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»Wir werden jeden Cent feiern«

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Start bei den Stadtwerken in Gießen: Das Teilnehmerfeld setzt sich um 9.30 Uhr in Bewegung. alle Fotos: Jung © Jung

Sie sind wieder auf der Straße: Vom Gelände der Stadtwerke Gießen setzte sich die Tour der Hoffnung in Bewegung. 140 Männer und Frauen treten für den guten Zweck in die Pedale.

Gießen. Die 39. Ausgabe der dreitägigen »Tour der Hoffnung« rollt. Am Donnerstagmorgen fuhren rund 140 Frauen und Männer in ihren grünen Trikots und mit gelben Helmen auf ihren Rädern vom Hof der Stadtwerke Gießen (SWG) AG los. Bei dem neugegründeten Verein »Tour der Hoffnung e.V«, der nun für die Organisation verantwortlich zeichnet, dürfte sich in diesem Moment die Nervosität etwas gelegt haben. Denn hinter dem Team um Mathias Rinn und Karsten Koch als sportliche Leiter und Schirmherrin Petra Behle sowie weiteren Beteiligten liegen stressige Monate mit vielen Unsicherheiten. »Es gab einige schlaflose Nächte«, gesteht Petra Behle im Rückblick.

Der plötzliche Tod des langjährigen Organisationsleiters Gerhard Becker im Februar zwang zum Handeln und so organisierte ein Dutzend Leute aus dem Team die 39. Tour. Das machten sie neben ihren eigentlichen Jobs, was beim ersten Tourtag von Spendengebern wiederholt gelobt wurde. Dafür gab es viel Beifall und Anerkennung.

Lob und Anerkennung

Die Stadtwerke-Vorstände Jens Schmidt und Matthias Funk als Hausherren, hießen den Tross willkommen und eröffneten den Spendenmarathon mit einer Summe von 11 111,11 Euro - ein toller Einstieg. »Diese Tour steht im Gedenken an Gerhard Becker«, betonte Landrätin Anita Schneider in ihrem Grußwort, und doch dürfe man beim Helfen gute Laune haben.

Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher stellte sich als »Frischling« in der Reihe der Fahrer vor. »Man kann hier den Beweis antreten, dass mit Engagement Hoffnung geschaffen werden kann. Das ist großartig«, sagte das Stadtoberhaupt. Und rief dazu auf, fröhlich, gesund und motiviert in die Pedale zu treten - zum Wohle derer, »für die wir unterwegs sind«.

Petra Behle und ihre beiden Kollegen standen gemeinsam auf der Bühne, dokumentierten damit, dass künftig Teamarbeit zählt. »Schön, Euch alle wiederzusehen«, freute sie sich und verwies auf die etwas andere Form der Eröffnung. Und sie blickte auf die Zeit nach dem plötzlichen Tod von Gerhard Becker zurück. Anfangs sei man nicht sicher gewesen, sich dieser großen Aufgabe stellen zu können oder den Worten von Becker Rechnung zu tragen. Der hatte immer gesagt: »Ohne mich wird es keine ›Tour der Hoffnung‹ mehr geben«. Es sei schwer zu sagen, ob dies der Antrieb gewesen sei, eben genau dieses befürchtete Tour-Aus nicht zu akzeptieren. Schließlich habe das Gefühl überwogen, dass diese großartige Veranstaltung nicht einfach zu Ende gehen dürfe. Es sollte versucht werden, nicht gleich zu Beginn einfach aufzugeben.

Viele Gespräche seien geführt worden: mit den Verantwortlichen des AMC Gießen als bisherigem Trägerverein und mit Mitgliedern der Familie Becker. Auch Recherchen in Bereichen, die dem Team bisher verborgen geblieben waren, waren nötig. Petra Behle merkte an, trotz der vielen Jahre an der Seite von Gerhard Becker habe man sehr vieles nicht einsehen dürfen. Umso mehr dankte die Schirmherrin allen Unterstützern, denn es sei das erklärte Ziel gewesen, diese »unglaubliche Veranstaltung« zu erhalten. »Wir werden jeden einzelnen Spenden-Cent feiern.«

Gedenken an Gerhard Becker

Das neue Team wisse und hoffe, dass es im kommenden Jahr leichter werden wird, weil man die Erfahrungen aus diesem Jahr im Gepäck habe. Die Tour hänge am Namen Gerhard Becker, machte Behle in ihren Ausführungen weiter deutlich: »Daran gibt es auch nichts zu rütteln! Er hat sie zu dem gemacht, was sie ist. Die Geschichte, die wir nun alle gemeinsam schreiben, soll im Detail eine andere sein!« Dabei bleibe die Tour als solche für alle eine »Herzensangelegenheit«.

Sie forderte das Teilnehmerfeld auf, wieder Fahrt aufzunehmen: »Es gibt so viel zu tun und die Geschichte soll ja weitergehen. Es geht darum, Spenden zu sammeln für krebs- und leukämiekranke Kinder«. Heftiger, nicht endender Beifall brandete auf.

Rund 60 Kilometer legten die Radlerinnen und Radler durch Gießen und das Kreisgebiet am ersten Tag zurück. Zum ersten Mal seit zwei Jahren, in denen nur »Notausgaben« der Tour stattfinden konnten, erklang wieder die Trillerpfeife vom Kapitän des Fahrerfeldes, Klaus Peter Thaler. Daraufhin setzte sich der Tross, begleitet von zahlreichen Streifenwagen und Motorrädern des Polizeipräsidiums Mittelhessen, in Bewegung. Von den Stadtwerken ging es bei noch erträglichen Temperaturen über die Lahn zum ersten Spender, den AXA Versicherungen, im ehemaligen Schlachthof.

Zehn Stopps auf 60 Kilometern

Zehn Spendenstopps legten die Teilnehmer beim traditionellen Prolog zurück. In Gießen machte der Tross an fünf Stationen Halt.

Daneben gab es in Fernwald-Steinbach (Rewe-Markt), Lich (Brauerei), Lollar (Volksbank und Firma Weimer in Ruttershausen) sowie in Wettenberg-Launsbach (Delta-Bike) Spendenempfänge. Eine große Leistung von allen Mitwirkenden - auch angesichts der immer höheren Temperaturen unter greller Sonne.

Stimmungsvoller Ausklang

Für einen wohl verdienten Ausklang sorgte der »Tour-Eröffnungsabend« beim Unternehmen »Beton Rinn« in Heuchelheim - stimmungsvoll umrahmt von Sängerin Shondelle, die für die erkrankte Jessica Kessler einsprang.

alle Fotos: Jung

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Frank Sommerlad überreichte 10 000 Euro, der Gastropate auf dem Schiffenberg, vertreten durch Mara Urich, steuerte 3000 Euro bei und die Waffelbackaktion bei Sommerland erbrachte einen Betrag von 650 Euro für die Tour. © Klaus-Dieter Jung
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5000 Euro wurden in der Löwengasse von der Bäckerei Künkel überreicht. Zudem bekam die Tour-Kassiererin eine gewichtige Spende: 15 Kilogramm wiegt der Beutel mit Münzgeld, der ebenfalls in den Spendentopf fließt. © Klaus-Dieter Jung
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10 000 Euro spendete Christiane Roth von Esso Roth, die Kim Backhaus in ihrem Auftrag übergab, 5190 Euro spendete Tobias Ramb von One Medialis. 800 Euro, davon 400 für die Tour, übergab Stefanie Jacobs. © Klaus-Dieter Jung

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