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Wollen gute Gastgeber sein

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Die Bühne im Rathaussaal ist für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar. Der Behindertenbeauftragte Samuel Groß informiert über das Organisationsteam und seine Aufgaben. Foto: Czernek © Czernek

Eine Delegation von der Elfenbeinküste besucht im Juni 2023 Gießen. Danach reist sie zu den »Special Olympic World Games«.

Gießen. Der Countdown für die »Special Olympic World Games« 2023 läuft und Gießen ist ein Stück weit mit dabei, wenn sie erstmals in Deutschland, vom 17. bis 25. Juni 2023, in Berlin stattfinden. Dazu fiel am Dienstagabend der Startschuss im Rathaus mit einer Informationsveranstaltung.

Die Special Olympic World Games sind der größte internationale Sport-Event für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Sie finden erstmals in Deutschland statt. Dazu werden rund 7000 Sportler aus 190 Ländern der Erde nach Berlin reisen und in 26 Sportarten Wettkämpfe bestreiten. Doch diese Spiele wollen weit mehr bewegen als ein weiterer großer Sportevent. Sie wollen durch den Sport die Inklusion von Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Mehrfachbehinderungen fördern, damit ihnen mehr Teilhabe zu Teil wird.

Gießen wurde ausgewählt, als »Host-Town« für eine Delegation von der Elfenbeinküste zu fungieren. Die Hintergründe dazu erläuterte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher. Am Montag, 12. Juni 2023, wird eine rund 120-köpfige Delegation von der Elfenbeinküste für vier Tage in Gießen Station machen, bevor sie weiter nach Berlin zu den Wettkämpfen fährt. »Sie sollen sich ein wenig hier akklimatisieren, die Zeitumstellung verkraften, aber auch Land und Leute kennenlernen«, sagte der OB. Er sei durchaus stolz darauf, dass Gießen als »Host-Town« ausgewählt wurde. Sie ist damit eine von 216 Städten und Gemeinden, die an diesem Projekt teilnehmen, und in puncto Gruppengröße ist Gießen ganz vorne mit dabei: Innerhalb Hessens nimmt nur die Stadt Frankfurt eine größere Delegation auf. Deutschlandweit zählt Gießen damit zu den Top 10 der »Host-Towns«, erläuterte die Projektkoordinatorin für das Land Hessen, Sarah Florian.

»Dies ist eine große Chance für die Stadt und wir wollen uns als gute Gastgeber präsentieren«, ergänzte Becher. Hierzu werden große Anstrengungen nötig sein und viel Manpower benötigt werden. Um dies zu erreichen, hat die Stadt ein Vorbereitungsteam aufgestellt, das Samuel Groß, Behindertenbeauftragter der Stadt, vorstellte. Er wies zu Beginn seines Vortags auf eine der vielen kleinen Barrieren hin, mit denen er täglich zu kämpfen hat - auch im Rathaus. Während alle anderen zu ihrer Präsentation auf die Bühne des Saals gehen konnten, blieb ihm das verwehrt: Als Rollstuhlfahrer gab es keine Chance, dort hinzukommen. Hierfür versprach der OB umgehend eine Korrektur. Eine der vielen Barrieren, die es abzubauen gilt.

Zu dem Vorbereitungsteam gehören neben Groß Tobias Erben (Sportamt), Ines Müller (Sozialamt), Frank Hölscheidt (Marketing- und Wirtschaftsförderung), Janina Brendel (Integrationsbüro) und Jan Labitzke (Referent des Oberbürgermeisters). Das Team koordiniert sämtliche Aufgaben und stellte auch schon ein sehr vorläufiges Programm vor, das zum einen den Sportlern Trainingsmöglichkeiten bieten will, zum anderen aber auch einen Eindruck der Stadt und der Menschen liefern soll.

»Sämtliche Sportarten, die das Team benötigt, können wir bieten«, erläuterte der Leiter des Sportamts. Dazu gehören Badminton, Basketball, Boccia, Fußball, Handball, Judo, aber auch Leichtathletik, Schwimmen und Tischtennis. Sicher ist, dass es eine Kraftanstrengung für alle werden wird. Und um dies zu stemmen - auch zur Ausgestaltung des Kulturprogramms - werden viele freiwillige Helfer benötigt, denn für die meisten der Angebote muss man die große Delegation in Kleingruppen aufteilen. »Man kann schlecht mit 120 Menschen als Gruppe über unseren Wochenmarkt gehen«, nannte Becher ein Beispiel. Wünschenswert wären zudem auch Französisch-Kenntnisse, der dortigen Landessprache. »Das ist aber kein Muss oder Hinderungsgrund, denn es werden genügend Dolmetscher dabei sein«, ergänzte Florian. So besteht die Gruppe zwar aus rund 120 Personen, eigentliche Sportler werden es aber nur rund 80 sein, der Rest sind Betreuer und Übersetzer. »Jeder ist als Volunteer willkommen«, betonten Erben, Becher und Groß unisono.

Schulen, Vereine und Organisationen sind aufgerufen, Aktivitäten anzubieten, damit sich daraus vielleicht auch weitergehende Partnerschaften entwickeln. Das hoffen die Verantwortlichen. »Der Kreativität sind zunächst einmal keine Grenzen gesetzt. Sammeln Sie ihre Ideen, und wir werden gemeinsam sehen, wie wir sie dann umsetzen«, forderte Becher engagiert auf. Es gehört zu den Zielen, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft einzubringen - ganz wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedetet wurde, erläuterte Florian.

Weitere Informationen dazu sind auf der Homepage der Stadt Gießen www.giessen.de zu finden. Fragen und Anregungen an folgende E-Mail: specialolympics@giessen.de.

Die Special Olympics ist weltweit die größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung .

Sie ist vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt und darf als einzige Organisation den Ausdruck »Olympics« weltweit nutzen. 1968 wurden die Special Olympics von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester des US-Präsident John F. Kennedy, gegründet. 2023 werden die Spiele erstmals in Deutschland veranstaltet. (bcz)

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