktes Auto gefunden wird. Das Besondere an den Werken von John Bude ist, dass in allen Superintendent »Meredith« die Hauptrolle spielt und versucht, Morde aufzuklären. Zudem sind Budes Bücher unter dem Motto »Fairplay« entstanden. »Es besagt, dass in einem guten Krimi die Polizei nie mehr wissen darf als der Leser. Das ist anders als etwa bei Fällen von Miss Marple, wo die Polizei schon nach der Hälfte des Buches Bescheid weiß, aber der Leser erst im letzten Kapitel die Auflösung erfährt,« erklärte Haber.

Musikalisch untermalte er seinen Vortrag mit dem englischen Klassiker »Scarborough Fair«. »Der Originalautor des Liedes ist leider unbekannt, die bekannteste Version stammt von Simon & Garfunkel,« ergänzte Haber. Zusammen haben Instrument und Künstler übrigens 120 Jahre auf dem Buckel, fair aufgeteilt in jeweils 60 Lebensjahre. »Dabei war es nicht Liebe auf den ersten Griff, als mir Emma vor sieben Jahren auf dem Flohmarkt in Mainz über den Weg gelaufen ist. Wir mussten uns erst aneinander gewöhnen,« schmunzelte der Musiker.

Nach »Foggy Dew«, einer irischen Ballade, die den Osteraufstand von 1916 thematisiert und die Iren dazu ermutigen soll, für die eigene Sache zu kämpfen, kam Habers persönlicher Favorit an die Reihe. Er ist Fan der Sean-Duff-Serie, die von Adrian McKinty ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile erschienen acht Bände, in denen der mit Ecken und Kanten ausgestattete Inspektor Duffy bizarre Mordfälle lösen muss. Haber stellte Band 6, »Dirty Cops«, vor, der in seinen Augen »beste Teil« der Serie.

Nach einem weiteren musikalischen Ausflug in die britische Folklore wurden die Zuhörer nach zwei abwechslungsreichen Stunden mit zufriedenen Gesichtern und gesättigtem Bauchgefühl in den Abend entlassen.

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