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»Wir brauchen Politiker, die handeln«

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Zum Protest gegen die Klimapolitik legen sich die Teilnehmer auf die Kreuzung. © Schäfer

An die 300 Schüler machten bei einem Demonstrationszug über den Anlagenring in Gießen ihrem Unmut Luft. In den vergangenen drei Jahren sei »einfach nichts passiert«, beklagten sie.

Gießen (rsa). Für Autofahrer war es Freitagmittag nicht das erste Mal diese Woche, dass sie sich rund um den Anlagenring in Geduld üben mussten. Hier und da durch Hupen lautstark zu hören war, dass sich nicht unbedingt alle damit abfanden. Zumal es bei der gestrigen Demonstration der »Fridays For Future«-Bewegung um das Auto ging. »Make the nature great again« (Macht die Natur wieder bedeutend) hieß es auf einem von vielen Schildern und Bannern, die an die 300 Schüler um den Anlagenring trugen. Dabei thematisiert wurde der Klimawandel, dem auch durch eine Verkehrswende begegnet werden soll. Bei dieser wird unter anderem eine Verringerung der Anzahl der Autos gefordert.

Drei Jahre ist es fast auf den Tag genau her, dass sich Gießener Schüler organisierten und erstmals an einem Freitagvormittag statt in den Unterricht auf die Straße gingen und für die Umwelt demonstrierten. Zum Jahrestag hatte die Ortsgruppe unter der Leitung des Schülersprechers der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO), Junis Poos, einen Sternmarsch von GGO, Liebig-, Herder-, Alicenschule und Landgraf-Ludwigs-Gymnasium zum Berliner Platz organisiert. Dort wurden sie von Fallou Sy musikalisch empfangen. Eine Fotogalerie zeigte die zahlreichen Aktionen der letzten Jahre. Poos forderte, dass »es endlich mal losgeht mit echten Klimaschutzmaßnahmen. Es passiert einfach nichts«. Es könne nicht sein, dass es immer noch Menschen gebe, die den Klimawandel nicht sähen.

Beim Zwischenstopp am Elefantenklo rief Finn Becker per Lautsprecher nach unten: »Drei Jahre! Ich weiß nicht: Ist das eine Erfolgsgeschichte oder auch nicht.« Denn gar zu wenig sei bis heute von den Forderungen umgesetzt worden. »Wir brauchen Politiker, die handeln«, forderte er. Auch in Gießen sei die Verkehrswende »das Topthema« gewesen. »Seitdem ist so gut wie nichts passiert«. Klimaneutralität habe die Stadt 2019 beschlossen. Auch da sei »so richtig nichts getan worden«. Nur noch neun Jahre hätten wir Zeit, bis sich der CO2-Ausstoß auf die Hälfte verringern müsse. »Wie kommen wir dahin, dass die Politik auf uns hört?« Seine Antwort schrie er ins Mikrofon: »Nur so: Lasst uns laut sein!« Havvanur Adak brachte ihre Wut auf die Politiker lautstark zum Ausdruck. Unser derzeitiges Wirtschaftssystem führe dazu, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffne. »Wir müssen das System ändern«, so ihre Forderung.

Ein »Die-in« (gemeint ist damit gemeinsames Sterben) wurde dann beim Stopp auf der Kreuzung Oswaldsgarten zelebriert. Minutenlang lagen die Teilnehmer auf der Straße und reckten ihre Botschaften auf Schildern in die Höhe: »March now or swim later« (Marschiere jetzt oder schwimme später), »Damit die Erde weiterlebt - alle für 1,5 Grad«, »Wiesen und Wald statt Asphalt!« oder »Sofortiger Baustopp SUVs und Autobahnen« lauteten einige der Botschaften darauf.

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