1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Wir nehmen jede Anfrage ernst«

Erstellt: Aktualisiert:

ANZGLOKSTADT20-B_152142_4c
»Gegen jeden Rassismus und Antisemitismus« - dieses Plakat hält eine Teilnehmerin bei einer Demonstration in die Höhe. Rund 45 Prozent der Menschen in Deutschland haben laut einer aktuellen Studie schon einmal rassistische Vorfälle beobachtet. Symbolfoto: Peter Endig/dpa © Red

65 Prozent sind der Auffassung, dass es rassistische Diskriminierung in deutschen Behörden gibt - so eine aktuelle Studie. Wie sieht es damit an den Hochschulen in Gießen aus? Eine Umfrage.

Gießen. Rassismus ist ein Problem innerhalb der deutschen Gesellschaft. Das ist keine kühne These, sondern durch den Nationalen Rassismusmonitor inzwischen erneut belegt worden, der Anfang Mai veröffentlicht wurde. Rund 90 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass es hierzulande Rassismus gibt.

65 Prozent sind der Auffassung, dass es rassistische Diskriminierung in deutschen Behörden gibt. Wie eine Erhebung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung zeigt, haben 45 Prozent der Menschen schon einmal rassistische Vorfälle beobachtet, wie die Tagesschau berichtete. Wie aber gehen die beiden Hochschulen in der Stadt und das Studentenwerk, das für die Gießener Studierendenwohnheime zuständig ist, mit dem Thema um?

Wohnheime

Zunächst einmal ein Blick in Gießens Studierendenwohnheime. Dort ist Internationalität an der Tagesordnung, dort, wo verschiedene Kulturen, Religionen und Zugehörigkeiten aufeinandertreffen. »Gerade in unseren Studierendenwohnheimen wird Internationalisierung täglich gelebt: Hier wohnen weltoffene Menschen mit einem hohen Gerechtigkeitssinn und dem Wunsch nach Integration und kulturellem Austausch«, betont Unternehmenssprecherin Eva Mohr.

Natürlich sei es dem Studentenwerk bewusst, dass es in einer multikulturellen Umgebung potenziell zu Konflikten kommen könne, weshalb alle Abteilungen und Ebenen für die Themen Rassismus und Diskriminierung nach eigenen Angaben sensibel reagieren.

»Im Bereich Studentisches Wohnen stehen Studierenden verschiedene Ansprechpersonen zur Verfügung: Das Team der Wohnheimverwaltung, die jeweiligen Hausmeister vor Ort und in den drei größten Gießener Wohnheimen auch eine Wohnheimberaterin und zwei Wohnheimberater«, erläutert Mohr. Außerhalb haben die Studierenden verschiedene Anlaufstellen zu Verfügung, an welche sie sich in Fällen von Diskriminierung oder Rassismus wenden können. »Das Team der Abteilung Beratung und Service und das Team des Qualitätsmanagements, das für die Bearbeitung von Beschwerden unter anderem verantwortlich ist«, so Mohr weiter. Glücklicherweise könne das Studentenwerk hier den Konjunktiv gebrauchen, denn »uns sind tatsächlich keine Fälle von Rassismus und Diskriminierung in unseren Wohnheimen bekannt«, schreibt Mohr.

Und wie sieht es an den Hochschulen aus, wo nochmals zwischen der Studierendenvertretung und den hochschulischen Angeboten unterschieden werden muss?

THM

Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) beruft sich auf eine im Juni 2019 beschlossene Antidiskriminierungsrichtlinie. Die Hochschule verweist hierbei auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches die Diskriminierungsverbote rechtlich regelt. Die Hochschule ergreift nach Lektüre der Richtlinie präventive Maßnahmen wie etwa regelmäßige Informationsangebote für alle Angehörigen der Hochschule, Fortbildungsangebote, Bereithaltung eines Angebots von Materialien zum Thema sowie die Berücksichtigung von Diskriminierungsrisiken bei Planungs- und Entwicklungsprojekten und infrastrukturellen Änderungen.

Die THM stellt zudem Anlaufstellen wie etwa eine Antidiskriminierungsstelle, ein Gleichstellungsbüro, eine Studienberatung, eine Konfliktberatungsstelle und den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) zu Verfügung. Im AStA ist das Referat für Gleichstellung und politische Bildung Ansprechpartner, die BIKO-Antidiskriminierungsberatung bietet vertrauliche Beratung mit Informationen zu Handlungsmöglichkeiten sowie Unterstützung zur Konfliktbeilegung im interkulturellen Zusammenhang an.

JLU

»An der JLU gibt es Anlaufstellen, Beratungsstellen und die Beschwerdestelle, an die sich betroffene Personen wenden können. Hierzu zählen beispielsweise das Feedbackmanagement der JLU und der Personalrat. Beratungsstellen bieten qualifizierte und auf einzelne Diskriminierungskategorien spezialisierte Beratung«, teilt die Pressesprecherin der Justus-Liebig-Universität, Lisa Dittrich, auf Anfrage mit. Auf der Homepage des Büros für Chancengleichheit finden interessierte Personen Informationen zu verschiedenen Anlauf- und Beratungsstellen zum Schutz vor Diskriminierung, so die Hochschule. »Zur Umsetzung der Antidiskriminierungsrichtlinie hat die JLU eine Beschwerdestelle eingerichtet, an die sich betroffene Personen wenden können, um ein offizielles Beschwerdeverfahren nach Paragraf 9 der Antidiskriminierungsrichtlinie einzuleiten«, so Dittrich.

Für manche Studierende sei der Vorgang des offiziellen Beschwerdeverfahrens aber zu umständlich und nicht leicht zugänglich, sodass sie sich an andere Stellen wenden, studentische Stellen. Das Referat für Antifaschismus und Antidiskriminierung ist für viele Studierende zum Ansprechpartner geworden. »Als niedrigschwellige Anlaufstelle hören wir den Betroffenen zu und versuchen für sie zielgerichtet eine Lösung zu finden. Wir nehmen jede Anfrage ernst und nehmen zeitnah Kontakt zu den betroffenen Studierenden auf«, teilt das Referat auf Anfrage mit. Die Referentinnen und Referenten betonen, dass sie keine professionelle Ausbildung haben. »Deshalb würden wir uns eine eigenständige und unabhängige Antidiskriminierungsstelle mit einer zuständigen beauftragten Person wünschen, die das Gespräch mit den Studierenden auf der Basis von Betroffenensolidarität sucht, sowie dabei die Anonymität der Betroffenen gewährleistet. Das würde uns zeitlich sowie emotional entlasten«.

Zusammenarbeit

Zudem würde sich das Referat über eine enge Zusammenarbeit mit der Antidiskriminierungsstelle freuen. »Der Erfahrungsaustausch würde der Studierendenschaft zugutekommen«, so die Studierenden.

Auch interessant