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Wissenschaftsblogger Sebastian Schmalz zum Thema Glyphosat

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Von: Eva Pfeiffer

GIESSEN - (ebp). "Es gibt keine Diskussion über Glyphosat, die noch mit Fakten geführt wird", sagte Sebastian Schmalz zu Beginn seines Vortrags über das Pflanzenschutzmittel. Der Student und Betreiber des Wissenschaftsblogs "Nullius in Verba" war einer Einladung des Humanistischen Kreisverbandes Gießen gefolgt, um über "die zwölf größten Mythen in Bezug auf Glyphosat" aufzuklären.

Ein solcher Mythos sei laut Schmalz die Ansicht, das Herbizid sei für gehäuft auftretende Fehlbildungen bei Neugeborenen in Argentinien verantwortlich. Fehlbildungen in diesem Ausmaß würden jedoch nur in Argentinien auftreten, so Schmalz, während Glyphosat weltweit eingesetzt werde. In dem südamerikanischen Land werde jedoch ein ganzer "Pestizidcocktail" mithilfe von Flugzeugen ausgebracht - darunter auch das hochgiftige Insektizid Endosulfan.

Auch könne Glyphosat nicht für ein Bienen- oder generelles Insektensterben verantwortlich gemacht werden, ergänzte Kreisvorsitzender Dr. Jochen Blom. Studien, wonach die Zahl der Fluginsekten um 80 Prozent zurückgegangen seien, würden sich auf eine "dünne Datenlage" gründen. Zwar nehme die Zahl der Insekten tatsächlich ab, die Gründe dafür seien jedoch viel mehr die Lichtverschmutzung und ein genereller Mangel an unterschiedlichen Biotopen.

Seit seiner Markteinführung Mitte der 1970er Jahre sei Glyphosat "in hunderten Studien untersucht" worden, so Schmalz, "und könnte eigentlich einen super Ruf haben". Stattdessen sei Glyphosat für seine Gegner "alles, nur kein Pflanzenschutzmittel" und die Diskussion darüber zunehmend emotionsgeladen. Das zeigte sich auch während des Vortrags, als eine Zuhörerin dem Referenten lautstark vorwarf, "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen. "Das kann ja wohl nicht wahr sein. Wo bin ich hier nur reingeraten?", ärgerte sich die Frau, nachdem Schmalz die Trinkwasserbelastung durch Uran als Vergleich heranzog.

Nach Ansicht des Referenten würden Umweltschutzorganisationen gewollt Unwahrheiten verbreiten, um auf ihre Themen aufmerksam zu machen. Denn, so Schmalz, "Angst bringt Geld". Ein Verbot des Herbizids sieht er kritisch: "Wenn Glyphosat verboten wird, werden wir auf ältere, giftige Pestizide zurückgreifen müssen."

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