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Abschied nach zwölf Jahren: Die Amtszeit von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz endet am 12. Dezember. Am Wochenende ist in ihrem Büro Aufräumen und Kistenpacken angesagt.

»Wir haben das ›Hässliches Entlein‹-Image abgestreift«

Zwölf Jahre haben Sie als Oberbürgermeisterin Gießen aktiv mitgestaltet. Künftig werden Sie nur noch »Bürgerin« der Stadt sein. Glauben Sie, dass Ihnen das leicht fällt?

Natürlich ist Wehmut im Spiel, dieses Amt nicht mehr inne zu haben, aber mir fällt es gar nicht schwer, weil ich auch immer Bürgerin und damit in einer Doppelrolle unterwegs war - ob im Theater oder auf dem Wochenmarkt. Das gehörte stets zu meinem Selbstverständnis.

Werden Sie sich weiterhin politisch zu Wort melden?

Da werde ich mich schön zurückhalten. Ich hatte dazu 28 Jahre Gelegenheit in der Stadtverordnetenversammlung, fünf Jahre als Oppositionsführerin, zwölf Jahre als Oberbürgermeisterin. Im Ortsverein bleibe ich aktiv, das ist meine politische Heimat. Dass ich mich politisch exponiere, wird jedoch nicht der Fall sein.

Hätte Sie eine dritte Amtszeit gar nicht mehr gereizt?

Gereizt ja! Ich habe lange abgewogen, ob ich erneut kandidieren soll. Und ich wurde von meiner Partei sehr darum gebeten. Trotzdem ist es jetzt gut - auch altersmäßig. Denn diese Aufgabe bedeutet neben großer Erfüllung auch eine enorme Verantwortung und eine große Belastung. Dem habe ich auch privat alles untergeordnet. Nochmal sechs Jahre wären einfach zu viel gewesen.

Nach dem Wahlsieg von Frank-Tilo Becher wirkten Sie extrem gelöst und euphorisch. Wie groß war die Last, die von Ihnen abgefallen ist?

Ich habe mich riesig gefreut, weil ich es mir so sehr gewünscht habe, dass Frank-Tilo Becher mein Nachfolger wird. Er ist ein warmherziger, sehr kommunikativer Mensch, der gut moderieren, der zuhören kann und trotzdem weiß, was er will. Also von der Persönlichkeit ist er genau der Richtige für Gießen. Deshalb war ich so sehr erleichtert.

Welche Fähigkeiten mussten Sie sich selbst erst im Amt aneignen?

Ich war keine Finanzexpertin, als ich - ganz bewusst - die Kämmerei übernommen habe. Hier habe ich viel über Haushalts- und Finanzpolitik lernen müssen und dürfen. Hinzu kam, erst einmal Verwaltung richtig zu verstehen - mit allen Hürden, die es zu Recht gibt. Die Ebene der politischen Forderungen ist nur die eine Seite. Diese umzusetzen und zu erleben, wie viele gesetzmäßigen Vorschriften dafür zu berücksichtigen sind, ist etwas Anderes. Man hat zum Beispiel eine kleine Maßnahme, und es sind zehn verschiedene Ämter zu beteiligen. Und dann geht es trotzdem nicht so reibungslos, wie man es sich vorstellt. Die Ergebnisse wiederum müssen in alle Richtungen kommuniziert und als Ganzes komponiert werden.

Hatten Sie oft Lampenfieber?

Ja, relativ oft. Gerade bei sehr feierlichen Anlässen und Verleihungen. Immerhin bin ich die Repräsentantin für diese Stadt gewesen, das ist schon etwas sehr Besonderes. Das wollte ich gut machen.

Haben Sie als erste Frau an der Spitze der Stadtverwaltung eigentlich Vorbehalte gespürt?

Ich bin ja nicht nur die erste Oberbürgermeisterin der Stadt, sondern die einzige in Hessen. Wenn ich gehe, gibt es gar keine mehr. Deutschlandweit sind leider auch nur neun Prozent der direkt gewählten Ämter weiblich besetzt. Ansprachen richten sich daher häufig an die »Herren Oberbürgermeister«. Und ich bekomme heute noch Post mit der Anrede »Herr Oberbürgermeister Grabe-Bolz«. Explizite Vorbehalte habe ich aber zum Glück nicht erlebt, am Anfang vielleicht ein bisschen Skepsis.

Wie haben Sie für sich persönlich die Rolle als Oberbürgermeisterin definiert?

Ich habe mich jederzeit als Oberbürgermeisterin für alle Bürgerinnen und Bürger Gießens verstanden, habe Verantwortung für das Ganze übernommen und bin Ansprechpartnerin für alle Bürgerinitiativen, Institutionen und Investoren gewesen - und das mit viel Leidenschaft und Respekt.

Was war der rote Faden Ihrer Politik?

Das war vor allem der gesellschaftliche Zusammenhalt, der Sinn dafür, zu zeigen: Gießen steht für Weltoffenheit und Toleranz und ist eine aufstrebende sowie zugleich soziale Stadt.

Rund um die Uhr für die Stadt im Einsatz zu sein, es aber trotzdem meist nicht allen Recht machen zu können, ist gewiss herausfordernd und kräftezehrend. Wie ausgeprägt ist Ihre Resilienz? Oder anders ausgedrückt: Haben Sie ein »dickes Fell«?

Es gab schon einige Situationen mit Enttäuschungen und Angriffen, die mir nahe gingen. Letztlich habe ich das immer vernünftig verarbeiten können. Aber nein, ein »dickes Fell« habe ich nicht. Manchmal ist das vielleicht ganz gut, weil man so empfänglicher bleibt für alles Gute und Positive.

Welches Projekt hat denn besonders viel Kraft gekostet?

Für das »Schutzschirm«-Projekt waren schon sehr viele dicke Bretter zu bohren. Zum einen in Wiesbaden, bei den vielen Gesprächen mit dem Finanz- und dem Innenministerium, um zu verdeutlichen, dass wir ein Stadttheater haben, das nicht zu den freiwilligen Leistungen gezählt werden soll, dass wir mehrere Schwimmbäder haben und nicht mit einem auskommen, dass wir eine sehr lebendige, aber finanzschwache Stadt sind, weil wir nicht über die Gewerbesteuereinnahmen wie zum Beispiel Marburg verfügen. Gleichzeitig mussten wir Überzeugungsarbeit bei den Bürgerinnen und Bürgern leisten und haben sie befragt, was ihnen wichtig ist. Uns hat positiv überrascht, dass dies für viele die Kultur war. Die schlimmste Phase war dann eigentlich, als wir die Grundsteuer B erhöhen mussten. Für die Kämmerei und mich ganz persönlich gehörten damals Anfeindungen zum Alltagsgeschäft.

Apropos Finanzen: Wie sehr nagt das Greensill-Desaster an Ihnen?

Das ist bitter, und ich habe gesagt, ich übernehme dafür die politische Verantwortung. Was ich übrigens nicht akzeptiere, sind all die unzutreffenden Unterstellungen und diese ex post Besserwisserei. Wir haben uns im Rahmen der vereinbarten Richtlinien bewegt. Ein ganzes Finanzministerium mit viel mehr Expertise hat auch 50 Millionen Euro angelegt, ebenso wie zahlreiche andere Städte. Insofern handelt es sich nicht um individuelles Versagen. Wir sind hier betrügerischen Machenschaften aufgesessen. Ob die zehn Millionen Euro weg sind, kann heute noch gar nicht gesagt werden, meint auch der Insolvenzverwalter, ein international versierter Mann.

Was würden Sie rückblickend eingestehen, falsch eingeschätzt zu haben?

In politischen Prozessen ist es immer so, dass man nicht alles durchsetzen kann, was man möchte. Mal stößt man an finanzielle, mal an politische Grenzen. Anders entscheiden würde ich heute bei der Fußgängerüberführung in der Ostanlage. Damals war Gießen noch hoch verschuldet, daher habe ich gesagt, wir können das wegen des Geldes nicht machen. Die politische Mehrheit hat das zum Glück anders gesehen, denn das war genau richtig.

Welche Ereignisse und Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Es gibt so viele schöne Momente, etwa bei Jubiläen mit älteren Menschen, deren Lebensgeschichten mich berührt haben. Dazu zählen natürlich der Besuch bei Abraham Bar-Menachem, unserem Ehrenbürger, in Netanya zum 100. Geburtstag, oder in unseren Partnerstädten San Juan del Sur und Wenzhou. Nicht zu vergessen die Verleihungen der Hedwig-Burgheim-Medaille, vor allem als wir die Sintezza Anna Mettbach geehrt haben. Für ein erhebendes Gefühl sorgte die von einem breiten Bündnis getragene Aktion »Gießen bleibt bunt«. Beeindruckt haben mich außerdem das unglaubliche zivilgesellschaftliche Engagement und diese Menschlichkeit, als ab 2015 so viele Flüchtlinge zu uns kamen. Oder als wir auf dem Kirchenplatz der Corona-Toten gedacht und auf die wichtige Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger aufmerksam gemacht haben. All das gibt immer wieder auch Kraft, um Schwieriges leichter wegzustecken.

Waren es zunächst die politischen Mehrheitsverhältnisse, haben Sie später die finanziellen Rahmenbedingungen durch den »Schutzschirm« arg eingeschränkt. Was wäre anders gelaufen, wenn Sie aus dem Vollen hätten schöpfen können?

Aus dem Vollen können ohnehin die wenigsten Städte schöpfen. Geld ist zwar nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts, denn nur damit lassen sich die Voraussetzungen für gute Lebensbedingungen schaffen. Wir wären mit Sicherheit viel weiter, was die unermesslich wichtigen Investitionen betrifft: zum Beispiel Schul-, Sporthallen-, Straßensanierungen und Kitas. Wir haben große Aufgaben vor uns, jedoch vieles zurückstellen müssen.

Was hätte denn noch auf Ihrer Wunschliste gestanden?

Im Wahlkampf 2009 hatte ich schon einen Spielplatz oben auf dem Schiffenberg auf meiner Agenda. Gerne realisiert hätten wir ein barrierefreies Stadttheater, das funktioniert nur mit einem Anbau. Aber da sind so viele andere Prioritäten in Schulen, Kitas, Straßen, Klimaschutz oder Mobilität.

Angetreten sind Sie mit dem Versprechen, für eine echte Bürgerbeteiligung zu sorgen, eine »Kultur des Dialogs« zu etablieren. Wie gut ist Ihnen das gelungen?

Unbescheiden würde ich behaupten, das ist recht gut gelungen. Alles lässt sich stets noch intensiver betreiben, aber wir haben eine Bürgerbeteiligungssatzung verabschiedet, ein verbrieftes Recht. Am Anfang wurde das als Papiertiger dargestellt, jetzt wird es rege genutzt, wie die wegweisenden Bürgeranträge zum klimaneutralen Gießen bis 2035 oder für die Fahrradspur auf dem Anlagenring beweisen. Wir haben also ein Instrument etabliert, das in Hessen ohne Gleichen ist. Den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern haben wir insgesamt sehr fortentwickelt; bei größeren Vorhaben zum Wohnen, zur sozialen Stadtentwicklung, zur Kultur oder zu sportlichen Freizeitangeboten geht fast nichts mehr ohne »Runden Tisch«. Und wir haben zusätzliche Beiräte für Senioren und Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen. Auch im Ehrenamt haben wir eine große, lebendige Szene.

Ist es dann nicht frustrierend, wenn wiederum die Beteiligung bei Direktwahlen wiederholt so erschreckend niedrig ist und einem Großteil der Bürger völlig egal zu sein scheint, wer im Rathaus sitzt?

Das ist ein allgemeiner Trend, den ich sehr problematisch finde und den wir nicht so hinnehmen dürfen. Ein Patentrezept gibt es leider nicht, aber mit Projekten wie »Jugend im Rathaus« fangen wir früh damit an, Kinder und Jugendliche für Kommunalpolitik zu interessieren. Denn gerade Kommunalpolitik entscheidet über die Lebensbedingungen vor Ort.

Ist es schwieriger geworden, Politik zu machen - auch weil verstärkt durch die Sozialen Medien eine Empörungswelle auf die nächste folgt?

Der Respekt vor der Politik ist geringer geworden, das lässt sich auf jeden Fall beobachten. Es gibt darüber hinaus eine ganze Reihe sehr fordernder Bürgerinnen und Bürger, die ihre Interessen mit großer Vehemenz vorbringen, absolut setzen und dann bisweilen noch beanspruchen, die Bürgerschaft zu vertreten. Dabei akzeptieren sie nicht, dass wir eine repräsentative Demokratie haben.

Wenn Sie drei Projekte nennen müssten, auf die Sie besonders stolz sind: Welche wären das?

Neben der Bürgerbeteiligungssatzung und der Bewältigung des »Schutzschirms« war für mich ganz maßgeblich, wieder - mit Reinhard Thies als Motor - in den sozialen Wohnungsbau eingestiegen zu sein und Wohnen als städtische Aufgabe zu verankern. Das lag lange brach. Die wichtigste kulturpolitische Entscheidung der vergangenen 50 Jahre ist die Sanierung und Neukonzeption des Oberhessischen Museums. Für erwähnenswert halte ich darüber hinaus den erfolgreichen Abwehrkampf mit unserem Einzelhandel gegen das »Factory Outlet Center«.

Bisher noch nicht erwähnt haben Sie die Landesgartenschau, die ebenfalls in Ihre Zeit als Oberbürgermeisterin fällt. Für viele ein Highlight, das zugleich begleitet war von vehementen Protesten und juristischen wie politischen Auseinandersetzungen. Warum war es richtig, diese Großveranstaltung mit all den dafür erforderlichen Maßnahmen und Kosten auf die Beine zu stellen?

Die Landesgartenschau war ein Segen für unsere Stadt, ein riesiger Erfolg. Bis heute profitiert Gießen von vielen Investitionsmaßnahmen wie dem Christoph-Rübsamen-Steg, der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes oder des Stadtparks Wieseckaue mit den Sportanlagen. Da könnte ich ins Schwärmen kommen. Dass sie so umstritten war, bereitete uns eine schwere Zeit. Wir haben versucht, zu befrieden, zu erklären. Viele Gegner sind im Nachhinein eines Besseren belehrt worden, manche geben das zu, andere nicht.

Welche Entwicklung in Gießen hat Ihnen insgesamt am meisten imponiert?

Wir haben das »Hässliches Entlein«-Image abgestreift und sind zu einer selbstbewussten »Boomtown« geworden. Das ist nicht mein Begriff, sondern der stammt von dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Wir sind die dynamischste mittelgroße Stadt Deutschlands. Das finde ich enorm. Ein entscheidender Motor dieser dynamischen Stadtentwicklung sind die beiden Hochschulen mit ihren Innovationskräften, die Gießen unglaublich voranbringen.

In welchem Bereich sehen Sie Gießen noch nicht so weit, wie Sie es sich erhofft hätten?

Das sind zwei Bereiche, die zusammenhängen: Zum einen ist es noch nicht entscheidend gelungen, den öffentlichen Raum für Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV und Individualverkehr gerechter aufzuteilen und gleichzeitig die Innenstadt zu beleben. Und zweitens natürlich alles, was unter Klimaschutz, Klimaneutralität, Klimaanpassung firmiert.

Sind vielleicht die politischen Weichen einfach zu spät gestellt worden?

Nein, es sind die Kräfte und Ressourcen von Politik und Gesellschaft noch nicht richtig gebündelt worden. Und wir schaffen das auch nicht allein als Kommune, sondern sind angewiesen auf die Gesetzgeber in Bund und Land sowie auf Finanzmittel. Wir haben schon viel erreicht, gerade unsere Stadtwerke sind beispielhaft, ob nun mit der Fernwärme, der Umstellung auf Biogas-Busse oder wegweisenden Projekten, die gemeinsam mit der THM entwickelt werden.

Welche Vorhaben hätten Sie gerne noch zu Ende gebracht?

Einige! Das Gefahrenabwehrzentrum ist eines davon. Aber wir hatten auch angestrebt, 400 neue Sozialwohnungen bis 2021 zu bauen, wobei ja noch weitere folgen sollen. Das hätte ich gerne abgeschlossen, zumal ich dafür gesorgt habe, zwölf Millionen Euro der Stadt als Investitionskosten und Darlehenshilfen bereitzustellen. Dass es zu Verzögerungen kommt, liegt jedoch nicht immer in der eigenen Hand. Und ich wollte möglichst eine Lösung für die Basketballer der Gießen 46ers finden - allerdings eine, die nicht zur Grundlage hat, dass die Stadt für den Profisport fast alles alleine finanziert und betreibt. Dann hätte ich gerne die Bürgerbeteiligungssatzung rechtssicher gehabt. Hierzu gibt es bisher leider keinerlei Rückmeldung.

In welcher Koalition haben Sie sich am wohlsten gefühlt?

Am effektivsten und vertrauensvollsten haben wir unter Rot-Grün zusammengearbeitet. Das hängt auch damit zusammen, dass wir uns politisch näher sind und die Abstimmung in Zweier-Konstellationen immer einfacher ist als zu dritt. Im Bündnis von SPD, Grünen und CDU gab es zum Teil ein großes Nebeneinander. Zur neuen Koalition von Grünen, SPD und Gießener Linken kann ich noch nicht viel sagen. Bisher lässt es sich gut an, ich hoffe, es geht so weiter.

Was werden Sie am wenigsten vermissen?

Unfruchtbare Debatten, die gekennzeichnet sind von Misstrauen, Unterstellungen und Besserwisserei. Damit meine ich nicht, dass es nicht auch mal turbulent und hitzig zugehen darf. Das gehört zu einer lebendigen Demokratie.

Im Laufe der vergangenen Wochen und Monate gab es schon viele letzte Male: zum Beispiel der letzte Haushalt, den Sie eingebracht haben, die letzte Rede im Stadtparlament, die letzte Kranzniederlegung zum Volkstrauertag... Mit welchem Gefühl sind Sie da rangegangen?

Als ich mich darauf vorbereitet habe, ist mir das noch gar nicht so bewusst geworden. In der Situation selbst dachte ich dann: »Ui, das ist jetzt das letzte Mal!« Das verursachte schon so ein komisches Bauchgefühl.

Endlich haben Sie mehr selbstbestimmte Zeit: Was werden Sie nachholen, wofür bisher kaum Freiräume geblieben sind?

Ich bin sehr interessiert an allen musikalischen und kulturellen Dingen, liebe es, Sport zu treiben: Laufen, Fahrrad fahren, Yoga. Das war alles sehr reduziert. Ich werde mir einen Chor suchen, vielleicht sogar zwei, obendrein ein Ensemble. Vielleicht lerne ich ein neues Instrument, Akkordeon oder Gitarre. Ich bin Beisitzerin im Vorstand des Literarischen Zentrums Gießen und bei der Arbeiterwohlfahrt in den Kreisausschuss gewählt worden, da werde ich mich stärker einbringen. Und selbstverständlich werde ich öfter meine drei Enkelbuben in Frankfurt besuchen und wieder häufiger meine Freundinnen und Freunde treffen.

Wie sieht denn Ihr letzter Arbeitstag aus?

Mein offiziell letzter Tag als Oberbürgermeisterin ist Sonntag, der 12. Dezember. Eigentlich hätte ich da zwei Kinderkonzerte mit Fredrik Vahle in Darmstadt gehabt. Sie wurden gerade abgesagt. Am Freitag davor ist die offizielle Verabschiedung und am vorletzten sowie letzten Tag ist das große Aufräumen und Kistenpacken angesagt. Vorher klappt das nicht, weil ich noch viel zu beschäftigt bin.

Es ist immer schwer, sich selbst zu bewerten. Aber welchen Satz möchten Sie in einer Würdigung gerne über sich lesen?

Ein Zitat der afroamerikanischen Bürgerrechtlerin Maya Angelou ist mir besonders haften geblieben: »Kann sein, dass die Leute vergessen, was Du gesagt hast. Kann sein, dass sie sogar vergessen, was Du getan hast. Aber sie werden nie vergessen, welches Gefühl Du ihnen gegeben hast.« Das hat mich berührt. Und ich hoffe, ich bin selbst meinem Anspruch gerecht geworden, allen Menschen mit Respekt und Empathie begegnet zu sein, sie ernst genommen und ihre Lebensbedingungen verbessert zu haben.

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