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Wimmelbilder voller Mythen

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Alles wandelt sich - auch bei diesen »Metamorphosen« im Stadttheater. © Rolf K. Wegst

Gießen (bj). »Alles wandelt sich, nichts vergeht«: Dieser vor rund 2000 Jahren notierte Satz des römischen Dichters Ovid gilt in diesen Tagen auch und ganz besonders für das Stadttheater Gießen. Bevor sich das Leitungsteam um Intendantin Cathérine Miville zum Saisonende auflöst und ein großer personeller Umbruch an dem Haus ansteht, kündigt sich noch eine letzte Großproduktion an, die alle Sparten umfasst und rund 75 aktive Bühnenbeteiligte umfasst.

Am Samstag, 21. Mai, um 19.30 Uhr feiert »Metamorphosen« nach Ovids antiker Vorlage Premiere im Großen Haus.

Dafür haben sich alle Sparten des Hauses zusammengetan: Schauspiel und Tanz, Opernchor und philharmonisches Orchester. Und ganz wichtig: »Wir wollten das Projekt gleichberechtigt gestalten«, berichtet Dramaturgin Carola Schiefke. So begann die Vorbereitung vor rund einem Jahr mit ersten Workshops, bei denen das unterschiedliche Bühnenpersonal erstmals miteinander interagierte. Stichworte aus der Vorlage wurden dazu in Kleingruppen herangezogen und assoziativ verwendet. So werden nun »Schauspieler tanzen, Tänzer sprechen und Musiker szenische Aufführungen zeigen«, wie Regisseur Patrick Schimanski im Pressegespräch ankündigt.

Mit der dramaturgischen Vorlage betraut wurde der Leipziger Theaterautor Tom Peuckert, dessen Solostück »Das Leben des H. Erzählt von seinem Kunsthändler« 2020 mit Schauspieler Tom Wild in Gießen uraufgeführt wurde. Diesmal hat er aus Ovids Vorlage, einem »Grundlagentext der europäischen Kultur«, so Carola Schiefke, kleine Dramolette entwickelt, die sich auf die antiken Motive beziehen und gleichzeitig einen eigenen Spannungsbogen entstehen lassen. »Kennen muss man diese Vorlagen aber nicht«, betont Regisseur Schimanski. Im Kern sei dieses Projekt »ein Abend übers Geschichten erzählen«, erklärt der Regisseur, aus dem sich auch ohne Vorlagenwissen ein »sinnliches, humorvollles Vergnügen« ziehen lasse. Wer dennoch auf die Suche nach bekanntem Stoff gehen wolle, könne aber die Argusaugen ebenso entdecken wie den goldgierigen König Midas. Und »auch das Programmheft ist da dienlich«, ergänzt Dramaturgin Schiefke.

Für den Generalmusikdirektor (GMD) Florian Ludwig ist dieses Gießener Projekt zugleich ein Abend, »der das Theaterhandwerk feiert«. Schließlich sei auf der Bühne alles analog, auf Videos wird ebenso verzichtet wie auf Einspielungen vom Band. Zusammen mit seinem Orchester hat er dazu Richard Strauss’ »Metamorphosen« als zentrales Werk ausgewählt. Eine Komposition, die sich trotz der Namensgleichheit zwar nicht auf Ovids Text bezieht, aber als »ideales Spiegelbild der Motive dient«. Hinzu kommen Stücke von Mendelssohn, Brahms, Saint-Saëns und anderen, die das Verhältnis von Mensch und Natur, von Mensch und Mensch in den Blick nehmen.

Als ein Ende will Ballettdirektor Tarek Assam dieses Ovid-Projekt im Übrigen nicht verstanden wissen. »Die Dinge enden nicht, sie verändern sich. Und auch für uns alle geht es danach weiter.«

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