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Nur vor kleinem Publikum konnte der neue Honorarprofessor von Hirschhausen seine Vorlesung halten. Screenshot: Docter

»Humor hilft heilen«

Worte so sorgsam wählen wie Medizin

Der Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen wirkt künftig an der Ausbildung junger Mediziner in Marburg mit. In seiner Antrittsvorlesung ging es um die Frage, »warum Worte Medizin sind«.

Marburg. »Wenn jeder einen guten Gedanken aus meiner Vorlesung mitnimmt, ist es schon viel«, erklärte Dr. Eckart von Hirschhausen. Nun wurde der bekannte Arzt, Wissenschaftsjournalist, Buchautor, Moderator, Bühnenkünstler und Erfinder des Genres medizinisches Kabarett zum Honorarprofessor an der Philipps-Universität Marburg ernannt. In seiner Antrittsvorlesung, die er aufgrund von Corona leider nur vor kleinem Publikum halten konnte, sprach er über das Thema »Warum Worte Medizin sind - Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung.«

Hirschhausen wird zukünftig an der Ausbildung von Medizin-Studierenden der Philipps-Universität, vorrangig im Bereich »Klimawandel & Medizin« sowie »Sprache in der Medizin« mitwirken. Dabei möchte er weitergeben, was er selbst in Vorlesungen nie gehört hat, nämlich wie wichtig es ist, seine Worte für Patienten so sorgsam zu wählen wie ihre Arzneien.

»In meinem Semester waren damals rund ein Drittel Studenten, von denen ich niemals behandelt werden möchte«, erklärte er augenzwinkernd. Etwa 200 000 Gespräche führe ein Arzt in seinem Leben - »der Kinderarzt mehr, der Pathologe weniger« - umso wichtiger sei es auf seine Worte zu achten. »Man sollte erst den Mund aufmachen, wenn man die Augenfarbe seines Gegenübers erkennen kann«, betonte er. Eine kleine Geste oder Zuwendung könne Leben retten.

So sei es wichtig nach dem Grund zu fragen, wenn ein 30-Jähriger eine Darmspiegelung wünsche und nicht einfach zu sagen, dass er zu jung dafür sei. Oder eine Frau, die nicht schwanger wird, unter vier Augen zu befragen, woran dies liegen könnte. Leider würde heutzutage, »jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist«, ein neues Knie oder eine neue Hüfte erhalten. Sein Fazit: »Ärzte müssen raus aus ihrem Supermannkittel und raus auf die Straße.«

»Wenn es in den 60er Jahren schon Internet gegeben hätte, gäbe es heute noch Polio und Masern«, erklärte er. Denn hier würden negative Emotionen geschürt, die für ein Stagnieren der Impfkampagne sorgen würden. »Wir schauen uns leider im Netz immer schlauer.« Banale Dinge würden einfach nicht gut erklärt. »Wenn jemand nach einem Totimpfstoff fragt, sage ich immer: Wie tot hätten sie es denn gerne?«

»Wir leben in einer Pandemie, die so nicht hätte sein müssen. Grund hierfür sind mangelnde Kommunikation und mangelnde Kooperativität.« Sein Ziel ist es, in Marburg eine personalisierte, medizinisch fundierte App zu entwickeln. »Humor hilft heilen«, ist sich Hirschhausen sicher. »Wenn Sie etwas verschreiben und die Pflegekraft lacht, wem denken Sie, glaubt der Patient?« fragte er in die Runde. Neben einem Leben ohne Schmerzen gehöre der Wunsch seinen Humor nicht zu verlieren zu den Top Ten-Wünschen von Palliativpatienten.

»Unsere Klimakrise kann mit keinem Medikament, sondern nur mit wirksamer Politik geheilt werden«, betonte der Mediziner. Umso wichtiger sei es, seine Stimme auch außerhalb der Medizin zu erheben. »Wir können die Erde nur schützen, wenn wir wissen, wie es Menschen und Tieren geht.« Der Mensch sei Teil des Problems, vor allem, wenn man bedenke, wie er Wildtiere behandelt. Hierüber habe er sich lange mit der britischen Verhaltensforscherin Jane Goodall unterhalten.

Im Moment wachse die erste Generation heran, die es schlechter habe als seine eigene. »Noch ist es uns nicht gelungen, eine nachhaltige Welt zu schaffen«, bedauerte der Wissenschaftler, der sich bei Mitgliedern der Marburger Ortsgruppe von »Health for Future« für ihr Engagement bedankte. »Klima ist wie Bier. Warm ist scheiße.«

Hirschhausen, der sich selbst als »kreativen Chaoten« bezeichnete, forderte alle dazu auf, »den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, um die Welt besser zu machen.« Den angehenden Medizinern und Medizinerinnen riet er: »Hört auf Euer Herz, macht eine herzliche Humanmedizin.«

»Dr. Eckart von Hirschhausen, der schon länger mit unserem Fachbereich verbunden ist, weiß Studierende der Medizin und Psychologie für wichtige medizinische, aber auch gesellschaftliche Themen zu begeistern«, lobte Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, Dekanin des Fachbereichs Medizin in Marburg. Bereits 2017 und 2020 hatte der Arzt Vorträge an der Philipps-Universität gehalten.

»Noch heute sprechen mich dankbare Zuhörer an«, unterstrich Prof. Dr. Jürgen Schäfer, Leiter des Zentrums für unerkannte Krankheiten am Fachbereich Medizin.

Neben öffentlichen Vorträgen gestaltete Hirschhausen bereits die medizinische Lehre, beispielsweise mit der fachübergreifenden Ringvorlesung »Klimakrise und Gesundheit« im Wintersemester 2021/22 mit.

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