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»Wir wagen es wieder«

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Spielt zum Auftakt am 3. März: der Kölner Jazz-Trompeter Maik Krahl. © Allessandro De Matteis

Die Licher Kulturtage bieten ab dem 3. März drei Wochen ein hochkarätiges Programm mit Musik, Lesungen, Workshops und mehr.

Lich (bj). Als die Reihe der Licher Kulturtage im März 2020 mitten im Programm unterbrochen werden mussten, konnte noch niemand ahnen, dass das regionale Kulturleben fortan für lange Zeit zum Stillstand kommen sollte. Nun endlich scheint sich die Lage zu entspannen und »wir wagen es wieder«, wie Karla Katja Leisen vom Mitveranstalter künstLich nun frohgemut bei einem Pressegespräch ankündigte.

Erst vor wenigen Tagen fiel der endgültige Entschluss, die Traditionsreihe fortzuführen. Ein Glücksfall für alle Kulturliebhaber aus Lich und der Region: Denn das umfangreiche, vielfältige Programm des dreiwöchigen Festivals kann sich wahrlich sehen lassen. Geboten wird eine Mischung aus Konzerten, Lesungen, Workshops, Ausstellungen und Mitmachaktionen. Es ist ein großer Schritt auf dem Weg zurück »zur langersehnten Normalität«, wie Hans Gsänger vom Traumstern-Kino befindet.

Los geht es am Freitag, 3. März, mit einem Doppelauftakt. Um 18 Uhr wird im neuen Kulturraum Dazwischen, neben dem Kino (Gießenerstraße 5) gelegen, eine Ausstellung mit Malerei, Grafik und Gartenarchitektur von Susanne Jakobs eröffnet. Das Auftaktkonzert bestreitet dann um 19.30 Uhr das Maik Krahl Quartet im Traumstern. Namensgeber ist ein junger Trompeter und Schüler von Till Brönner aus Köln, der mit seiner Formation zwischen experimentellem Jazz und traditionellen Stilistiken pendelt und bereits landesweit auf sich aufmerksam gemacht hat.

Musikalisch geht es in den folgenden Tagen quer durch alle Genres weiter. Zum Programm zählt ein Auftritt des Licher Deutsch-Pop-Duos Tonland mit neuem Material (5. März, Bezalel-Synagoge), akustische Sting- und The-Police-Coverversionen des Gitarristen Bart (10. März, Dazwischen) und zwei Konzerten des Klavierduos Clara & Marie Becker (17. und 18. März, Bezalel-Synagoge), die Stücke von Schubert, Smetana und Dvorak im Programm haben.

Kammermusik mit Quatuor Soleil gibt es am 19. März in der Marienstiftskirche, ein Erzählkonzert mit Motiks Tonband ist anlässlich von 1700 Jahren Judentum in Deutschland am 21. März in der Marienstiftskirche zu erleben. Und Mitorganisatorin Karla Katja Leisen spielt nach zwei Jahren Unterbrechung am 25. März wieder mit Sukawave ein Gong-Konzert im Dazwischen.

Ebenso vielfältig zeigt sich das literarische Programm. Es gibt Krimis und Gedichte mit Barbara Kluge und Fritz Kremser am 6. März im vhs-Haus. Die aktuelle Deutsche Buchpreisträgerin Antje Ravic Strubel ist am 8. März zu Vortrag und Gespräch in die Stadtbibliothek eingeladen. Der FDP-Politiker Hermann Otto Solms stellt seine Memoiren am 13. März im Restaurant Savanne vor. Und der renommierte, aus Treis stammende Schriftsteller Thomas Hettche liest am 20. März unter dem Titel »6 x Anfang« aus seinen sechs Romanen.

Ebenfalls immer ein wichtiger Bestandteil der Kulturtage sind die vielen Angebote, die das Publikum zur aktiven Teilnahme auffordern. Diesmal gibt es etwa den Workshop »Klezmer heute«, der sich an Instrumentalisten und Chorsänger richtet und mit einem Abschlusskonzert (20. März) beendet wird. Am 26. und 27. März werden ein Kunstmarkt mit Arbeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen sowie Mitmach-Aktionen angeboten. Und ein Atelier-Workshop der vhs Lich richtet sich an Maler, die online von zuhause miteinander in Kontakt treten wollen. Denn wie vhs-Programmbereichsleiterin Anja Janetzky sagt, gibt es noch immer viele Menschen, die ungern im direkten Kontakt mit anderen Menschen sind, um sich nicht mit dem Virus anzustecken. Auch an sie soll mit dem Angebot gedacht werden.

Edgar Langer vom Traumstern hat feststellen müssen, dass derzeit nur noch etwa ein Drittel des Publikums aus Vor-Corona-Zeiten in den Kinosaal zurückgekehrt ist. »Es gibt ein treues Publikum. Und wer kommt, kommt oft«, sagt er. Aber viele Menschen gingen überhaupt nicht mehr raus, und das werde vielleicht auch noch eine ganze Weíle so bleiben, befürchtet er.

Mit den 19. Licher Kulturtagen hoffen die Verantwortlichen nun, wieder Hemmschwellen abzubauen und das Publikum auf vielfältige Weise anzusprechen. Das Motto dieser 19. Auflage wurde entsprechend ausgewählt: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein«. Für Langer »ist es einfach wichtig, jetzt »wieder etwas zu machen. Es muss einfach wieder ein Angebot da sein«.

Das komplette Programm der 19. Licher Kulturtage ist ab sofort auf ausliegenden Flyern sowie im Internet unter www.kultur-lich.de und über die Homepage der Stadt Lich einsehbar. Tickets gibt es bei den jeweiligen Veranstaltern, manche Programmpunkte sind gratis. Aktuell gelten die 2G-Plus-Regeln, das kann sich im Laufe der nächsten Tage aber noch ändern und wird dann entsprechend auf den Internetseiten aktualisiert. (bj)

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Liest am 20. März aus gleich sechs Romananfängen: der aus Treis stammende Thomas Hettche. © Joachim Gern
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Kommen für zwei Klavierkonzerte zurück in ihre alte Heimat Lich: die Zwillingsschwestern Clara & Marie Becker. © Rudolf Gilch

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