1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Wo einst der Stadtbach plätscherte

Erstellt:

giloka_2910_Walltor-Bast_4c
Ein Teil des Festungswalls ist noch heute vor dem Arbeitsamt zu sehen. Fotos: Klein © Klein

Peter Eschke von der Bürgerinitiative Historische Mitte Gießen publiziert in einem kleinen Büchlein Rechercheergebnisse zum Verlauf historischer Trassen und Mauern in der Stadt.

Gießen. Wie alles, hat auch dieses Büchlein eine Vorgeschichte. Die Bürgerinitiative (BI) Historische Mitte Gießen hatte vor zwei Jahren beim Magistrat angeregt, Trassen der ehemaligen Befestigungsanlagen und des Stadtbachs sichtbar zu markieren. Nachdem sie positive Rückmeldung erhalten hatte, begann Peter Eschke mit der Erarbeitung eines Konzepts für die Markierungen. Der Bauingenieur und einstige Mitarbeiter der mittelhessischen Wasserbetriebe ist gewohnt, mit Karten und Messungsrissen zu arbeiten.

Außerdem nutzte Eschke - unterstützt von Mitgliedern der BI - historische Berichte, in denen oft Pläne und Abbildungen aus vergangenen Zeiten abgedruckt sind, die im Original nicht mehr existieren. Zu den Funden im Stadtarchiv gehören auch Fotografien des einstigen Stadtbaurats Wilhelm Gravert von seinen Bodenuntersuchungen. Von ihm stammt die bekannte Zeichnung des mittelalterlichen Gießen.

Grabungen verfolgt

Die BI verfolgte außerdem die aktuellen Grabungen in der Innenstadt, fügte entsprechende Skizzen ein. Insgesamt gab es zahlreiche Ortstermine, um abzugleichen, was die Pläne aussagen und wie es heute dort aussieht. Nicht überall sind die einstigen Trassenverläufe eindeutig, an solchen Stellen empfiehlt die BI ausgrabungsfreie Messmethoden anzuwenden.

Beispiele wie solche Trassenmarkierungen aussehen könnten finden sich auf dem Kirchenplatz, wo der Grundriss der klassizistischen Stadtkirche als dezentes Bodenornament markiert ist, und hinter der Agentur für Arbeit, wo in den 1980er Jahren beim Neubau deutliche Reste des Festungswalls gefunden und sichtbar belassen wurden.

Neben Graverts bekannten Stadtplänen zu den Anfängen von Gießen gibt es auch noch weitere Pläne von früheren Historikern, die mit diesem Reader nun als Informationsquelle wieder verfügbar gemacht sind. Manchmal treten Unterschiede beim Verlauf der Stadtmauer auf, dies hat Eschke in seinen digital erstellten Plänen jeweils farbig markiert. Der Lageplan der Festungsanlage von 1530 ff. wurde in den 1990er Jahren vom Vermessungsamt in den heutigen Stadtplan übertragen. Diese Vorlage wiederum hat Eschke segmentiert und bringt damit Details deutlicher zur Geltung, etwa wo genau die Bastion am Landgraf-Philipp-Platz verlief. Dasselbe Verfahren der Segmentierung wendet er bei der Stadtansicht Gießens von Merian an, die erstaunlich genau und geradezu detailverliebt ist. Kurzum, der Reader ist ein Schmöker für lokalhistorisch Interessierte, die sich informieren und anschließend selbst vor Ort schauen möchten. Die Auswertungen verwandelte Eschke in digitale Seiten, die er 2021 über Facebook an einen Kreis historischer Interessierter schickte. Auf Nachfragen sammelte er auch einige Adressaten mit E-Mail-Adressen, die nun ebenfalls in den Genuss kamen. Dann folgte wiederum aus der Gruppe der Vorschlag die vielen Infoblätter in einer gedruckten Version zu versammeln.

Büchlein erhältlich

Jetzt ist der Reader mit Spiralbindung fertiggestellt und für 15 Euro erhältlich. Eschke bittet um Bestellung möglichst per E-Mail über Peter@Eschke.net, falls nicht möglich auch über über die Mobilnummer 0152/ 0214 1862. In Gießen ist Lieferung frei Haus möglich, bei Postzustellung sind 2,50 Euro Porto zu zahlen.

Auch interessant