1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Wir sind jetzt schon Gewinner«

Erstellt:

giloka_0802_kitaroedgen__4c
Naturpädagogik spielt in der Awo-Kita Rödgen eine große Rolle. Das drückt sich auch in dem Kunstwerk von Joe Pitt aus, vor dem sich Kita-Leiterin Beate Diehl und fünf der Mädchen und Jungs aufgestellt haben. Archivfoto: Zielinski © Petra A. Zielinski

Der Awo-Kita Rödgen ist es als einziger Einrichtung aus ganz Hessen gelungen, ins Finale des Wettbewerbs um den Deutschen Kita-Preis 2022 zu kommen. Es winken bis zu 25 000 Euro.

Gießen. »Eigentlich sind wir schon Gewinner. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe«, freut sich die Leiterin der Awo-Kita Rödgen, Beate Diehl. Der Einrichtung ist es als einziger aus ganz Hessen gelungen, ins Finale des Wettbewerbs um den Deutschen Kita-Preis 2022 zu kommen. Rund 1200 Kindertagesstätten und lokale Bündnisse hatten sich dieses Mal um den begehrten Preis beworben.

»Das war für mich eine große Überraschung und gleichzeitig eine wahnsinnige Wertschätzung für Kinder, Eltern und Erzieher und wurde von uns mit Popcorn, Konfetti und einem Umzug gebührend gefeiert«, betont Beate Diehl. »Was die Jury am meisten überzeugt hat, war unser kinderorientiertes Konzept sowie die Einbindung von Kindern und Eltern in Prozesse.«

Nach Auskunft von Eva Wingerter-Knoke, Programmleiterin des Deutschen Kita-Preises, würde bei der Auswahl vor allem darauf geachtet, wie sich die pädagogische Arbeit an den verschiedenen Bedürfnissen der Kinder orientiere und inwiefern Kinder, Eltern und Mitarbeitende im Alltag mitwirken könnten. Entscheidend sei darüber hinaus, inwieweit die Kita die Zusammenarbeit reflektiere und weiterentwickele und ob Partner aus dem Umfeld einbezogen würden, um gemeinsam Bedingungen für gute frühe Bildung zu verbessern. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Awo-Kita Marshallstraße den zweiten Platz belegt.

Einen weiteren Grund sieht die Kitaleiterin in der offenen Arbeit der Einrichtung. »Bei uns gibt es keine festen Gruppen.« Die klassischen Räume wurden hier in sogenannte Funktionsräume umgewandelt. So gibt es unter anderem einen Kreativraum, einen Rollenspielbereich, der wie eine kleine Wohnung aussieht, eine Baustelle und ein Bistro. »Die 70 Kinder können jeden Tag frei entscheiden, wo sie spielen möchten.«

Freie Entscheidung

Und noch etwas zeichnet die Awo-Kita in Rödgen aus: Ihr naturpädagogisches Konzept in Verbindung mit dem Thema Digitalität. Bereits seit 2014 besteht eine Kooperation mit einem ortsansässigen Landwirt, der regelmäßig von der »Naturbauernhof-Gruppe« besucht wird. Hinzukommen weitere Projekte, wie beispielsweise die Einbindung in die Aktion »Rödgen summt« der Stiftung Mensch und Natur, die sich für eine Bienen-freundliche Umwelt einsetzt.

Um so weit zu kommen, haben Beate Diehl und ihr Team hart gearbeitet. So musste neben einer umfangreichen Bewerbung und einer Selbsteinschätzung auch eine umfassende Alltags-Dokumentation erstellt werden. Darüber hinaus nahm ein Expertenteam die Kita noch einmal genauer unter die Lupe. Aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte eine Begehung, die Interviews mit den Eltern, dem Team und dem Träger auch in diesem Jahr wieder digital.

16 Eltern haben dabei den Experten der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), die zusammen mit dem Bundesfamilienministerium sowie weiteren Partnern zum fünften Mal den Deutschen Kita-Preis vergibt, Rede und Antwort gestanden. Ergeben hat sich daraus eine einheitlich positive Bewertung.

Jeweils zwei Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der zehn Finalisten haben zusätzlich Anfang Januar an einer Fortbildung zum Thema »Kinderperspektiven-Ansatz« teilgenommen. Dabei ging es um die Umsetzung von Kinderinteressen und -bedürfnissen. Im Anschluss an die Fortbildung war es Aufgabe jeder Einrichtung, fünf Beispielsituationen zu verschriftlichen. Am 17. Februar wird schließlich ein Filmteam in die Kita nach Rödgen kommen, um einen Trailer zu drehen.

Filmteam kommt

Alle Ergebnisse fließen in einen Bericht für die Jury des DKJS, die im Mai die Preisträger des Jahres 2022 bekanntgeben wird. Unabhängig davon können Leser der Zeitschrift »Eltern« parallel in der April-Ausgabe ihren Favoriten bestimmen. Der erste Preis ist mit 25 000 Euro dotiert, die vier Zweitplatzierten erhalten 10 000 Euro. »Egal, wie wir abschneiden werden, so hoffen wir vor allem live bei der Preisverleihung in Berlin dabei sein zu können«, erklärt die Kitaleiterin. Denn im vergangenen Jahr mussten die Preise aufgrund der Pandemie digital vergeben werden.

Für die Awo-Kita Rödgen war die Teilnahme gleich in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung: Zum einen durch die Pandemie, zum anderen durch den Trägerwechsel. Denn erst seit März vergangenen Jahres gehört die bis dato städtische Kita zur Arbeiterwohlfahrt.

»Wir sind gut durch die Pandemie gekommen und haben aus jeder Situation immer das Beste gemacht«, betont Beate Diehl, deren Team aus 14 Personen inklusive Praktikanten besteht. Aktuell ist die Kindertagesstätte mit 70 Kindern vollbelegt. Ein großes Lob hat die Leiterin auch für die Eltern, die während der Pandemie der Kita »den Rücken gestärkt haben.«

Auch interessant