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»Wir sind schon fast tot«

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Das Lichterfest in der Adventszeit war die einzige öffentliche Veranstaltung der IGW. Foto: Jung © Jung

Auch bei der außerordentlichen Sitzung der IG Wieseck für Handel, Handwerk und Gewerbe fand sich kein Vorsitzender. Nur zwölf von 60 Mitgliedern waren erschienen.

Gießen. Ein Vorsitzender fand sich auch bei der außerordentlichen Sitzung der Interessengemeinschaft Wieseck für Handel, Handwerk und Gewerbe (IGW) nicht. Sie war ausschließlich zu diesem Zweck einberufen worden. Es bekundeten nur Interessenten, die zum Teil gar nicht in der Versammlung anwesend waren, die Bereitschaft für die Posten der Beisitzer. Doch der geschäftsführende Vorstand der Interessengemeinschaft besteht laut Satzung nicht nur aus diesem Personenkreis, sondern auch aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden, Schriftführer und Kassierer.

60 Mitglieder, zwölf kamen

An die 60 Mitglieder zählt die IGW, nur wenig mehr als ein Dutzend kamen ins Gasthaus »Weller«. »Der Vorstand ist nicht geschäftsfähig«, stellte ein Mitglied fest. Die Auflösung der IGW stand im Raum, es gibt allerdings aus den Reihen der Mitglieder auch Bestrebungen, sie am Leben zu erhalten. »Wir sind schon fast tot«, kommentierte der stellvertretende Vorsitzende Stefan Schöffmann die Situation. Heike Mauthe hatte als kommissarische Vorsitzende bis jetzt organisatorische Dinge erledigt, zieht sich aber nach langen Jahren an der Spitze zurück.

Wenig positive Rückmeldungen

Sehr viele Telefonate seien im Vorfeld der Sitzung geführt worden, nur wenige positive Rückmeldungen zur aktiven Mitarbeit kamen aber zurück. »Wo sind die alle heute Abend«, blickte die Versammlung verwundert in die Runde, man müsse sich einbringen, wenn die Interessengemeinschaft am Leben erhalten werden solle, hieß es. Das Lichterfest - die einzige Veranstaltung, mit der die IGW nach außen hin sichtbar war - solle man mit Blick auf die Situation ausfallen lassen, wurden Stimmen laut.

Das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung feiern die Wiesecker und ihre Gäste alljährlich am Vorabend des 1. Advents und die Veranstaltung zog immer viele Besucher an. Die IGW hatte vor 1996 die Idee, ein Teil von Wiesecks Straßen in festliches Licht zu tauchen. Und organisierte so das erste Lichterfest mit später jährlich wechselndem Programm.

Stammtische und Ausflüge als gesellschaftliche Veranstaltungen seien nur mäßig besucht, »nur der harte Kern kam«, berichteten Mitglieder. Eine Anwesende warf ein, die Stadt Gießen habe dem Stadtteil Wieseck »das Genick gebrochen«. Weg von Stammtischen und Treffen will ein Mitglied, das darauf besteht, die Gewerbeförderung müsse man im Fokus haben und definieren, was der Zweck der IGW ist.

Das steht allerdings schon in der Satzung, die sich die IGW 1983 gegeben hat: »Die Gemeinschaft bezweckt die Wahrung und Förderung aller Interessen seiner Mitglieder«. Insbesondere sind das »Einrichtung von Veranstaltungen, die dem gesamten Gewerbestand zu fördern geeignet sind, die Veranstaltung von Vorträgen und Aussprachen über alle die Mitglieder berührenden Fragen die Kontaktpflege zu Behörden, Presse und anderen Stellen und die Pflege freundschaftlichen Verkehrs und Meinungsaustausche mit benachbarten Gewerbevereinen«. Geregelt ist in der Satzung auch die Auflösung.

Reine Geselligkeit bringt nichts

Die IGW gilt danach als aufgelöst, wenn alle Mitglieder die Auflösung beschließen, oder wenn sie weniger als sieben Mitglieder zählt. Letzteres ist im Moment nicht der Fall, drei Mitglieder haben die IG verlassen, weil sie zum Teil ihre Betriebe aufgegeben haben. Das Vereinsvermögen fällt bei einer Auflösung anteilmäßig den Mitgliedern zu.

Ein Anwesender meinte mit Blick auf die Stammtische und Feste, reine Geselligkeit bringe dem Einzelnen für sein Gewerbe nichts. Zeitlich seien viele Gewerbetreibende so eingespannt, dass sie es sich kaum einrichten können, teilzunehmen. Es kam ein Vorschlag auf den Tisch, Ausschüsse zu bilden, damit die IGW weiter bestehen kann. Doch zunächst beschloss die Versammlung wiederum eine außerordentliche Zusammenkunft.

Der Vorstand kann zumindest weiterarbeiten. Als stellvertretender Vorsitzender stellt sich Stefan Schöffmann zur Verfügung, Schriftführer wurde in Abwesenheit Alexander Jung und Joachim Mohr erklärte sich bereit, kommissarisch die Finanzen zu verwalten. Siggi Biermann, Julia Sator, Nadine Seibert, Thorsten Lang und Georg Kaluzza sind Beisitzer.

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