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»Wir sind schon sehr weit«

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In der Fahrzeughalle blicken noch die kahlen Wände auf die Besucher. © Scholz

Der Bau des Gefahrenabwehrzentrums von Stadt und Landkreis Gießen schreitet voran. Dieses Jahr soll es den Betrieb aufnehmen.

Gießen. Schon von Weitem ist die dunkle Fassade des Gefahrenabwehrzentrums deutlich zu sehen. Noch bricht von hier kein Löschfahrzeug zu einem Einsatz auf. Aber bald: Die Arbeiten am Großprojekt von Stadt und Landkreis Gießen am Stolzenmorgen sind weit fortgeschritten. »Wir haben in der Steinstraße tatsächlich seit einigen Jahren die Problematik, dass wir nicht mehr für alle Mitarbeiter Arbeitsplätze anbieten können. Die Teilung von Plätzen geht sehr zulasten der Effizienz«, freut sich Feuerwehrchefin Martina Klee auf den Umzug ins Gebiet »Am alten Flughafen«. Lange warten muss sie vermutlich nicht mehr, denn das neue Zentrum soll noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen. »Wir sind schon sehr weit«, sagt Sebastian Bravetti, beim städtischen Hochbauamt für den Neubau zuständig. Aktuell stünden sechs Vergaben an, die sich um Themen wie Reinigung des Gebäudes drehten.

Noch blickt der nackte Beton auf die Stadtverordneten der meisten Fraktionen. Auf Einladung von Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher nehmen sie teil an einem Rundgang durch den Rohbau. Nach seiner Fertigstellung beherbergt er unter anderem die Feuerwache der Berufsfeuerwehr, das Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz und die Gefahrenabwehr des Landkreises . Es gibt große Bereiche für die Aus- und Fortbildung der Feuerwehrangehörigen aus dem gesamten Landkreis.

Trakt mit Werkstätten

»Hier am Stolzenmorgem wird die Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst sein«, fügt Klee hinzu. Sie verweist zudem, auf den großen Trakt mit Werkstätten. Die Raumstruktur lässt all diese Funktionen des Gebäudes mittlerweile erahnen, wobei die Dimension der Fahrzeughalle besonderen Eindruck macht.

»Das hier sind alle unsere Stellplätze, die in der Steinstraße auf zwei Flächen in zwei Gebäuden verteilt sind, vergleicht Klees Stellvertreter Frank Mathes die rund sechs Meter hohe Halle mit den derzeit verfügbaren Kapazitäten in der Steinstraße. Im neuen Zentrum stünden alle Fahrzeuge zusammen und könnten über das rückwärtige Zentrallager bestückt werden. »In diesem Lager gibt es unter anderem Ölbindemittel, Schläuche - alles, was Feuerwehr braucht«, berichtet Mathes. Über eine zentrale Achse sei die Fahrzeughalle aus allen Bereichen des Gebäudes erreichbar. Auch von den Sozial- und Sporträumen im Obergeschoss, von denen aus eine klassische Feuerwehrrutsche in die Fahrzeughalle führt. Dank wasserführender Achsen könnten Fahrzeuge in der Halle zügig betankt werden.

Im Fall eines Einsatzes führen die Fahrzeuge direkt auf die Lilienthalstraße und schließlich die Hauptstrecken, um ins ganze Stadtgebiet zu gelangen. Eine zweite Route führe über den Stolzenmorgen auf die Autobahn, um so das Stadtgebiet zu erschließen. »Die ganzen Fahrstraßen werden ampelgesteuert, so dass es eine Feuerwehrfahrstraße gibt. Auf diese Weise halten wir die Hilfsfristen ein«, erläutert Mathes. Klee ergänzt mit einem Hinweis darauf, dass Feuerwehrfahrzeuge heute zum Teil über erhebliche Ausmaße verfügten. Anders als in der Steinstraße, wo man manches Gefährt werden seiner Höhe nicht mehr in der Halle unterbringen könne, gebe es diese Möglichkeit zukünftig im neuen Gefahrenabwehrzentrum.

Beschluss aus dem Jahr 2014

Kompliziert sei es gewesen, die Anforderungen der Feuerwehr in Leistungstexte zu überführen. Die Beschreibungen umfassten schon mal 450 Seiten und hätten damit eher die Umfänge von Romanen. »Es gab sehr sehr viele Abstimmungen zwischen Planern und Nutzern«, macht Bravetti deutlich. Es handele sich schließlich nicht um eine Schule oder ein Verwaltungsgebäude, sondern um ein Domizil der Feuerwehr, das besonderen Anforderungen genügen müsse. »2014 wurde der Grundsatzbeschluss für das Gefahrenabwehrzentrum gefasst. Es hat sehr lange Zeit gebraucht, damit es in der gewünschten und notwendigen Form entstehen kann« fasst der Mitarbeiter des Hochbauamtes zusammen. Zu Verzögerungen sei es auch durch Krankenstände oder Rohstoffmangel gekommen.

Künftig ebenfalls zentral am Stolzenmorgen untergebracht werden die Übungsmöglichkeiten für alle Feuerwehren aus dem Kreisgebiet. »Auf der Rückseite entsteht ein Übungshaus, wo man feuerwehrtechnische Übungen durchführen kann«, hebt Mathes hervor. Der große Übungshof werde ergänzt um eine Gleisanlage von 50 Metern Länge. Zu Trainingszwecken würden dort ein Eisenbahnwaggon und Kesselwagen untergebracht. Mathes: »Alle Übungen, die derzeit dezentral im gesamten Kreisgebiet stattfinden, sind künftig hier .«

Nichts Neues zu vermelden gibt es aktuell zu den Baukosten, die nach wie vor rund 36 Millionen Euro betrügen.

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