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»Wir versüßen uns den Abschied«

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Ein imposantes Bild: die Eule-Orgel der St. Bonifatius-Kirche. Foto: Rolf K. Wegst © Rolf K. Wegst

Gießen. Es ist eine beeindruckende Leistung: Der Förderkreis Neue Orgel St. Bonifatius hat von seiner Gründung im Jahr 2004 bis heute mehr als 800 000 Euro an Spenden eingesammelt, um die mächtige Eule-Orgel zu finanzieren, die das katholische Gotteshaus seit 2015 schmückt. Nun, da das Ziel erreicht ist, löst sich der Verein am Ende dieses Monats auf - »mit einem großen Knall«, wie Sprecherin Elisabeth Grote lachend berichtet.

In einer »Nacht der Klänge« gibt es am kommenden Samstag, 25. Juni, (siehe Kasten) viel Musik, bei der natürlich die Eule-Orgel im Mittelpunkt des Geschehens steht.

»Wir können mit Stolz sagen, dass wir einen wesentlichen Teil der Orgel finanziert haben«, erklärt Wolfgang Schreier, der Vorsitzende des Förderkreises. »Wir haben hier ein Kulturobjekt geschaffen, dessen Ruf mittlerweile bis ins Ausland reicht.« Der für das musikalische Programm verantwortliche Regionalkantor Michael Gilles unterstützt diese Einschätzung. Während er früher noch renommierte Organisten anschrieb und bat, für Konzerte nach Gießen zu kommen, »muss ich heute immer wieder Anfragen absagen«. Der Konzertkalender ist derzeit bis Mitte nächsten Jahres gefüllt.

Doch der Weg bis zu diesem riesigen Erfolg des ehrenamtlichen Engagements war mühsam. »Wir haben hier in der Stadt niemanden, der das Portemonnaie aufmacht und uns uns mit großen Summen unterstützt«, sagt Elisabeth Grote. Also setzte der Förderverein auf Kleinspenden. Und von denen gab es reichlich. Sie wurden bei den regelmäßigen Mittwochskonzerten ebenso gesammelt, wie bei Vorträgen oder beim monatlichem Kuchenverkauf. Alleine dabei kamen laut Grote in zwölf Jahren rund 14 000 Euro zusammen. So schaffte es die Kirchengemeinde auch, komplett auf Fördermittel durch die öffentliche Hand zu verzichten, wie Wolfgang Schreier berichtet. Dafür bezeichnete sich der Jurist zwischenzeitlich scherzhaft als »Prior des größten Bettelordens Mittelhessens«. Schließlich galt es auch immer wieder Unternehmen und Institutionen davon zu überzeugen, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Doch Schreier erinnert auch daran, dass eine Restaurierung der maroden Vorgänger-Orgel damals nicht mehr infrage kam. Sie hätte einen enormen Aufwand bedeutet - ohne entscheidende Verbesserung des Klangs. Also entschied man sich, ein großes Orgelkunstwerk speziell für St. Bonifatius anzuschaffen. Die Wahl fiel nach vielen Sitzungen, Diskussionen und einer großen Ausschreibung auf die traditionsreiche Firma Eule aus dem sächsischen Bautzen. »Als wir aber vom veranschlagten Preis erfahren waren, wurden wir erst einmal blass«, erinnert sich Schreier. Dennoch sei es die »beste Entscheidung überhaupt« gewesen, wie Elisabeth Grote sieben Jahre danach urteilt. Von dieser besonderen Zeit des Aufbaus im Jahr 2015 existiert eine professionell gemachte Filmdoku, die weiterhin in der Kirchengemeinde erhältlich ist.

Nun ist das Ziel des Fördervereins erreicht und »wir versüßen uns den Abschied des Vereins mit einem musikalischen Großereignis«, wie Elisabeth Grote formuliert. Das heißt aber nicht, dass es für die Unterstützer der Kirchenmusik in St. Bonifatius künftig keinen Ort mehr gäbe. Darum kümmert sich nun der Nachfolge-Verein Freunde der Kirchenmusik St. Bonifatius.

Die »Nacht der Klänge« bietet am Samstag, 25. Juni, in der St. Bonifatius-Kirche ein so vielseitiges wie umfangreiches Programm von 17 Uhr bis weit nach Mitternacht: Im Vorprogramm können ab 17 Uhr Pfeifenpaten wie andere Interessierte ihre Orgelpfeife selbst zum Klingen bringen. Organist Ralf Stiewe erklärt zudem den Spieltisch und lässt sich über die Schultern schauen. Um 18.30 Uhr beginnt ein Gottesdienst mit zwei Orgeln. Um 20.30 Uhr geht es mit Konzertmusik weiter. Stiewe spielt Musik von Franck, Beethoven, Élgar. Um 20 Uhr gibt es einen Mix unter dem Titel »Meer«: Zu hören sind dann auch Handpanharmonien, Geigenmelodien und ein Theremin. Um 21.30 Uhr beginnt ein Programm mit festlicher Barockmusik für Orgel und Trompete. Nach einer Pause mit Bewirtung ab 22 Uhr geht es um 22.30 Uhr mit zwei Konzerten für Orgel und Orchester und Werken von Händel weiter. Es spielen Nicolo Socoli und Marburg&Music. Um 23 Uhr folgen »Mystisches mit Orgel und Handpans, gespielt von Michael Gilles und Markus Reich. Von 23.30 Uhr bis nach Mitternacht geht es mit Improvisationen, Vorleser Felix Orth und mehr weiter, bevor Ralf Stiewe und Michael Gilles für den Ausklang sorgen. (red)

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