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»Wir dürfen nicht in Panik verfallen«

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Von: Eva Pfeiffer

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Um die steigenden Kosten zu decken, ist die THM auch auf ihre Rücklagen angewiesen. Archivfoto: Friese © Red

Steigende Preise und sinkende Studierendenzahlen auch in Gießen: Die THM blickt in eine ungewisse Zukunft

Gießen . Pandemie, Krieg, Energie - die vielen Krisen seien auch eine Herausforderung für die Studierenden, sagte Prof. Matthias Willems, Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), in der Sitzung des Senats am Mittwochnachmittag, »Die Zukunft ist unsicherer geworden«, die damit einhergehenden Belastungen sorgten mitunter für psychische Probleme. Aber auch die Hochschule selbst blicke in eine ungewisse Zukunft.

»Drei große finanzielle Risikofaktoren« benannte Willems: Die steigenden Energiekosten, die Inflation sowie die sinkenden Studierendenzahlen. Von der Zahl der Studierenden hängt auch ab, wie viel Geld es aus dem Hessischen Hochschulpakt für die THM gibt, für die Berechnung wurden Durchschnittswerte herangezogen. Wenn nun jedoch langfristig deutlich weniger Studierende eingeschrieben sind, müssen die Hochschulen unter Umständen Gelder zurückzahlen. Die finanziellen Risiken bis zum Jahr 2025 bezifferte Willems auf rund 50 Millionen Euro. »Wir müssen sparsam sein. Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen.«

Im Wintersemester 2021/22 hatte es laut Willems 17 Prozent weniger Erstsemester gegeben als im Vorjahr. Zum aktuellen Semester hatten sich elf Prozent weniger Studierende neu eingeschrieben. Der Rückgang sei damit stärker ausgefallen, als erwartet, »das hat uns sehr geschockt«. Gleichzeitig sei es ein bundesweiter Trend, wobei die Regionen aber nicht in gleichem Ausmaß von den sinkenden Studierendenzahlen betroffen seien: Mittelhessen habe »überproportional verloren«, Metropolregionen wie Frankfurt dagegen weniger. Angesichts der noch höheren Mieten sei das »unverständlich«, findet Willems.

Dass es überhaupt weniger Studierende gibt, liege zum einen an der Rückkehr zu G9. Außerdem würden viele junge Menschen nach dem Abitur erstmal einen Auslandsaufenthalt oder eine Pause einplanen. Während der Corona-Pandemie hatte zudem die Zahl der Studienabbrüche zugenommen. Zudem sei »ein kleiner Wechsel zu privaten Hochschulen zu beobachten«. Hier müsse man sich deren Marketingstrategien anschauen, an einer besseren Ausstattung könne es nicht liegen, dass private Hochschulen für Studierende attraktiver seien.

Angesichts der steigenden Kosten werde die THM auch Rücklagen verwenden, »um die Lücken zu schließen«. Ob das bis 2025 ausreicht, sei aber nicht klar. Bis dahin ist der aktuelle Hochschulpakt gültig, wie ein Folgeplan aussehen wird, ist noch unklar, die hohen Studierendenzahlen aus den Jahren 2016 bis 2018 werde man aber nicht mehr erreichen. Der Präsident zeigte sich jedoch »zuversichtlich«, dass das Land die Hochschulen nicht hängen lassen werde.

Zur angekündigten Sparsamkeit gehört auch, dass die THM bei ausscheidenden Mitarbeitern »genau betrachten« will, ob die Stellen neu besetzt werden sollen. Man wolle jedoch »alles dafür tun, dass die Lehre nicht leidet«. Das Budget für das kommende Jahr reiche aus.

Im Energiebereich sei es das Ziel der THM, 15 Prozent an Wärme und fünf Prozent Strom einzusparen, sagte Vizepräsident Prof. Dirk Metzger. Bislang sei man gut durch die Krise gekommen, »wir müssen die Zähne zusammenbeißen«. Studierende und Mitarbeitende zeigten sich laut Willems »solidarisch« angesichts der notwendigen Einschränkungen. Auf ihrer Webseite gibt die Hochschule auch Tipps zum effizienten Umgang mit Energie. In der Pause zwischen den Jahren soll die Heizung dann noch weiter runter gedreht werden. Ausnahmen müssen beantragt werden. »Jedes Gebäude, das wir nicht beheizen, ist ein Gewinn«, betonte Vizepräsident Metzger.

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