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Wogen in Rödgen nicht geglättet

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Von: Rüdiger Schäfer

Die Mittelhessischen Wasserwerke versuchten Aufklärung zu den abgebrochenen Kanaluntersuchungen im Gießener Stadtteil Rödgen. 40 Bürger waren zur Sitzung gekommen.

Gießen (rsa). Aufgeklärt und zufriedengestellt sieht anders aus. Zumindest versucht wurde bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Rödgen vonseiten der Mittelhessischen Wasserwerke (MWB), die Wogen bezüglich der Kanaluntersuchungen unter der Dorfbevölkerung zu glätten. Dies gelang nur bedingt.

Bei der vorhergehenden Sitzung des Ortsgremiums Mitte September hatte die mit Spannung erwartete Aussprache darüber nicht stattfinden können. Der Amtsleiter weilte im Urlaub und ein Stellvertreter konnte nicht benannt werden. Auch könne der vom Ortsbeirat am 12. Juli erstellte Fragenkatalog in der Zeit nicht bearbeitet und damit nicht beantwortet werden. Ortsvorsteherin Elke Victor hatte 20 Bürger auf den nächsten Sitzungstermin vertrösten müssen.

Zu diesem kamen diesmal nicht nur gut 40 Interessierte, sondern auch Bürgermeister Alexander Wright, der seinen Vorstellungstermin im Rödgener Ortsbeirat absolvierte, und MWB-Betriebsleiter Clemens Abel waren zugegen. Abel hielt einen Vortrag, in dem er die rechtlichen Rahmenbedingungen von Kanalanschlüssen, -untersuchungen und -sanierungen, mit technischen Exkursen und Inhalten von Gesetzesparagraphen drappiert, so ausführlich darlegte, dass sich während seiner langandauernden Ausführungen merkbare Unruhe unter den Hauseigentümern ausbreitete.

Mehr oder weniger geduldig mussten sie sich anhören, warum unter anderem Grundstücksentwässerungsanlagen ordnungsgemäß gebaut und betrieben werden müssen; was das Hessische Wassergesetz (HWG) fordert; wie bei den MWB mit den Forderungen des HWG verfahren wird; welche Bedeutung hierbei das Gleichheitsgebot hat und auch wie sich die MWB auf die Kanaluntersuchungen vorbereitet haben; was das Ziel der Untersuchungen ist und wie die Forderungen der MWB begründet sind.

Laut Abel gibt es in der Stadt 500 Kilometer öffentliche Kanalisation und 1500 private. Letztere sei in deutlich schlechterem Zustand als die der Stadt. Die Kanalableitungen von 13 000 Grundstücken wolle die MWB in 20 Jahren auf ihre Dichtigkeit untersuchen. Ein Papier mit rund 20 Seiten zu den Stellungnahmen von 45 Fragen des Ortsbeirates gab es für das Publikum, um es zuhause zu studieren.

Eigentümer in der Pflicht

Hier war auf fünf DIN-A4-Seiten der Vortrag nochmals wiedergegeben. Beantwortet wurde, warum 95 Prozent der Erstuntersuchungen in Rödgen abgebrochen wurden. Diese Erkundungen erfolgen vom Hauptkanal auf der Straße aus. Unterbrechungshindernisse sind geschlossene Rückstausicherungen, zu viele oder enge Bögen, Rohrdurchmesser zu klein, sich ändernde Rohrdurchmesser oder zusammengebrochene Rohre. Diese Untersuchungsgründe träfen »regelmäßig« auf all diejenigen Untersuchungen in Rödgen zu, »die nicht zu Ende geführt werden konnten.«

Ursächlich seien bauliche Fehler, weil Grundstücksentwässerungsanlagen nicht den Regeln der Technik entsprächen sowie betriebliche Versäumnisse. »Beides fällt in den Verantwortungsbereich der Grundstückseigentümer«, heißt es. Die in Rödgen angetroffene Häufigkeit dieser Abbruchgründe entspreche nicht den MWB-eigenen Erfahrungen aus den bisher untersuchten Gebieten Weststadt, Anneröder Siedlung und Ostpreußenviertel.

Für die Sanierung des Abwasserkanals gibt es grundsätzlich zwei Varianten. Die preislich günstigere Version ist die geschlossene, bei der vom Hausanschluss durch die Rohre direkt saniert wird. Wenn dies nicht möglich ist, muss eine offene Sanierung erfolgen. Dies erfordert auch den Einsatz eines Baggers, der den Kanal freilegen muss.

In der Aussprache des Ortsbeirates dazu wurde konstatiert, dass »oft einfache Ausführungen ausreichend« seien. Firmen würden leider oft »profitorientiert« beraten. Ortsvorsteherin Victor: »Die Leute hier sind überfordert zu beurteilen, welche Sanierungsvariante die richtige ist.« Betriebsleiter Abel appellierte, sich kostenlos bei den MWB beraten zu lassen.

Infos auf der Homepage: www.mwb-giessen.de/abwasser/grundstuecksentwaesserung/inspektion-von-zuleitungskanaelen.

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